Fukushima-Mahnwache 2025: Nein zu Atomkraft und Atombomben

Dienstag, 11. März 2025 um 17.30 Uhr auf dem Kirchplatz Mosbach:

 

Die „Initiative AtomErbe Obrigkeit“ lädt zu dieser Mahnwache ein. Anlass ist die Kernschmelze in gleich drei Atomreaktoren in Fukushima nach einem Erdbeben in Japan vor vierzehn Jahren.

Die Mahnwache beginnt um 17.30 Uhr. Vertreter der Intiative werden sich in kurzen Redebeiträgen gegen eine Renaissance der Atomkraftnutzung in Deutschland positionieren, für eine entschlossene Energiewende und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen auf der Erde, für ein umfassendes Atomwaffenverbot und gegen die Rüstungsspirale. Die Mahnwache endet um 18.01 Uhr nach einer Schweigeminute für alle Opfer der zivilen und miltärischen Atomkraftnutzung.

Die Initiative wendet sich nebenbei auch gegen Einschüchterungsversuche der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch Umwelt-, Klima- und Naturschutzorganisationen wie der BUND, Greenpeace oder die Deutsche Umwelthilfe. Die Union fühlt sich schwer getroffen und beleidigt, weil Zehntausende Menschen gegen deren Abstimmung mit der AfD demonstriert haben, Daher haben die beiden Unionsparteien nun eine „Kleine Anfrage“ mit insgesamt 551 Punkten gestellt, welche die staatliche Förderung dieser Organisationen abfragen und inwiefern sie sich bei den Protesten politisch nicht neutral verhalten haben sollen. Die Unionsfraktionen befinden in der Anfrage, die „Proteste gegen die CDU Deutschlands“ seien eine „gezielte parteipolitische Einflussnahme unmittelbar vor der nächsten Bundestagswahl“ gewesen und damit „nicht mehr vom Gemeinnützigkeitsrecht gedeckt“. Letztlich wollen sie den Organisationen Geld entziehen. Mit Merz als künftigem Kanzler startet die Union mit aller Macht einen Angriff auf die Zivilgesellschaft und auf kritische Medien. Objekt dieser Anfrage sind Correctiv gGmbH, Omas gegen Rechts Deutschland e.V., Campact e.V., Attac Trägerverein e.V., Amadeu Antonio Stiftung e.V., Peta Deutschland e.V., Animal Rights Watch e.V., Foodwatch e.V., Dezernat Zukunft e.V., Deutsche Umwelthilfe e.V., Agora Agrarwende gGmbH, Agora Energiewende gGmbH, Greenpeace e.V., BUND e.V., Netzwerk Recherche e.V., Neue deutsche Medienmacher*innen e.V., Delta 1 gGmbH, Green Culture und Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit.

Antrag auf ein sogenanntes „AfD-Verbotsverfahren“: Appell an Bundestagsabgeordnete

Update vom 19. Februar 2025 anlässlich der Reaktionen von drei der angeschriebenen acht Bundestagsabgeordneten aus unserer Region → siehe am Ende dieses Beitrags

 

Schreiben der Initiative „Mosbach gegen Rechts“ an Bundestagsabgeordnete der Wahlkreise Odenwald-Tauber (WK 276), Rhein-Neckar (WK 277) und Heilbronn (WK 267), 23. Januar 2025:

Betreff: Antrag auf Entscheidung des Deutschen Bundestages über die Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der „Alternative für Deutschland“

Sehr geehrte Frau Warken, sehr geehrter Herr Brandenburg, sehr geehrter Herr Castelucci, sehr geehrter Herr Juratovic, sehr geehrter Herr Kretz, sehr geehrter Herr Link, sehr geehrter Herr Oppelt, sehr geehrter Herr Throm,

Wir, die Initiative „Mosbach gegen Rechts“ sind eine kleine Gruppe, die sich im Jahr 2016 unter anderem angesichts des Aufkommens der AfD zusammengefunden hat und seither gegen rechts-reaktionäre Tendenzen in Politik und Gesellschaft aktiv ist.

Am 13. November 2024 haben 113 Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und SSW den im Betreff genannten Antrag (verkürzt auch: „Antrag auf ein AfD-Verbotsverfahren“) im Bundestag eingereicht ( https://dserver.bundestag.de/btd/20/137/2013750.pdf ). Voraussichtlich berät der Bundestag in der nächsten Sitzungswoche (27.-31. Januar 2025) über den Antrag. Am 10. und 11. Februar könnte der jetzige Bundestag noch vor der Wahl eine letzte Gelegenheit haben, über den Antrag abzustimmen.

Der parteiübergreifende Charakter des Antrags unterstreicht, dass es nicht um Parteipolitik geht. Angesichts des Erstarkens der AfD als Partei mit zum Teil verfassungsfeindlichen Bestrebungen und menschenverachtenden Äußerungen und Absichten geht es vielmehr um den Schutz der Grundlagen unserer Demokratie, insbesondere der Menschenwürde (in Artikel 1 Grundgesetz) und des Rechtsstaatsprinzips (unter anderem Artikel 20).

Auch wenn wir von „Mosbach gegen Rechts“ mit dem Mittel eines möglichen Parteiverbots nicht glücklich sind, begrüßen wir die Initiative der Abgeordneten und sind dankbar für ihren Mut, sich zu positionieren. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und des Wissens darum halten wir es für eine Pflicht der demokratischen Institutionen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Bürgerinnen und Bürger, jetzt entschlossen auf verschiedenen Ebenen zu handeln. Die vorzeitige Auflösung des Bundestags und die Neuwahlen können zu veränderten Mehrheitsverhältnissen in der kommenden Legislaturperiode führen, sodass unsicher ist, ob danach jemals noch ein entsprechendes Verfahren eingeleitet wird. Der richtige Zeitpunkt darf daher nicht verpasst werden. Auch da der Antrag im Bundestag nunmal eingereicht wurde, erscheint es uns umso wichtiger, ihn nicht scheitern zu lassen.

Wir sind der Überzeugung, dass ausreichend Beweise für die Verfassungswidrigkeit der AfD vorliegen. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist zudem, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD bundesweit als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft hat. Bestätigt wurde dies auch durch eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster. Die Initiatoren des Antrags zu einem sogenannten AfD-Verbotsverfahren haben in ihrer ausführlichen Begründung weitere Hinweise gegeben. Auch könnten in einem solchen Verfahren noch weitere Belege gesammelt und vorgebracht werden.

Als beispielhafte Hinweise auf die Menschen- und Verfassungsfeindlichkeit der AfD und von vielen ihrer Politiker seien hier nur ein paar wenige Stichwörter genannt:

– das rassistische und diskriminierende Differenzieren zwischen sogenannten „Biodeutschen“ und als abwertend bezeichneten „Passdeutschen“

– die Bereitschaft von AfD-Politikern wie Maximilian Krah oder Björn Höcke bis zu 25 Millionen Menschen abzuschieben und dazu auch Millionen Menschen ihre deutsche Staatsangehörigkeit abzusprechen; in diesem Zusammenhang auch die Teilnahme von AfD-Politikern an dem Geheimtreffen von Rechtsextremisten mit dem Identitären Martin Sellner im November 2023 in Potsdam beziehungsweise an einem Treffen unter anderem mit Neonazis im Dezember 2024 in der Schweiz

– die Leugnung des menschengemachten Klimawandels (entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse) und die Missachtung der Verpflichtung im Grundgesetz zum Umwelt- und Klimaschutz

– fraternisierende Begegnungen von AfD-Politikern mit russischen Politikern (unter anderem mit dem Ex-Präsidenten und Kriegsverbrecher Dmitri Medwedew) und mit russischen Propaganda-Medien, wobei sie Deutschland und die Europäische Union denunzieren

– die Beschäftigung von mehr als 100 Rechtsextremen durch die AfD und ihre Abgeordneten im Deutschen Bundestag sowie viele weitere in den Landtagen

– die Ermöglichung des Zugangs von Verfassungsfeinden zu Räumlichkeiten des Bundestags (zum Beispiel durch die damalige AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann, die auch der Reichsbürger-Vereinigung „Patriotische Union“ angehörte)

Nach der Prüfung der AfD auf Verfassungsmäßig- oder -widrigkeit hätte das Bundesverfassungsgericht nicht nur die Möglichkeit über die AfD in Gänze zu entscheiden. Vielmehr besteht auch die Möglichkeit, dass über das Verbot einzelner Landesverbände oder anderer Parteigliederungen geurteilt wird. Genauso ist der Ausschluss der AfD von der staatlichen Parteienfinanzierung möglich. Doch auch ein solches Urteil kann das Bundesverfassungsgericht nur fällen, wenn Sie, die Abgeordneten, dem Antrag im Bundestag zur Mehrheit verhelfen!

Unabhängig davon ist ein solches Verfahren auch für die AfD eine Chance, einen internen Klärungsprozess durchzuführen, ihr Verhältnis zum Grundgesetz und zur Demokratie (neu) zu bestimmen und gegebenenfalls zu korrigieren. Möglicherweise sind auch die geplante Auflösung der „Jungen Alternative“ und heftige personelle Auseinandersetzungen (zum Beispiel im Landesverband Baden-Württemberg) erste AfD-interne Reaktionen auf das drohende Verbotsverfahren.

Wir wenden uns daher auch an Sie als Bundestagsabgeordnete aus unserer erweiterten Region:

Bitte setzen Sie sich entschlossen für den „Antrag auf Entscheidung des Deutschen Bundestages über die Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Alternative für Deutschland“ ein als Voraussetzung für ein mögliches Verbot der Partei oder andere geeignete Maßnahmen. Wir bitten Sie, wenn es im Bundestag zu einer Abstimmung über den Antrag kommen sollte, diesem zuzustimmen.

Zugleich möchten wir von „Mosbach gegen Rechts“ an Sie als Politiker beziehungsweise Politikerin im Bundestag appellieren, die Demokratie auch durch positive Maßnahmen zu unterstützen und dadurch (wieder) zu mehr Vertrauen in Politik und Identifikation mit unserem Gemeinwesen beizutragen.

Dazu zählen auch konkrete Konzepte und Maßnahmen zur Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge und sozialen Sicherheit, die Verringerung von Ungleichheit, die Betonung von Kooperation und Solidarität statt harter Alltagskonkurrenz, eine inklusive Gesellschaft, welche auch die wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe benachteiligter Menschen und unterschiedlicher sozialer Gruppen garantiert, die Stärkung der öffentlichen Infrastruktur, massive Investitionen in Bildung, gleiche Chancen in Stadt und Land, mehr Transparenz bei Entscheidungsfindungen in der Politik, entschlossene Maßnahmen zur Sicherung der Lebensgrundlagen auch zukünftiger Generationen (Klima, Ökologie) usw.

Abschließend bitten wir Sie noch um eine Rückmeldung, ob Sie den Antrag zu dem sogenannten „AfD-Verbotsverfahren“ unterstützen werden.

Mit freundlichen Grüßen,

die Initiative „Mosbach gegen Rechts“.

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Update, 19. Februar 2025

Reaktionen von Jens Brandenburg, Nina Warken und Lars Castellucci auf den Appell:

„Mosbach gegen Rechts“ hatte in einem Appell vom 23. Januar acht Bundestagsabgeordnete aus unserer erweiterten Region um Unterstützung für den sogenannten „AfD-Verbotsantrag“ angefragt (oder genauer: Antrag auf Entscheidung des Deutschen Bundestages über die Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der „Alternative für Deutschland“). Siehe oben. Es waren dies Nina Warken (CDU) vom Wahlkreis Odenwald-Tauber, Moritz Oppelt (CDU), Lars Castellucci (SPD), Jürgen Kretz (Bündnis 90/Die Grünen) und Jens Brandenburg (FDP) vom Wahlkreis Rhein-Neckar sowie Alexander Throm (CDU), Josip Juratovic (SPD) und Michael Georg Link (FDP) vom Wahlkreis Heilbronn.

Immerhin drei von acht Angeschriebenen haben bis jetzt geantwortet: Zuerst hat uns nach wenigen Tagen Hartmut Hanke von Büro von Jens Brandenburg geantwortet. Am 18. Februar trafen dann noch die Antwort von Nina Warken und eine besonders ausführliche Stellungnahme von Lars Castellucci ein. Dankeschön. Alle drei teilen überwiegend unsere Einschätzung der AfD als „extremistisch“ (Büro Brandenburg), „demokratiefeindlich“ (Warken) bzw. „verfassungsfeindlich“ (Castellucci). Castellucci ist besorgt über „eine sich immer schneller drehende Radikalisierungsspirale bei der AfD“, die rechtsextremes Gedankengut kanalisiere.

Brandenburg und Warken werden dem Antrag aber gegenwärtig nicht zustimmen, auch wenn „Brandenburg sich die Option des Parteiverbots als letzten möglichen Schritt offenhalten“ will. Und Frau Warken versichert, dass sie sich weiterhin dafür einsetzen werde, dass die AfD „niemals Regierungsverantwortung übernimmt und die Geschicke Deutschlands lenkt“. Sowohl Brandenburg als auch Warken verweisen jedoch auf die sehr hohen Hürden, die Langwierigkeit und hohen Risiken eines Parteiverbotsverfahrens.

Das Büro Brandenburg erklärt dazu: „So reicht es für ein Verbot rechtlich nicht aus, dass eine Partei verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt. Zusätzlich muss eine aktiv-kämpferische, aggressive Haltung gegenüber dem Verfassungsstaat nachgewiesen werden. Das Verfahren birgt entsprechend ein sehr hohes Risiko. Denn im Falle eines Scheiterns könnte die AfD ein Urteil fälschlicherweise als Bestätigung für die Legitimität ihrer Bestrebungen vermarkten“.

Warken und Brandenburg betonen stattdessen vor allem die Notwendigkeit einer politischen beziehungsweise inhaltlichen Auseinandersetzung und die Lösung der „drängenden politischen und gesellschaftlichen Probleme Deutschlands“, „um dem Frust der Bürgerinnen und Bürger zu begegnen“.

Dies hatte auch „Mosbach gegen Rechts“ in seinem Schreiben angesprochen und abschließend appelliert, „die Demokratie auch durch positive Maßnahmen zu unterstützen und dadurch (wieder) zu mehr Vertrauen in Politik und Identifikation mit unserem Gemeinwesen beizutragen. Dazu zählen auch konkrete Konzepte und Maßnahmen zur Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge und sozialen Sicherheit, die Verringerung von Ungleichheit, … eine inklusive Gesellschaft, … die Stärkung der öffentlichen Infrastruktur, massive Investitionen in Bildung, gleiche Chancen in Stadt und Land, mehr Transparenz bei Entscheidungsfindungen in der Politik, entschlossene Maßnahmen zur Sicherung der Lebensgrundlagen auch zukünftiger Generationen (Klima, Ökologie) usw.“

„Mosbach gegen Rechts“ möchte dazu noch nachtragen, dass es damit eben nicht meint, noch kurz vor Ende der Legislaturperiode in populistischer Manier überstürzt migrationspolitische Regelungen zu verschärfen, sondern vor allem den sozialen Gehalt unserer Demokratie und damit den solidarischen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Stattdessen haben Warken und Brandenburg gemeinsam mit den meisten Abgeordneten von Union, AfD, FDP und BSW und ein paar Fraktionslosen am 31. Januar versucht, ein „Zustrombegrenzungsgesetz“ durchzusetzen, nachdem diese Parteien schon am 29. Januar mit ihrer Zustimmung zum Merz’schen „Entschließungsantrag Fünf-Punkte-Plan zur Migrationspolitik“ vorläufig erfolgreich gewesen waren (Brandenburg hatte sich dabei aus welchem Grund auch immer an der Abstimmung nicht beteiligt). Sie haben es dabei bewusst in Kauf genommen, der AfD einen Achtungserfolg im Bundestag zu verschaffen.

Auch Castellucci äußert sich eher vorsichtig angesichts der „Anforderungen an das Verbot einer Partei in einer Demokratie“. Eine Partei könne „durch das Bundesverfassungsgericht nur dann verboten werden, wenn sie vielmehr planvoll das Funktionieren der freiheitlichen demokratischen Grundordnung beseitigen will. Dies setzt voraus, dass konkrete, gewichtige Anhaltspunkte vorliegen, die es zumindest möglich erscheinen lassen, dass das Handeln der Partei erfolgreich sein kann. … Dennoch haben die vergangenen Parteiverbotsverfahren gezeigt, dass das Bundesverfassungsgericht strengste Maßstäbe bei der Bewertung der Verfassungswidrigkeit einer Partei anlegt.“

Castellucci schlägt deshalb vor, „dass eine Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz ernsthafte Konsequenzen haben sollte. … Die Auswertung dieser Erkenntnisse durch den Verfassungsschutz spielt auch für uns als Fraktion eine Rolle, wenn wir gemeinsam darüber entscheiden, ob wir uns für die Beantragung eines Verbots der AfD einsetzen. … Deshalb müssen wir jede Möglichkeit zur Beweissammlung nutzen, um schließlich darüber entscheiden zu können, ob wir den Weg nach Karlsruhe beschreiten.“ Auch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse rechnet Castellucci nicht mehr mit einem Beschlussantrag des Bundestags in der im März zu Ende gehenden Legislaturperiode.

Castellucci bekennt abschließend: „Gedanken bekämpft man nicht mit Verboten. In der Tradition unserer langen Geschichte setzen wir uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für eine demokratische Streitkultur, die Entkräftung von Verschwörungstheorien und politische Bildung im Kampf gegen den Rechtsextremismus ein. Unser primäres Ziel muss es deshalb sein, als Staat wehrhaft zu bleiben und die AfD politisch zu stellen, damit sie nicht mehr in unsere Parlamente gewählt wird.“ Deswegen habe er sich zuletzt auf die inhaltliche Auseinandersetzung um „die wirtschaftliche und soziale Zukunft unseres Landes“ fokussiert. Er werde „dies auch weiterhin mit klarer Kante gegen die AfD tun.“

„Petra Kelly – Act now!“ am 22. Januar 2025 im Kino Neckarelz und 4 Jahre Atomwaffenverbotsvertrag

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ (IAEO) präsentiert den Film am Mittwoch, 22. Januar 2025 im Kino Neckarelz (Kinostar Filmwelt Mosbach, Bahnhofstraße 1) anlässlich des 4. Jahrestags des Inkrafttretens des Atomwaffenverbotsvertrags (AVV). Ein Vertreter der Initiative wird vor Filmbeginn eine kurze (zehnminütige) Einführung in den Atomwaffenverbotsvertrag geben. Beginn ist um 20 Uhr.

Die Initiative zur Abschaffung von Atomwaffen ICAN, die 2017 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, wirbt in euphorischer Weise für den Film:

Petra Kelly glaubte daran, dass man als einzelner Mensch die Welt verändern kann. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges 1982 brachte sie Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Stationierung von Atomraketen auf westdeutschem Boden zu protestieren. Petra Kelly wurde nicht nur als Mitbegründerin der Grünen und als deren Star berühmt, sondern auch als eine Frau, die in der Lage war, eine neue, weltverändernde Politik zu begründen und es mit zwei Supermächten aufzunehmen.

Sie wurde zur Symbolfigur der Friedensbewegung in Europa und war dabei sowohl im Austausch mit ostdeutschen Intellektuellen wie Wolf Biermann als auch mit internationalen Mitstreiter:innen wie Joan Baez oder dem Dalai Lama. Bereits vor 40 Jahren forderte sie unerbittlich die radikale Transformation der Gesellschaft. Dabei waren Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsfragen für sie gleichbedeutend. Sie wuchs in den vom Rassismus geprägten USA der 1960er Jahre auf und arbeitete als Studentin in den Monaten vor seiner Ermordung im Wahlkampfteam von Robert Kennedy. Ihr Vorbild war Martin Luther King, dessen Philosophie des zivilen Ungehorsams sie nachhaltig prägte. Das Times-Magazin wählte sie auf die Liste der 1000 bedeutendsten Personen des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben war ein großer Wurf, dessen Ende eine Tragödie. Ihr einsamer und gleichzeitig gnadenlos-öffentlicher Tod überschattete lange ihr erfolgreiches politisches Leben.

Der politisch reflektierende Kinodokumentarfilm erzählt von einer der wirkmächtigsten Persönlichkeiten in der alten Bonner Republik. Mit noch nie gezeigten internationalen Archivbildern destilliert er die Beweggründe und Gefühle heraus, die Petra Kellys Handeln geleitet haben und macht Brüche, Ambivalenzen und innere Widersprüche der Hauptfigur und der Zeit / des Zeitgeistes sichtbar. Dabei sprechen enge Freunde und Wegbegleiter erstmals über das private und politische Leben von Petra Kelly. Ein Film über eine Kämpferin und Aktivistin wie es sie heute nicht mehr gibt.

Update 22. Januar 2025:

Vier Jahre Atomwaffenverbotsvertrag! Petra Kelly: „Act now!“

Mit der Vorführung des Films „Petra Kelly: Act Now!“ im Kino Neckarelz feierte die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags am 22. Januar 2021, also vor genau vier Jahren ( https://mosbach-gegen-rechts.de/2020/10/27/mosbach-und-atomwaffenverbotsvertrag/ ). Die Initiative dankt den über fünfzig Zuschauern für Ihr Interesse und Kommen, womit sie die Finanzierung der Filmvorführung abgedeckt haben.

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Der Atomwaffenverbotsvertrag (kurz: AVV) verbietet die Entwicklung, Produktion, den Test, Erwerb, die Lagerung, den Transport, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen sowie die Drohung damit. Der Vertrag geht damit deutlich über den über fünfzig Jahre alten Nichtverbreitungsvertrag hinaus, der zwar die Atomwaffenstaaten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien zur vollständigen nuklearen Abrüstung verpflichtet, ihnen aber gleichzeitig einen Sonderstatus gewährt gegenüber den Staaten ohne Atomwaffen, was den Status Quo zementiert.

Der AVV ist ein großer Erfolg der globalen Zivilgesellschaft, wofür der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (kurz ICAN) im Jahr 2017 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Diesen erhielt letztes Jahr auch die japanische Anti-Atomwaffen-Organisation Nihon Hidankyo, gegründet von Überlebenden der Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki. ICAN und andere Organisationen hatten viele Jahre Vorarbeit geleistet, bis im Dezember 2016 die UN-Generalversammlung den Vertrag auf den Weg brachte. An zwei Verhandlungskonferenzen beteiligten sich dann rund zwei Drittel der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Nicht teil nahmen unter anderem die Atommächte und die NATO-Staaten mit Ausnahme der Niederlande. Der ausgearbeitete Vertrag wurde dann am 7. Juli 2017 mit 122 Stimmen angenommen; die Niederlande stimmte dieses Mal dagegen. Bis zum 75. Geburtstag der UNO am 24. Oktober 2020 unterzeichneten den Vertrag 84 Staaten, von welchen nochmals 50 Staaten ratifizierten, sodass der Vertrag neunzig Tage später am 22. Januar 2021 in Kraft treten konnte.

Mittlerweile haben 94 Staaten den AVV unterzeichnet und 73 Staaten ratifiziert. Zuletzt sind am 24. September 2024 die Salomonen, Sierra Leone und Indonesien hinzu gekommen. Letzteres ist mit etwa 275 Millionen Menschen der einwohnerreichste Mitgliedsstaat. Leider sind die großen Staaten und Mächte nicht mit dabei. Insbesondere Europa und die Europäische Union, die 2012 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, fehlen weitgehend. Nur fünf Mini- und Kleinstaaten – der Vatikan, Österreich, San Marino, Irland und Malta – haben ratifiziert, zudem hat noch Liechtenstein unterzeichnet. Deutschland nimmt an dem Prozess zu einer atomwaffenfreien Welt bestenfalls als Beobachter teil. Im November 2023 erklärte eine Vertreterin des Auswärtigen Amts mit Verweis auf Russland und China: Deutschland bekenne sich „voll und ganz zur nuklearen Abschreckung der NATO“ und werde dem AVV weder beitreten noch dessen Anspruch akzeptieren.

Dabei hatte schon am 8. Juli 1996 der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag festgestellt, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich gegen das Völkerrecht verstoßen und geächtet sind. Der 8. Juli ist als Flaggentag inzwischen ein fester Termin im Kalender vieler Städte, deren Bürgermeister sich den „Mayors for Peace“ angeschlossen haben, und die sich mit der Flaggenhissung an diesem Tag zu einer friedlichen Welt ohne Atomwaffen bekennen. Inzwischen gehören dem Netzwerk über 8.000 Städte und Gemeinden aus 166 Ländern an. In Deutschland sind über 750 Mitgliedsstädte dem Bündnis beigetreten. Im Oktober 2000 ist auch die Stadt Mosbach dem ICAN-Städtebündnis und den Mayors for Peace beigetreten.

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“, will auch dieses Jahres wieder in Mosbach mit einer Friedemskundgebung an die 200.000 Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor nunmehr 80 Jahren erinnern. Die Initiative wendet sich gegen die zivile und militärische Nutzung der Atomenergie und versteht sich auch als Teil der Friedensbewegung in der Tradition der Bewegung des „Kampfes gegen den Atomtod“. Gegen den Beschluss des Bundestags zur Atombewaffnung der Bundeswehr im Jahr 1958 gingen damals über 1,5 Millionen Menschen auf die Straße. Im Jahr 1962 war es aber auch möglich, dass der Chefredakteur des Spiegels Rudolf Augstein wegen „Landesverrat“ verhaftet wurde, weil dieser über die nuklearen Ambitionen von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß und Bundeskanzler Adenauer berichtet hatte. Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs zwischen der NATO und dem Ostblock in der ersten Hälfte der 1980er Jahre verfügten die beiden großen Atommächte USA und die Sowjetunion bis zu 60.000 Atomwaffen, was zu einem vielfachen Overkill – also der mehrfachen Vernichtung der Menschheit – gereicht hätte. Immer wieder stand die Menschheit an einem Abgrund.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre und in den 1990er Jahren kam es nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zu einem Entspannungs- und Abrüstungsprozess. Dieser kam aber etwa ab dem Jahr 2001 zum Erliegen. Zum einen wegen des „Kriegs gegen den Terror“ und desweiteren als die USA und Russland verschiedene Abkommen zur Vertrauensbildung und zur Begrenzung der Atomrüstung unterliefen und kündigten. Die NATO dehnte sich nach Osten aus, während Russland an seinen Rändern und gegen Nachbarstaaten vermehrt aggressiv politisch und militärisch intervenierte.

Die noch rund 10.000 Atomsprengköpfe von Russland und den USA reichen immer noch für einen mehrfachen Overkill. Diese Vernichtungsdrohung ist auch der Grund, weshalb Russland in skrupelloser Weise einen Krieg gegen die Ukraine führen kann, ohne eine noch entschlossenere Unterstützung der Ukraine oder gar ein direktes Eingreifen durch die NATO zu befürchten. Wahrscheinlich ist die Atomkriegsgefahr noch nie so groß gewesen wie in den letzten drei Jahren. Die Atomkriegs- beziehungsweise Weltuntergangsuhr der Atomic Scientists steht nun seit zwei Jahren schon auf 90 Sekunden vor Mitternacht – ihr kritischster Wert bisher überhaupt. Nächste Woche am 28. Januar soll sie neu gestellt werden.

Die weltweiten Militärausgaben haben 2023 mit fast 2.500 Milliarden Dollar einen traurigen Höhepunkt erreicht. Davon gaben die neun Atomwaffenstaaten Russland, USA, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea fast 100 Milliarden für die Modernisierung oder Neuanschaffung von Atomwaffen aus. Weiteren Staaten wie dem Iran, Saudi-Arabien, Ägypten oder der Türkei werden nukleare Rüstungsambitionen nachgesagt. Forderungen nach massiver Aufrüstung lassen befürchten, dass diese Ausgaben in den nächsten Jahren in der ganzen Welt weiter enorm ansteigen werden. Beispielsweise erwägt Kanzlerkandidat Habeck, 3,5 Prozent vom Bruttoinlandprodukt für das Militär auszugeben, das wären jährlich rund 160 Milliarden Euro. Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich über 10 Milliarden Euro ausgeben, um neue F-35-Kampfflugzeuge aus den USA für die Bundeswehr anzuschaffen. Diese sollen im Ernstfall die 20 in der Eifel gelagerten US-amerikanischen Atomwaffen in gegnerische Ziele schießen.

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ ruft mit der Protagonistin des Films Petra Kelly und der Handlungsaufforderung „Act now!“ auch dazu auf, sich gegen den Tod und für das Leben und die Zukunft zu engagieren. Die Probleme liegen offen: die Klimazerstörung, die Vermüllung unserer Welt, das Artensterben, die drohende Auslaugung unserer Böden – es gibt die These von noch 60 bis 100 Ernten –, der drohende Atomtod, die Bedrohung unserer Freiheit durch digitale Überwachung und Steuerung, der Welthunger, der auch als das „größte lösbare Problem der Welt“ bezeichnet wird, undsoweiter.

Unser Appell an die Bundesregierung:

Stoppt die Angriffe auf die Demokratische Selbstverwaltung im Norden und Osten Syriens (DAANES) – gemeinsam für ein demokratisches Syrien!

Screenshot: „Wütende Proteste“ Mitte Dezember 2024 in Kobane gegen die türkische Aggression. Auf der Hauswand steht die Parole der kurdischen Revolutionsbewegung „Jin Jiyan Azadi“ (Frau Leben Freiheit), die auch bei den Protesten im Herbst 2022 im Iran aufgegriffen wurde.

 

Dienstag, 17. Dezember 2024

Gemeinsam für ein demokratisches Syrien! Stoppen Sie die Angriffe der Türkei und von Islamisten auf die Selbstverwaltung im Norden und Osten Syriens!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Olaf Scholz,
sehr geehrte Frau Bundesaußenministerin Annalena Baerbock,

sehr geehrte Frau Bundesinnenministerin Nancy Faeser,

„Mosbach gegen Rechts“ ist eine zivilgesellschaftliche Gruppe in Nordbaden, die sich „gegen Hetze, Nationalismus und Fremenfeindlichkeit“ sowie „für eine offene und solidarische Gesellschaft“ engagiert. Wir haben uns 2016 zusammengefunden und sind seither für die Stärkung der Demokratie und gegen reaktionäre Strömungen in Politik und Gesellschaft aktiv.

Wir begrüßen es, dass in den letzten Wochen die Diktatur des Baath-Regimes relativ kampflos zusammenbrach. Wir haben die Hoffnung, dass die Menschen in Syrien einen Neuanfang schaffen können, sind aber zugleich skeptisch angesichts der islamistischen Herkunft der siegenden HTS.

Gleichzeitig greifen die türkische Luftwaffe und eine vom türkischen Staat unterstützte sogenannte „Syrische Nationalarmee“ (SNA) – bestehend aus Islamisten – Städte und Dörfer in der „Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien“ (DAANES bzw. „Rojava“) an. Diese Region umfasst immerhin über 30 Prozent des Staatsterritoriums und etwa ein Fünftel der Bevölkerung Syriens. Die Türkei verübt Drohnenangriffe und zieht Panzer an der Grenze gegenüber Kobane zusammen und bedroht damit die Stadt, in welcher 2014 die kurdische YPG den Vormarsch des Islamischen Staates zurückgeschlagen hat. Die SNA hat in den letzten Tagen 120.000 Menschen aus der Region Shehba zur Flucht gezwungen. Diese Menschen waren schon einmal 2018 von dschihadistischen, türkisch-unterstützten Milizen aus dem syrisch-kurdischen Kanton Afrin vertrieben worden. Die SNA hat mittlerweile die Gebiete westlich des Euphrats und die Stadt Manbic weitgehend eingenommen. Es gibt Berichte über Massaker an Verwundeten in Krankenhäusern und anderen Menschen in der Zivilbevölkerung sowie über schwere Misshandlungen von Frauen.

Wir von „Mosbach gegen Rechts“ und Leute aus unserem befreundeten Umfeld sind in Sorge um den Schutz der Menschen und die Existenz der DAANES. Diese hat seit 2012, als der Arabische Frühling scheiterte, im Norden und Osten Syriens – die ganze Zeit mehr oder weniger unter Kriegsbedingungen – eine kommunalistische und konföderalistische Demokratie aufgebaut, setzt sich für Geschlechtergleichheit und gegen Gewalt gegen Frauen ein, beteiligt ethnische und religiöse Minderheiten in Entscheidungsstrukturen und engagiert sich für eine ökologische Gesellschaft. Die Idee eines kurdischen Nationalstaates hat sie verworfen zugunsten einer regionalen Autonomie und eines gemeinsamen Kulturraumes in Mezopotamien. Letzte Woche wurden in der Demokratischen Konföderation syrische Flaggen gehisst als Zeichen der Bereitschaft der Verständigung und friedlichen Zusammenarbeit mit den anderen Landesteilen Syriens. Es waren auch die Einheiten der YPG, die zusammen mit der Guerillaorganisation PKK 2014 einen Fluchtkorridor für Tausende im Stich gelassene Jesidinnen und Jesiden freigekämpft haben, die ansonsten einem Völkermord durch den Islamischen Staat zum Opfer gefallen wären.

Als zivilgesellschaftliche und für Demokratie, Emanzipation und Vielfalt eintretende Gruppe solidarisieren wir uns mit dem Modell der „Demokratischen Selbstverwaltung“, das sich seit über zehn Jahren gegen Angriffe des türkischen Militärs, des Islamischen Staates und islamistischer Milizen und im Widerspruch zur syrischen Diktatur behaupten muss. In der Verallgemeinerung dieses Modells sehen wir auch eine Chance für ein pluralistisches, demokratisches und multiethnisches Syrien nach der Diktatur und für den darüber hinausgehenden heterogenen Kulturraum. Wir bedauern, dass diese Anstrengungen in der deutschen Politik nicht oder viel zu wenig positiv wahrgenommen und gewürdigt werden. Die Welt schuldet der damaligen „Demokratischen Konföderation Nordsyrien“ und heutigen DAANES Anerkennung und Unterstützung.

Wir von „Mosbach gegen Rechts“ und Leute aus unserem befreundeten Umfeld wenden uns daher an Sie und appellieren an Sie als Bundeskanzler, als Bundesaußenministerin bzw. als Bundesinnenministerin Deutschlands:

– Üben Sie Druck auf die Türkei aus, um die Angriffe auf die Gebiete der Demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien (DAANES) zu stoppen!

– Stoppen Sie alle Rüstungsexporte an die Türkei!

– Unterstützen Sie die Demokratischen Kräfte Syriens SDF gegen ein Wiedererstarken der Terror-Organisation Islamischer Staat!

– Die DAANES muss an Verhandlungen für eine demokratische Neugestaltung Syriens beteiligt werden!

– Erklären Sie die Anerkennung der DAANES durch Deutschland, um den Schutz von Minderheiten zu gewährleisten! Treten Sie für den Schutz der erkämpften Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen ein!

Unterstützen Sie die DAANES und Hilfsorganisationen bei der umfassenden Versorgung von geflüchteten Menschen!

Beenden Sie die Kriminalisierung der Kurdischen Arbeiterpartei PKK als angebliche Terror-Organisation durch den deutschen Staat! Heben Sie das Verbot des Mezopotamien-Verlags und von MIR-Multimedia auf! Es verstößt gegen die Pressefreiheit.

Wir bitten um eine Rückmeldung!

Mit freundlichen Grüßen

Arno Huth.

Mosbach gegen Rechts
DGB Ortsverband Hirschhorn/Neckarsteinach

Kurdisches Gesellschaftszentrum Heilbronn e.V.

V. Altmeyer, Eberbach
Brigitte Augspurger, Wagenschwend
R. B., Mosbach
Christine Becker, Schönau/Odenwald
Claudia Fensky-Perina, Aglasterhausen
Georg Fischer, Oberschefflenz
Simone Heitz, Aglasterhausen
Petra Herter, Obrigheim
Sven Hohnsbeen, Hirschhorn
Arno Huth, Mosbach
Elisabeth Laade, Mosbach
Gabriele Methfessel, Fahrenbach
Kurt Methfessel, Fahrenbach
Barbara Meyer, Mosbach
Gertrud Patan, Oberschefflenz
Helmuth Perina, Aglasterhausen
Thea Raber, Mosbach
Lara Riedel, DGB Hirschhorn/Neckarsteinach
Stefan Riedel, Ludwigshafen
Kai Stöhr, Leimen
Gülistan Tanhan-Ates, Kurdisches Gesellschaftszentrum Heilbronn e.V.
Birgit Wenzel, Osterburken

Buchvorstellung: „Reichsbürger“ im Südwesten

Die Akte Ingo K. aus Bobstadt

Vortrag und Buchvorstellung am 21. November 2024 Um 19 Uhr im Seminarraum der KZ-Gedenkstätte Neckarelz (Mosbacher Straße 39).

Bitte beachten: Aus Sicherheitsgründen ist eine Voranmeldung mit Vor- und Nachname an dokumentationsstelle@la-bw.de erforderlich. Die Anmeldefrist endet am Mittwoch, 20. November 2024 um 19 Uhr. Bitte bringt einen gültigen Lichtbildausweis mit.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus des Landesarchivs Baden-Württemberg statt.

Am frühen Morgen des 20. April 2022 will die Polizei eine illegale Waffe des „Reichsbürgers“ Ingo K. in Boxberg-Bobstadt (Baden-Württemberg) einziehen. Als das SEK versucht, den Rollladen seiner Terrassentür zu öffnen, fallen Schüsse aus dem Inneren der Wohnung. Das Oberlandesgericht Stuttgart ist überzeugt: Der „Reichsbürger“ hat geschossen, um mehrere SEK-Beamte zu töten.

Das Buch „Reichsbürger im Südwesten. Die Akte Ingo K. aus Bobstadt“, das genau ein Jahr nach dem Gerichtsurteil erscheint, beleuchtet die Tat und deren Hintergründe. Es gibt Einblicke in das gefährliche Weltbild von Ingo K. und führt seine schnelle Radikalisierung während der Corona-Pandemie vor Augen. Das Buch deckt seine rechtsextremen Netzwerke auf und macht deutlich, wie akut die Gefahr militanter „Reichsbürger“ im Südwesten ist. Es kann am Abend zum Preis von 20 Euro erworben werden.

Der Autor Timo Büchner, M.A., studierte Politische Wissenschaften und Jüdische Studien in Heidelberg. Er recherchiert seit Jahren zur extremen Rechten in Baden-Württemberg. Seine Recherchen erscheinen u.a. im Journal Rechts.Geschehen des Landesarchivs Baden-Württemberg.

Weitere Termine der Vortragstour von Timo Büchner mit Vorstellungen seines Buches sind voraussichtlich:

* Freitag, 15.11.2024, 19 Uhr: 97944 Boxberg (Mediothek)

* Montag, 18.11.2024, 19 Uhr: 97980 Bad Mergentheim (Moritz und Lux)

* Mittwoch, 20.11.2024, 19 Uhr: 97990 Weikersheim (Club W71)

* Donnerstag, 21.11.2024, 19 Uhr: 74821 Mosbach (KZ-Gedenkstätte Neckarelz)

* Freitag, 22.11.2024, 19 Uhr: 74722 Buchen (Bücherei des Judentums)

* Dienstag, 26.11.2024, 19.30 Uhr: 74076 Heilbronn (Kaffeehaus Hagen)

* Mittwoch, 27.11.2024, 19 Uhr: 74523 Schwäbisch Hall (Club Alpha 60)

* Donnerstag, 28.11.2024, 19 Uhr: 74564 Crailsheim (Volkshochschule)

* Freitag, 29.11.2024, 19 Uhr: 74592 Kirchberg/Jagst (Ev. Gemeindehaus Lendsiedel)

Erkundigt Euch vorher nochmals und meldet Euch rechtzeitig an.

KHVVG verhindern – Krankenhäuser erhalten

Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald

stellvertretend: Arno Huth

forum-soziales-no@posteo.de

An die Abgeordneten des Gesundheitsausschusses des Bundestags

An die lokalen Abgeordneten im ländlichen Raum von Nord-Baden-Württemberg und Südhessen

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor der Sommerpause hatten wir uns schon einmal in einem ausführlichen Schreiben an Sie und 60 weitere Bundestagsabgeordnete gewandt in Sorge vor einer massiven Ausdünnung der Krankenhausversorgung im ländlichen Raum durch das geplante sogenannte Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz KHVVG zur Krankenhausreform, über welches Sie nach der zweiten und dritten Lesung am 18. Oktober im Bundestag abstimmen sollen. (Unser Schreiben an Sie vom 26. Juni 2024: https://mosbach-gegen-rechts.de/2024/06/24/liebe-abgeordnete-stoppt-lauterbachs-krankenhausreform/ )

Immerhin sechs Abgeordnete haben uns daraufhin mit inhaltlichen Schreiben geantwortet: zwei von der CDU/CSU, zwei von der SPD und zwei von Bündnis 90/Die Grünen. Herzlichen Dank.

Leider sehen wir unsere schwerwiegenden Bedenken weder durch die Antworten noch durch die uns bekannt gewordenen Abänderungen des Gesetzentwurfes nach der Anhörung beim Gesundheitsausschuss am 25. September widerlegt. Die Antworten gehen kaum oder nur wenig auf unsere grundsätzlichen Anregungen hinsichtlich einer Entökonomisierung und Entprivatisierung des Krankenhauswesens ein, weichen aus zum Beispiel auf Nebenaspekte, bringen Gemeinplätze, die dann nicht konkretisiert werden, picken sich einzelne Punkte heraus oder wollen unser Anliegen anscheinend nicht verstehen.

Mit einer kleinen Kundgebung am 25. September 2024 demonstrierten vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags in Berlin fünfzehn Aktive des Bündnis Klinikrettung (angelehnt bei Gemeingut in BürgerInnenhand) gegen Lauterbachs Krankenhausreform. Auch ein Vertreter des „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ nahm an der Aktion teil.  Anlass war die öffentliche Mammutanhörung von rund 50 Verbänden und Experten und Epertinnen vor dem Gesundheitsausschusses. MdB Professor Dr. Armin Grau (Bündnis 90/Die Grünen) vom Ausschuss nahm vom Bündnis Klinikrettung die gesammelten 103.826 Unterschriften von drei Petitionen gegen die Krankenhausreform und Klinikschließungen entgegen. Auf Einladung der Gruppe der Linken hielt auch Laura Valentukeviciute vom Bündnis Klinikrettung einen kurzen Beitrag mit der Forderung nach der Einführung des Selbstkostendeckungsprinzips.

 

Wir möchten sechs unserer zentralen Positionen und Forderungen noch einmal mit diesem Schreiben an Sie zusammenfassen und bitten Sie, dem KHVVG nicht zuzustimmen:

1. das organisierte Kliniksterben und der Verlust von Arbeitsplätzen und Infrastruktur im ländlichen Raum – für eine wohnortnahe Versorgung

Wir misstrauen den Absichten des Bundesgesundheitsministers, denn kurz vor der Corona-Pandemie hatte Karl Lauterbach getwittert, „mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite Klinik schließen“ zu wollen. Diese Absichten spiegelten sich auch nach der Corona-Pandemie in den Empfehlungen seiner Kommission zur Krankenhausreform vom Dezember 2022 wider. Diese Kommission wird dominiert von den immer gleichen Gesundheitsökonomen, die schon in Gutachten für die Bertelsmann-Stiftung und die Leopoldina-Akademie nur 330-600 Krankenhäuser (von 1.500-1.900) übriglassen wollten.

Mit irreführender (fast schon erpresserischer) Rhetorik – ohne das KHVVG komme es zu einem unkontrollierten Kliniksterben – will sich die Bundesregierung die Zustimmung zum KHVVG sichern. Gleichzeitig verweigert sich die Bundesregierung einem Vorschaltgesetz zur Abdeckung der gestiegenen Kosten. Ebenso kommen die Bundesländer ihren Verpflichtungen zur ausreichenden Finanzierung von Investitionskosten in Milliardenhöhe seit Jahren nicht nach.

Schon jetzt gibt es viele Gegenden, in denen die Fahrt für Notfälle, Rettungskräfte, Patienten und ihre Angehörige zum nächsten Allgemeinkrankenhaus das Kriterium von 30 Minuten überschreitet.

Die Schließung von Krankenhäusern oder ihre Umwandlung in Sektorenübergreifende Versorgungszentren oder MVZ wird dazu führen, dass zahlreiche Pflegekräfte entlassen oder sich aus ihrem Beruf verabschieden werden.

2. DRG-Fallpauschalen, Vorhaltebudget, Leistungsgruppen und Bürokratisierung

Wir fordern die Abschaffung – nicht die Absenkung – der DRG-Fallpauschalen, die für Über-, Fehl- und Unterversorgung von bestimmten Behandlungen ursächlich sind, die für Abfluss von Profiten (letztlich aus den Mitteln der Beitragszahler) in private Krankenhauskonzerne und Investmentfonds sorgen und zu Rosinenpickerei hinsichtlich bestimmter lukrativer Behandlungen zum Beispiel durch private Fachkliniken ohne allgemeinen Versorgungsauftrag führen. Die oft defizitäre Allgemein- und Notfallversorgung bleibt dann den Grund- und Regelversorgern.

Die Abrechnung der DRG-Fallpauschalen haben zu einer massiven Bürokratisierung geführt, die über Hunderttausend Vollzeitarbeitskräfte auch aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich und damit Milliardenbeträge bindet. Die Abschaffung der Pauschalen könnte Zehntausende Arbeitskräfte auch für Pflege und ärztliche Behandlung gewinnen.

Auch die Einführung des sogenannten Vorhaltebudgets wird das „ökonomische Hamsterrad“ – wie gern beschönigend dargestellt – nicht stilllegen. Die Höhe dieses Vorhaltebudget wird zumindest beim Einstieg über einen komplizierten Verrechnungsmodus wieder von den Fallzahlen der Vorjahre abhängig gemacht, was zudem für weitere Bürokratie sorgen wird.

Insbesondere vielen Grund- und Regelversorgern droht über die Aberkennung von Leistungsgruppen der Entzug von Einnahmen, nachdem sie auch aufgrund des ökonomischen Drucks in bestimmte Fachrichtungen investiert hatten.

3. Selbstkostendeckungsprinzip statt „ökonomisches Hamsterrad“

Wir fordern dazu auf, das „ökonomische Hamsterrad“ durch das Selbstkostendeckungsprinzip zum Stillstand zu bringen bzw. abzubremsen. Dieses würde natürlich auch eine Vergesellschaftung bzw. Rekommunalisierung der Krankenhäuser voraussetzen. Denn nach unserem Verständnis von Daseinsvorsorge gehen Profite im Gesundheitswesen auf Kosten von Beitragszahlern und Patienten und haben daher keine Berechtigung. Oder plakativ ausgedrückt: „Gesundheit ist keine Ware.“

4. Transformationsfonds: Griff in die Taschen der Beitragszahler der GKV

Dass der Transformationsfonds von 50 Milliarden zur Hälfte durch die gesetzlich Versicherten bezahlt werden soll (neben den Ländern), lehnen wir als einseitig und Zweckentfremdung der Beiträge der Gesetzlich Versicherten ab. Auch die Nachbesserung, dass die Privaten Krankenversicherungen auf freiwilliger Basis einen Anteil zum Transformationsfonds beitragen sollen, halten wir für einen Witz und Ausdruck von politischer Handlungsschwäche.

Wir fordern die Ersetzung der fast 150 gesetzlichen und privaten Krankenkassen in Deutschland durch eine Bürgerversicherung oder durch die Steuerfinanzierung des Gesundheitswesens mittels einer progressiven Besteuerung aller Einkommensarten (Geringverdienende würden dann einen geringeren Prozentsatz zahlen). Wir erinnern daran, dass SPD und Grüne in ihren Wahlprogrammen 2021 eine Bürgerversicherung gefordert haben, aber während ihrer Regierungszeit keinerlei Schritte dorthin unternommen haben.

5. Kein ausreichender Ersatz für geschlossene Krankenhäuser: Sektorenübergreifende und Medizinische Versogungszentren (SVZ und MVZ)

Wir bezweifeln, dass die Umwandlung von Krankenhäusern in SVZ (oder gar nur MVZ) einen ausreichenden Ersatz darstellen. Für eine Notfallversorgung rund um die Uhr (24/7, auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen) können sie dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch ist eine durchgängig medizinische Leitung nicht vorgesehen. Diese SVZ bzw. „Level 1i-Krankenhäuser“ sind keine wirklichen Allgemeinkrankenhäuser der Grund- und Regelversorgung mehr. Sie sind zudem Einfallstor für weitere Privatisierungen im Gesundheitswesen, wie in den letzten Jahren der massenhafte Einkauf von MVZ durch Investoren bzw. „Rendite-Jäger“ (so die AOK) zeigt.

Bei der Beschreibung, dass „diese Krankenhäuser gemeinsam mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften künftig das Herz der regionalen Gesundheitsversorgung“ bilden könnten, fragen wir uns zudem, warum Grund- und Regelversorger erst zu SVZ bzw. Level 1i abgewertet werden müssen, um dann für Ambulantisierungen geöffnet zu werden.

6. Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge, Infrastruktur und Gemeingüter als nachhaltiger Beitrag zur Demokratie

Angesichts besogrniserregender gesellschaftlicher und politischer Veränderungen möchten wir einen weiteren Punkt aus unserem Schreiben vom 26. Juni nochmals aufgreifen und wiederholen:

„Eine gute Daseinsfürsorge für alle Menschen vermindert gesellschaftliche Ungleichheit und Sozialneid und stärkt damit die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit unserem Gemeinwesen und die Demokratie. Wir erinnern dabei auch an das Sozialstaatsgebot in Artikel 20 Grundgesetz. Dieser unterliegt wie Artikel 1 der Ewigkeitsklausel. Bedauerlicherweise wurde das Sozialstaatsprinzip nicht ausreichend konkretisiert. Allerdings könnte eine gute öffentliche Daseinsvorsorge dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir fordern daher auch die Wiedervergesellschaftung oder -kommunalisierung von Krankenhäusern, anstatt durch Privatisierung diese der gesellschaftlichen und demokratischen Verfügung und Steuerung und damit Bedarfsorientierung zu entziehen.“

Wir bitten Sie, den Zusammenhang soziale Sicherheit und öffentliche Daseinsvorsorge einerseits und Demokratie andererseits bei Ihrer Entscheidung zu berücksichtigen. Beispielsweise wurde in einer kurz eingeblendeten Analyse in ARD nach der Thüringen-Landtagswahl festgestellt, dass in Wahlkreisen mit wachsender Bevölkerung die AfD gegenüber 2019 nur um 2,2 % auf 21 % zulegte, mit schrumpfender Bevölkerung schon um 7,3 % auf 32 % und bei stark schrumpfender Bevölkerung sogar um 10 % auf 36 %.

Wir möchten daher nochmals an Sie appellieren:

Stimmen Sie in ihrer Verantwortung als „Volksvertreter“ und Bundestagsabgeordneter nicht der weiteren Beschneidung unserer Krankenhauslandschaft zu, sondern engagieren Sie sich für deren Erhalt und Stärkung insbesondere im ländlichen Raum und in sozial vernachlässigten Stadtteilen. Setzen Sie sich für eine auskömmliche Finanzierung der Krankenhäuser ein.

Freundliche Grüße,

das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald:

 

Brigitte Augspurger, Limbach-Wagenschwend
Detlef Gräser, Schriesheim
Petra Herter, Obrigheim
Sven Hohnsbeen, Hirschhorn
Arno Huth, Mosbach
Gebriele Methfessel, Fahrenbach
Kurt Methfessel, Fahrenbach
Gertrud Patan, Oberschefflenz
Lara Riedel, DGB-Ortsverband Hirschhorn/Neckarsteinach
Stefan Riedel, DGB-Ortsverband Hirschhorn/Neckarsteinach
Simon Schreiweis, Schefflenz
Kai Stöhr, DGB-Ortsverband Hirschhorn/Neckarsteinach

Herta Däubler-Gmelin: 75 Jahre Grundgesetz – Quo Vadis Demokratie?

Mittwoch, 2. Oktober 2024 in Buchen: Vortrag und Podiumsdiskussion

um 19:00 Uhr im Schulzentrum Buchen (Aula der Abt-Bessel-Realschule), Dr.-Fritz-Schmidt-Ring 1, 74722 Buchen

– eine Veranstaltung von „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis“ und der Allianz NIE WIEDER

Gemeinsam mit dem „Fritz-Erler-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung“ ist es der „Allianz NIE WIEDER“ gelungen, die ehemalige Bundesministerin für Justiz, Frau Prof. Dr. Herta Däubler Gmelin nach Buchen einzuladen. Am 2.10.2024, als Teil der landesweiten Veranstaltungsreihe „Lange Nacht der Demokratie“, findet ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Quo Vadis Demokratie“, 75 Jahre Grundgesetz statt. In der Aula der Abt Bessel Realschule im Schulzentrum Buchen widmet man sich ab 19 Uhr Fragen, wie „Wie empfinden junge Menschen die Demokratie? Wie wird sie wahrgenommen? Wohin entwickelt sich Demokratie ? Ist Demokratie „nur“ Politik und Regierung ? Wie kann Demokratie für junge Menschen wieder attraktiv werden? Schreckt Demokratie ab? Gibt es zu viele Diskussion? Ist sie zu langsam ? Ist Sie zu wenig mutig für die großen Fragen und Problemstellungen ?“

Auf dem Podium dürfen wir Vertreter*innen aller demokratisch gesinnten Parteijugendorganisationen und parteilose Mandatsträger begrüßen.

Hertha Däubler-Gmelin, geboren am 12. August 1943 in Bratislava, hat sich als Politikerin und Juristin einen Namen gemacht. Von 1998 bis 2002 war sie Bundesministerin der Justiz im Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder. In dieser Funktion setzte sie eine große Zahl wichtiger Reformen durch, unter anderem den Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof, die Einführung des Völkerstrafgesetzbuchs, die Schuldrechtsreform und das sogenannte Lebenspartnerschaftsgesetz.

Ihr politisches Engagement begann früh, im Jahr 1965, mit dem Eintritt in die SPD, wo sie sich für soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte einsetzte. Von 1978 bis 2025 gehörte sie dem Bundesvorstand ihrer Partei an. Von 1988 bis 1997 amtierte sie als stellvertretende Vorsitzende der SPD. Sie war von 1972 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages und prägte als Rechtspolitikerin viele gesetzliche Neuerungen. In ihrer Parlamentsarbeit engagierte sie sich insbesondere für die internationale Achtung der Bürger- und Menschenrechte, die Stärkung der Verbraucherrechte sowie die Verbesserung des Datenschutzes.

Neben ihrer politischen Karriere ist Däubler-Gmelin auch als Autorin und Dozentin tätig. Sie hat zahlreiche Publikationen zu juristischen und gesellschaftspolitischen Themen verfasst. Seit 1995 gibt sie ihr Wissen als Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin an eine jüngere Generation weiter. Sie ist eine vielfach gefragte Expertin und engagiert sich in verschiedenen Gremien und Organisationen. Ihr unermüdliches Engagement für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist ungebrochen und hat sie zu einer über die Parteigrenzen hinweg respektierten Persönlichkeit gemacht.

Musikalisch wird der Abend von den „Happytones“ umrahmt, der Eintritt ist frei und endet gegen 21:00 Uhr. Wer möchte darf sich unter : https://www.fes.de/lnk/quovadis2okt2024 anmelden, dies ist jedoch keine Voraussetzung zur Teilnahme.

Programm:

19:00 Begrüßung
„Herz statt Hetze NOK“, Lisa Bundschuh | Vertreter der Stadt Buchen | Grußwort der Schulleiterin, Monika Schwarz
19:15 Happytones
19:25 Impuls Vortrag, Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
19:50 Happytones
19:55 Podiumsdiskussion- Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Olli Linke (Schulsprecher, parteilos), Erik Brunner und Jonas Weber (JuSos), Lena-Marie Dold (Junge Grüne), Max Sigmund (JuLis), Dominik Kircher (Junge Union), Wolfram Bernhardt (Bürgermeister Adelsheim, parteilos)
20:55 Abschluss und Verabschiedung, Lisa Bundschuh
21:00 Ausklang mit den Happytones

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Anmerkung: Die Allianz NIE WIEDER ist ein Zusammenschluss von der „Initiative Lebendige Demokratie Eberbach“, dem Mosbacher „Bündnis für Demokratie und Menschenrechte Neckar-Odenwald“, der Initiative „Mosbach gegen Rechts“, dem „Arbeitskreis für Toleranz und Vielfalt“ Osterburken, der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald“ mit Schwerpunkten in Buchen und Walldürn, dem „Netzwerk gegen Rechts Main.Tauber“ sowie dem „Bündnis für Demokratie Kleiner Odenwald“.

 

Franz Nadler (Connection e.V.): „Schutz und Asyl für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer“

Bericht: Kundgebung zum Hiroshima-Jahrestag in Mosbach

Für eine atomwaffenfreie Welt

Zum 79. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki konnte die Initiative AtomErbe Obrigheim IAEO über 25 Friedensfreundinnen und -freunde am 6. August 2024 zu ihrer Kundgebung auf dem Marktplatz Mosbach begrüßen. Arno Huth erinnerte an die 150.000 Todesopfer, was der heutigen Bevölkerung des Neckar-Odenwald-Kreises entspricht. Das Erschrecken darüber führte aber nicht zu einer globalen Friedenspolitik, sondern zum Kalten Krieg. Im Schnelldurchgang zeichnete Huth die Geschichte von acht Jahrzehnten Gefahr eines Atomkriegs infolge einer politischen Eskalation oder „aus Versehen“ nach. Die vorhandenen Atomwaffen reichen für einen „Overkill“, für die mehrfache Vernichtung der Menschheit.

Im aktuellen Krieg gegen die Ukraine droht Russland mit einem Atomwaffeneinsatz, um die NATO vor einer entschlosseneren Unterstützung der Ukraine abzuhalten. Auch andere Konfliktherde in der Welt, an denen weitere Atomwaffenstaaten involviert sind, werden brisanter. Die Weltuntergangsuhr war im Januar 2023 auf 90 Sekunden vor Mitternacht vorgerückt. 2023 beliefen sich die weltweiten Militärausgaben auf rund 2,5 Billionen Dollar. Huth zeigte auf die vom Mosbacher Rathaus wehende Fahne der Mayors for Peace und erklärte, dass Atomwaffen verboten seien. Daher fordert die Initiative den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag als vertrauens- und friedensbildende Maßnahme.

Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht – Franz Nadler (Connection e.V.) zur Lage in Russland, Belarus und der Ukraine

Als Hauptredner begrüßte die Initiative Franz Nadler, der vor über 30 Jahren die bundesweite Organisation Connection e.V. aus Offenbach mitbegründet hatte. Sie unterstützt Deserteure und Kriegsdienstverweigerer aus aller Welt und hatte im April den Bremer Friedenspreis erhalten. Rechtsgrundlage der Arbeit von Connection ist das seit 1993 vom UN-Menschenrechtsausschuss anerkannte Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung. Nadler wies desweiteren darauf hin, dass sich Soldaten nicht an einem Angriffskrieg beteiligen und auch keine keine Kriegsverbrechen begehen dürften. Bislang gebe es aber auch kein Land, das geflohenen Kriegsdienstverweigerern Asyl zusagen würde. Im ersten Teil seiner Rede ging Nadler auf die Rekrutierungspraxis und Kriegsdienstverweigerung in Russland, Belarus und der Ukraine ein.

In Russland dauert der Kriegsdienst ein Jahr. Wer Geld habe, kaufe sich frei. Nur etwa ein Drittel trete den Dienst tatsächlich an. Da das Militär grundsätzlich im Krieg nie genug Soldaten habe, würde vor allem in armen Gegenden bei Anwerbekampagnen mit Geld gelockt sowie Zwangsrekrutierungen und Razzien durchgeführt, wobei auf gesundheitliche Einschränkungen oft wenig Rücksicht genommen werde. Nadler zählte drei Hauptgruppen auf, die mit Versprechen und Zwang in den Krieg gepresst werden sollen: Zum einen würde Gefangenen gegen ein halbes oder ein Jahr Kriegsdienst die Freiheit versprochen. Seit Kriegsbeginn hätten sich die Gefängnisse um 160.000 Menschen geleert. Gefangenen würde nach einem halben bzw. einem Jahr Kriegsdienst die Freiheit versprochen. Desweiteren werde ausländischen Arbeitern, von denen es drei Millionen in Russland gebe, die russische Staatsangehörigkeit versprochen, wenn sie sich freiwillig melden. Ansonsten drohe ihnen der Entzug der Aufenthaltserlaubnis. Und zum dritten würden Kriegsgegner, die beispielsweise bei Protestaktionen festgenommen wurden, ins Militär gesteckt.

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung sei zwar in der Verfassung verankert. Es könne aber nur vor der Einberufung ein Antrag gestellt werden. Daher würden Soldaten, die nicht mehr mitmachen wollen, automatisch zu Deserteuren. Viele Anträge würden auch nicht angenommen, weshalb nur etwa 500 Verweigerer jedes Jahr anerkannt würden, die dann einen einen 21 Monate dauernden heimatfernen zum Beispiel waffenlosen Dienst in der Armee oder in der Rüstungsproduktion ableisten müssten. Bei Widerstand gegen die Einberufung müssen nicht anerkannte Kriegsdienstverweigerer in der Regel mit zwei bis drei Jahren Gefängnis oder Arbeitslager rechnen. Dagegen wurde das Strafmaß für Deserteure von sieben auf 15 Jahre Haft erhöht. Laut Nadler soll es bislang etwa 40.000 Deserteure und über 4.500 Strafverfahren geben. Soldaten an der Front, die fliehen oder nicht kämpfen wollen, müssen damit rechnen, dass auf sie geschossen wird. Hunderte Soldaten von Einheiten, die sich Befehlen verweigerten, seien rechtlos in unterirdische Verließe im Donbass gesperrt worden.

Belarus ist zwar der engste Verbündete Russlands. Über drei Viertel der belarussische Bevölkerung seien jedoch gegen eine aktive Kriegsteilnahme. Das seit 2016 eingeführte Recht auf Kriegsdienstverweigerung gilt nur für religiöse Pazifisten. Bei Anerkennung müssen sie einen dreijährigen Ersatzdienst ableisten. Bei Desertion sind bis zu sieben Jahre Haft vorgesehen. Nach einem neuen Gesetz ist jetzt bei „Hochverrat“, worunter auch Desertion fällt, sogar die Todesstrafe möglich.

Mit dem russischen Angriff wurde in der Ukraine das Kriegsrecht verhängt und die Grenzen für Männer geschlossen. Auch auf ukrainischer Seite würden vor allem Freiwillige und Söldner kämpfen. Über 10.000 sollen aus aller Welt gekommen sein. Inzwischen gebe es immer mehr Zwangsrekrutierungen. Wie in Russland werde jetzt auch in Gefängnissen rekrutiert, und auch Behinderte würden nicht mehr generell ausgemustert. Die Zwangsrekrutierungen und Razzien seien jedoch nicht sehr erfolgreich. Wer Geld und Beziehungen habe, könne sich freikaufen, Atteste bekommen oder ausreisen. In den Sozialen Medien würden sich Menschen austauschen, wo gerade Rekrutierer unterwegs sind. Nadler zitiert Meldungen von in Brand gesetzten Rekrutierungsfahrzeugen und blockierenden und protestierenden Frauen.

Das Recht auf religiös begründete Kriegsdienstverweigerung in der Ukraine ist ausgesetzt und Verweigerer werden derzeit zu drei bis vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die mit Connection verbundene kleine Ukrainische Pazifistische Bewegung ist immer größerer Repression ausgesetzt. Ihr Generalsekretär Yurii Sheliazhenko steht seit einem Jahr unter Hausarrest. Obwohl er den russischen Angriffskrieg immer verurteilt hat, droht ihm wegen „Rechtfertigung der russischen Aggression“ eine Strafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis und Einzug seines Vermögens.

Schutz und Asyl für alle, die sich dem Krieg verweigern!

Es gibt viele Gründe, warum ein Mensch nicht in den Krieg ziehen will. Da in Kriegszeiten das Recht auf Kriegsdienstverweigerung noch mehr eingeschränkt oder ganz abgeschafft wird, wollen viele davon ihr Land verlassen. Darauf ging Franz Nadler im zweiten Teil seiner Rede ein.

Seit Beginn des Kriegs haben fast eine Million Menschen Russland verlassen, darunter mindestens 300.000, die eine Einberufung befürchten. Die meisten davon flohen während der Mobilmachungsphase im Herbst 2022. Sie fliehen vor allem in Länder, in denen sie kein Visum brauchen: Kasachstan, Türkei, Israel, Serbien, Montenegro, Armenien und Georgien, aber auch Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate, Thailand, Südkorea, Argentinien.

Connection und befreundete Organisationen richteten gleich zu Beginn des Krieges Hilfs- und Beratungszentren in Finnland, Litauen, Georgien und jetzt auch in Südkorea ein. Das Büro in Lettland musste wieder geschlossen werden, da die dort tätigen russischen Leute keine Aufenthaltserlaubnis bekamen.

Als Beispiel nannte Nadler das Büro in Georgien, das zusammen mit christlichen Quäkern und Leuten aus Georgien, Armenien, Russland und der Ukraine geführt wird. Unterstützt werden sie von einem Anwalt, Sprachlehrern und Psychologen. Flugblätter mit verschiedenen Angeboten und Bertha von Suttners Slogan „Die Waffen nieder“ wurden verteilt. Diese hatte selbst von 1876 bis 1885 in Georgien gelebt. Seit 2022 kamen 300.000 Russen in drei Wellen nach Georgien. Zunächst unter anderem Geschäftsleute, die nach Verhängung der Sanktionen von dort ihr „business“ weiterbetreiben wollten und später weiterreisten oder wieder nach Russland zurückkehrten. Dann sehr viele Männer während der Teilmobilmachung. Bis jetzt gelang auch mindestens 600 Deserteuren vor allem mit Hilfe einer russischen Organisation die Flucht nach Georgien. Derzeit seien noch 80.000 Russen in Georgien. Hinzu kommen Tausende Ukrainer und Belarussen, denn die Flucht durch Russland habe sich für viele einfacher gestaltet als in den Westen. Es seien aber vor allem die Deserteure, die Unterstützung benötigen: sie haben kaum Geld, keine Papiere, sind „einfache“ Leute, sprechen nur Russisch, und manche sind in einem katastrophalen psychischen Zustand. Da es für sie keine Sicherheit und auch keine staatliche Hilfe in Georgien gibt, versuchen sie weiterzureisen. Aber die Grenzen in die EU sind zu.

Deutsche (und europäische) Politiker und Politikerinnen wie Bundeskanzler Olaf Scholz, Innenministerin Nancy Faeser und Außenministerin Annalena Baerbock haben russische Soldaten zur Desertion aufgerufen und ihnen dann auch das Asylverfahren angeboten. Bisher gelang jedoch nur wenigen Deserteuren die Flucht nach Deutschland.

Hinsichtlich von 3.500 Asylanträgen von Männern im wehrpflichtigen Alter aus Russland seit Kriegsbeginn bis September 2023 stellten Connection und Pro Asyl im Februar 2024 fest, dass erst 1.530 bearbeitet waren. 1.300 wurden durch das Bundesamt für Migration und Flucht BAMF aufgefordert, Deutschland zu verlassen, da nach der Dublin-Regelung ein anderer Staat für sie zuständig sei. Nur 250 wehrdienstfähige Männer aus Russland erhielten bis dahin eine inhaltliche Entscheidung in einem deutschen Asylverfahren: rund 40 % (bei sinkender Tendenz) erhielten eine Anerkennung als Flüchtling mit internationalem Schutz. Bei Ablehnung lautete die Begründung üblicherweise „Eine Einberufung ist nicht sicher“. Connection weiß auch von einem ersten Fall, wo versucht wurde, einen russischen Militärdienstentzieher abzuschieben. In einigen Fällen gelang es Connection, von Rückführung ins Ersteinreiseland Bedrohte ins Kirchenasyl zu vermitteln.

Auch der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel hatte Anfang April 2022 die russischen Soldaten aufgefordert, die Waffen niederzulegen und das Schlachtfeld zu verlassen. Bis heute drückt sich jedoch die Europäische Union um eine Schutzzusage für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer. Stattdessen erschwerte sie die Flucht für diese, indem sie im September 2022 Russen grundsätzlich die Einreise verwehrte. Für Franz Nadler ist diese Maßnahme „eine Schande“.

Zu Beginn des Krieges befürchteten viele, dass sich bald auch Belarus am Krieg Russlands gegen die Ukraine beteiligen könnte. Laut Nadler kamen nur noch ein Drittel der Militärdienstpflichtigen den Einberufungen nach. Über 20.000 Menschen verließen das Land, darunter einige Kriegsdienstverweigerer und Deserteure. Zwei von ihnen, Vitali Dvarashyn und Mikita Sviryd, sind in Litauen akut von Abschiebung bedroht, selbst wenn dem Deserteur Mikita Sviryd die Todesstrafe droht. Aufgrund geschlossener Grenzen ist eine Flucht von Belarus nach Polen oder Litauen kaum mehr möglich. Der Asylantrag von Olga Karatch, die mit ihrer Organisation Nash Dom/Unser Haus belarussische Kriegsdienstverweigerer und Deserteure unterstützt, wurde in Litauen abgelehnt,weil sie sei eine „Gefahr für die nationale Sicherheit“ sei. Die Kriegsgegnerin wurde mittlerweile in Belarus in Abwesenheit zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt unter anderem wegen „Förderung extremistischer Aktivitäten“. Gleichzeitig betreibt die litauische Migrationsbehörde ein Verfahren zur Auslieferung ihres Ehemanns, des Journalisten Oleg Borshevsky, an Belarus.

In der Ukraine machen Grenzpolizisten Jagd auf fliehende Männer. Über 20.000 sollen sie bereits abgefangen haben. Es soll aber etwa der gleichen Anzahl die Flucht gelungen sein. Über 100 Tote soll es schon geben: manche sind ertrunken, andere erfroren, ein paar wurden erschossen. In Deutschland sind derzeit nicht ganz 200.000 ukrainische Männer im Alter von 18 bis 60 Jahre gemeldet, in der EU 650.000, also eine ganze Armee. Schon vor langem wurden sie von der Ukraine mit Strafandrohung aufgefordert, zurückzukehren. Das Europäische Auslieferungsabkommen lässt aber eine Ausweisung nicht zu. Deswegen hat die Ukraine jetzt beschlossen, dass die im Ausland befindlichen Männer ihre Papiere, Führerscheine usw. nur noch in der Ukraine verlängern können. Seit März bekommen Neuankommende auch kein Bürgergeld in Deutschland mehr, sondern nur noch die erheblich niedrigere Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Immer mehr Länderminister fordern ihre Ausweisung.

Franz Nadler resümiert:

In jedem Krieg kommen zu allererst die Menschenrechte unter die Räder. Das Recht auf Leben zählt nichts mehr. Es sind in diesem Krieg wohl bereits mehrere 100.000 Soldaten getötet worden, weitere verwundet, traumatisiert. Es fehlt auf allen Seiten an Soldaten, die man nun mit immer drastischeren Maßnahmen rekrutiert und zum Kämpfen anhalten will. Dabei sind sie nichts anderes als Kanonenfutter.

Deshalb ist es für uns Kriegsgegner und -gegnerinnen selbstverständlich, dass wir alle, die den Kriegsdienst verweigern, desertieren oder sich dem Kriegsdienst entziehen wollen, unterstützen, damit sie ausreisen können und Schutz erhalten. Kriegsdienstverweigerung und Desertion sind ein Akt der Selbstbestimmung und Humanität. Sie stehen für die „Ehrfurcht vor dem Leben“ (Albert Schweitzer), … sie sind „Sand im Getriebe“ des Krieges (Günter Eich, Ostermarsch 1961 in Ulm).

Unsere Hoffnung und unser Beitrag für ein baldiges Ende des Krieges liegen auch in all jenen, die dem „Fleischwolf“ entkommen. Kriegsdienstverweigerer, Militärdienstentzieher und Deserteure brauchen Asyl! Würde man ihnen eine sichere Zuflucht anbieten, wäre der Krieg bald zu Ende.

Appell der Initiative AtomErbe Obrigheim

15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung unterschrieben noch den Appell der Initiative AtomErbe Obrigheim „Schutz und Asyl für alle aus Russland, der Ukraine und Belarus, die desertieren, den Kriegsdienst verweigern, sich dem Militärdienst entziehen oder sich anderweitig gegen den Krieg engagieren“. Die Briefe wurden an Außenministerin Annalena Baerbock, an Bundeskanzler Olaf Scholz und Innenministerin Nancy Faeser geschickt.

Gegen die Wiedereinführung der Militärdienstpflicht in Deutschland

Zuletzt ging Franz Nadler auf die Debatte um die Wiedereinführung der Militärdienstpflicht in Deutschland ein. Auch wenn die deutsche Regierung keinen Krieg führen wolle, bereite sie sich darauf vor, bis 2029 „kriegstüchtig“ zu sein. Es soll massiv gegen Russland und China aufgerüstet werden, und die vorhandenen 180.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr würden nicht ausreichen. Eine abrupte Wiedereinführung der Militärdienstpflicht würde jedoch aus organisatorischen Gründen (Bereitstellung der Infrastruktur für einen ganzen Jahrgang) und wegen volkswirtschaftlicher Kosten (fehlende Arbeitskräfte auf dem Markt) enorme Schwierigkeiten bereiten. Trotzdem soll mit der Erfassung der 18-jährigen Männer und Frauen ab nächstem Jahr und einer Vorauswahl der Männer, die für den Militärdienst infrage kommen, ein Anfang gemacht werden. Für alle anderen soll es perspektivisch ein soziales Pflichtjahr geben. Laut Umfragen gibt es auch in der Bevölkerung eine Mehrheit für die Wiedereinführung der Militärdienstpflicht, besonders unter den Grauhaarigen, während die Betroffenen, die 18-Jährigen, von diesen überstimmt würden.

Optimistisch setzt Franz Nadler aber auf die jungen Leute, dass diese „sich den Kriegsplänen nicht zur Verfügung stellen wollen.“ Er schloss mit einem Zitat von Albert Einstein aus dem Jahr 1932:

Nichts wird Krieg abschaffen, wenn nicht die Menschen selbst den Kriegsdienst verweigern.

„Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ im Kino Neckarelz

Fotocollage: Szenen aus dem Film sowie Putin mit Revolver und Tagung 75 Jahre NATO

Eine Woche später, am 14. August 2024, präsentierte die Initiative AtomErbe Obrigheim im Kino Neckarelz noch den Filmklassiker „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1964. Gertrud Patan gab eine kurze Einführung in das Thema Atomrüstung, Atomkrieg und Weltvernichtung. Auf die Auseinandersetzung in der Filmsatire ließen sich aber nur zwölf Kinofans ein.

Hiroshimatag, 6. August 2004 in Mosbach: Antikriegskundgebung

Hiroshimatag: Antikriegskundgebung mit Franz Nadler von Connection e.V. am Dienstag, 6. August 2024 um 17.30 Uhr, auf dem Marktplatz Mosbach

Anlässlich des 79. Jahrestags der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ruft die Initiative AtomErbe Obrigheim zu einer Antikriegskundgebung auf dem Markplatz Mosbach auf.

Der Hauptredner Franz Nadler ist Vorsitzender der Friedensorganisation Connection e.V. aus Offenbach, die seit über 30 Jahren Kriegsdienstverweigerer, Desereure und andere Kriegsgegner und -gegnerinnen aus Russland, der Ukraine, Belarus und der ganzen Welt unterstützt und für diese ein gesichertes Aufenthaltsrecht in Deutschland und Europa fordert. Connection e.V, und die Organisation „Pro Asyl“ beklagen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF Kriegsdienstverweigerer und -verweigerinnen aus Russland ablehnt und diese verpflichtet nach Russland zurückzukehren. Angesichts des völkerrechtswidrigen Krieges Russlands gegen die Ukraine kann diese Praxis nur als skandalös angesehen werden. Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Connection e.V. wurde dieses Jahr von der Stiftung „die schwelle“ und die Stadt Bremen mit dem Bremer Friedenspreis ausgezeichnet.

Mit der Kundgebung in Mosbach erinnert die Initiative AtomErbe Obrigheim zugleich an die Opfer der zivilen und militärischen Atomkraftnutzung, insbesondere an die über 200.000 Todesopfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945, aber auch des Uranabbaus und der Atombombentests. Die Initiative fordert die globale Durchsetzung des Atomwaffenverbots und entschlossene Abrüstung. Letztes Jahr stiegen die weltweiten Rüstungsausgaben auf fast 2,5 Billionen US-Dollar. Diese Gelder fehlen im Einsatz gegen den Welthunger, den Klimawandel und für andere dringende Menschheitsaufgaben. Atomwaffen bedrohen die Existenz der Menschheit und ihrer Lebensgrundlagen auf der Erde.

Engagiert Euch gegen Krieg, Rüstung und Atomwaffen sowie für das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung! Kommt zu unserer Kundgebung und bringt Eure Friedensfreundinnen und -freunde mit!

Im Kino Neckarelz am 14. August: „Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“

Desweiteren wird die IAEO, am Mittwoch, 14. August den satirischen Anti-Kriegsfilm „Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1964 um 20 Uhr im Kino Neckarelz zeigen. Ziemlich genau 60 Jahre danach ist dieser angesichts der Atomkriegsgefahr wieder hoch aktuell. Die Weltuntergangsuhr steht gegenwärtig auf 90 Sekunden vor Mitternacht:

Die Atommächte Russland, USA, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea bauen ihre Bestände an Atomwaffen aus oder modernisieren ihre Arsenale und erhöhen ihre Ausgaben für Atomrüstung. Andere Staaten wie Belarus, Türkei, Deutschland, Niederlande, Belgien und Italien verfügen über die Atomwaffen der Nuklearmächte mit. Weitere Regierungen (wie beispielsweise Iran oder Südkorea) haben Ambitionen, ihre Streitkräfte mit Atomwaffen auszurüsten oder arbeiten an Technologie-Projekten, die sie zur Herstellung von Atomwaffen befähigen könnten. Immer wieder drohen Regierungen anderen Staaten den Atomwaffeneinsatz an, und Russland führt mit genau dieser Drohung seinen Krieg gegen die Ukraine. Immer mehr Staaten entwickeln Hyperschallraketen, sodass sich im Falle eines gemeldeten Angriffs die Prüfungs- und Reaktionszeiten für die Staaten erheblich auf wenige Minuten verkürzen und die Gefahr eines Atomkriegs aus Versehen stark erhöhen.

Dass die Existenz und die Androhung des Einsatzes oder gar der Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig sind (Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 8. Juli 1996 sowie der Atomwaffenverbotsvertrag), wird von den Atomwaffenstaaten in verantwortungsloser und verbrecherischer Weise missachtet, indem sie die Existenz der Menschheit aufs Spiel setzen. Der Wille zu einer Verständigung und weltweiten Abrüstung ist nicht zu erkennen. Die Menschheit steht am Rande eines Abgrundes.

Mosbach: Flaggentag am 8. Juli, Kundgebung zum Hiroshima-Jahrestag am 6. August

Für atomare und konventionelle Abrüstung! Schutz und Asyl für Kriegsdienstverweigerer aus Russland, der Ukraine und Belarus!

Mit dem Flaggentag am 8. Juli appellieren die „Mayors for Peace“ jedes Jahr in der ganzen Welt, atomar abzurüsten. Diese Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung geht zurück auf ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 8. Juli 1996. Der Gerichtshof stellte fest, dass die Androhung des Einsatzes und der Einsatz von Atomwaffen generell gegen das Völkerrecht verstoßen. Außerdem bestehe, so der Gerichtshof, eine völkerrechtliche Verpflichtung, „in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen.“ Nachdruck erhält diese Forderung durch den über 50 Jahre alten Nichtverbreitungsvertrag und den 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrag. Atomwaffen sind verboten!

Auch der Mosbacher Oberbürgermeister (früher Michael Jann, nun Julian Stipp) gehört dem Bündnis der Mayors for Peace an. Den Beitritt des Oberbürgermeisters zu den Mayors for Peace und den der Stadt Mosbach zum ICAN-Städtebündnis hatte der Gemeinderat im Oktober 2020 auf Anregung der Initiative AtomErbe Obrigheim IAEO beschlossen.

Foto: Connection e.V.

Antikriegskundgebung am 6. August in Mosbach: Unterstützung, Schutz und Asyl für alle Männer und Frauen, die den Kriegsdienst verweigern, desertieren, sich dem Militärdienst entziehen oder gegen Krieg sind

Zum 79. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki plant die IAEO eine Antikriegskundgebung am Dienstag, 6. August um 17.30 Uhr auf dem Marktplatz Mosbach mit einem Redebeitrag von Franz Nadler zu Kriegsdienstverweigerung in Russland, der Ukraine und Belarus. Franz Nadler ist Vorsitzender der Organisation Connection e.V. an, die seit 1993 Kriegsdienstverweigerer, Deserteure, Militärdienstentzieher und Kriegsgegner und -gegnerinnen zunächst in der Türkei und dem Jugoslawienkrieg und schließlich in der ganzen Welt unterstützt. 1996 wurde Connection mit dem Aachener Friedenspreis und in diesem Jahr mit den Bremer Friedenspreis für vorbildliches Engagement für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ ausgezeichnet. Nebenbei war unter diesem Motto vor mehr als 30 Jahren auch in Mosbach die ökumenisch orientierte Gruppe „Weltversammlung“ aktiv gewesen. Verliehen wird der Bremer Friedenspreis alle zwei Jahre durch die „Stiftung die schwelle – Beiträge zum Frieden“ und die Stadt Bremen.

Im Kino Neckarelz am 14. August: „Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“

Desweiteren beabsichtigt die IAEO, am 14. August den satirischen Anti-Kriegsfilm „Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1964 um 20 Uhr im Kino Neckarelz zu zeigen. Ziemlich genau 60 Jahre danach ist dieser angesichts der gegenwärtigen Atomkriegsgefahr wieder hoch aktuell. Die Weltuntergangsuhr steht aktuell auf 90 Sekunden vor Mitternacht.

Flaggentag am 8. Juli in Mosbach

Die RNZ Mosbach schreibt am 3. Juli 2024 zum bevorstehenden Flaggentag in Mosbach unter anderem:

Es ist nur ein kleines Zeichen, aber es steht für eine große Botschaft. Während Kriege, Klimawandel und eine weltweite Bedrohung der Demokratien zuletzt die Nachrichten bestimmten, will man am kommenden Montag, 8. Juli, mit dem Flaggentag im Rahmen der Aktion „Mayors for Peace“ gemeinsam Flagge zeigen für eine atomwaffenfreie und friedliche, oder zumindest friedlichere Welt. Auch in diesem Jahr setzen rund 600 Städte in Deutschland – darunter Mosbach – mit dem Hissen der entsprechenden Fahne vor den Rathäusern ein deutliches Zeichen gegen Kriege und für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen.

Laut aktuellem Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes (Sipri) reduzierte sich der weltweite Bestand an Atomsprengköpfen auf schätzungsweise 12.121. Die Zahl der in hoher Alarmbereitschaft gehaltenen Sprengköpfe stieg allerdings auf rund 2.100. Neun Länder verfügen über Atomwaffen, die meisten der akut einsatzbereiten Waffen besitzen die USA und Russland. China baut sein Atomwaffenarsenal mit Tempo weiter aus. Und in allen nuklear bewaffneten Staaten sieht Sipri Bestrebungen, die Bestände zu modernisieren. Zudem geht der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine einher mit einem Rückzug Russlands aus internationalen Verträgen, wie dem New Start-Vertrag, der 2021 für fünf Jahre verlängert wurde und die Begrenzung strategischer Kernwaffen zwischen den USA und Russland regelt, sowie dem CTBT (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty), dem umfassenden nuklearen Teststoppvertrag.

„Als Mayors-for-Peace-Stadt setzen wir mit dem Hissen der Flagge ein sichtbares Zeichen gegen Atomwaffen und für ein friedvolles Zusammenleben der Menschen. Atomwaffen sind eine Bedrohung für die Menschheit. Wir brauchen Verständigung und Vertrauen statt Aufrüstung und Abschreckung“, erklärt Mosbachs Oberbürgermeister Julian Stipp. „Wir sind zudem glücklich und stolz, dass wir gemeinsam mit dem Mosbacher Friedensforscher und Namensgeber der Hans Günter Brauch-Stiftung jährlich ein Signal für den Frieden setzen können.“ Mit dem Schülerpreis der Stiftung sollen junge Menschen auf den Übergang zur Nachhaltigkeit in einem klimaneutralen Europa vorbereitet und mit der Forschung vertraut gemacht werden. Beim internationalen Wissenschaftspreis steht in diesem Jahr das Thema „Ökozid: Auswirkungen von Kriegen und/oder Klimawandel auf die Ernährungssicherheit seit 1945“ im Fokus.