„Petra Kelly – Act now!“ am 22. Januar 2025 im Kino Neckarelz und 4 Jahre Atomwaffenverbotsvertrag

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ (IAEO) präsentiert den Film am Mittwoch, 22. Januar 2025 im Kino Neckarelz (Kinostar Filmwelt Mosbach, Bahnhofstraße 1) anlässlich des 4. Jahrestags des Inkrafttretens des Atomwaffenverbotsvertrags (AVV). Ein Vertreter der Initiative wird vor Filmbeginn eine kurze (zehnminütige) Einführung in den Atomwaffenverbotsvertrag geben. Beginn ist um 20 Uhr.

Die Initiative zur Abschaffung von Atomwaffen ICAN, die 2017 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, wirbt in euphorischer Weise für den Film:

Petra Kelly glaubte daran, dass man als einzelner Mensch die Welt verändern kann. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges 1982 brachte sie Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Stationierung von Atomraketen auf westdeutschem Boden zu protestieren. Petra Kelly wurde nicht nur als Mitbegründerin der Grünen und als deren Star berühmt, sondern auch als eine Frau, die in der Lage war, eine neue, weltverändernde Politik zu begründen und es mit zwei Supermächten aufzunehmen.

Sie wurde zur Symbolfigur der Friedensbewegung in Europa und war dabei sowohl im Austausch mit ostdeutschen Intellektuellen wie Wolf Biermann als auch mit internationalen Mitstreiter:innen wie Joan Baez oder dem Dalai Lama. Bereits vor 40 Jahren forderte sie unerbittlich die radikale Transformation der Gesellschaft. Dabei waren Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsfragen für sie gleichbedeutend. Sie wuchs in den vom Rassismus geprägten USA der 1960er Jahre auf und arbeitete als Studentin in den Monaten vor seiner Ermordung im Wahlkampfteam von Robert Kennedy. Ihr Vorbild war Martin Luther King, dessen Philosophie des zivilen Ungehorsams sie nachhaltig prägte. Das Times-Magazin wählte sie auf die Liste der 1000 bedeutendsten Personen des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben war ein großer Wurf, dessen Ende eine Tragödie. Ihr einsamer und gleichzeitig gnadenlos-öffentlicher Tod überschattete lange ihr erfolgreiches politisches Leben.

Der politisch reflektierende Kinodokumentarfilm erzählt von einer der wirkmächtigsten Persönlichkeiten in der alten Bonner Republik. Mit noch nie gezeigten internationalen Archivbildern destilliert er die Beweggründe und Gefühle heraus, die Petra Kellys Handeln geleitet haben und macht Brüche, Ambivalenzen und innere Widersprüche der Hauptfigur und der Zeit / des Zeitgeistes sichtbar. Dabei sprechen enge Freunde und Wegbegleiter erstmals über das private und politische Leben von Petra Kelly. Ein Film über eine Kämpferin und Aktivistin wie es sie heute nicht mehr gibt.

Update 22. Januar 2025:

Vier Jahre Atomwaffenverbotsvertrag! Petra Kelly: „Act now!“

Mit der Vorführung des Films „Petra Kelly: Act Now!“ im Kino Neckarelz feierte die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags am 22. Januar 2021, also vor genau vier Jahren ( https://mosbach-gegen-rechts.de/2020/10/27/mosbach-und-atomwaffenverbotsvertrag/ ). Die Initiative dankt den über fünfzig Zuschauern für Ihr Interesse und Kommen, womit sie die Finanzierung der Filmvorführung abgedeckt haben.

– – – – – – – – – –

Der Atomwaffenverbotsvertrag (kurz: AVV) verbietet die Entwicklung, Produktion, den Test, Erwerb, die Lagerung, den Transport, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen sowie die Drohung damit. Der Vertrag geht damit deutlich über den über fünfzig Jahre alten Nichtverbreitungsvertrag hinaus, der zwar die Atomwaffenstaaten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien zur vollständigen nuklearen Abrüstung verpflichtet, ihnen aber gleichzeitig einen Sonderstatus gewährt gegenüber den Staaten ohne Atomwaffen, was den Status Quo zementiert.

Der AVV ist ein großer Erfolg der globalen Zivilgesellschaft, wofür der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (kurz ICAN) im Jahr 2017 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Diesen erhielt letztes Jahr auch die japanische Anti-Atomwaffen-Organisation Nihon Hidankyo, gegründet von Überlebenden der Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki. ICAN und andere Organisationen hatten viele Jahre Vorarbeit geleistet, bis im Dezember 2016 die UN-Generalversammlung den Vertrag auf den Weg brachte. An zwei Verhandlungskonferenzen beteiligten sich dann rund zwei Drittel der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Nicht teil nahmen unter anderem die Atommächte und die NATO-Staaten mit Ausnahme der Niederlande. Der ausgearbeitete Vertrag wurde dann am 7. Juli 2017 mit 122 Stimmen angenommen; die Niederlande stimmte dieses Mal dagegen. Bis zum 75. Geburtstag der UNO am 24. Oktober 2020 unterzeichneten den Vertrag 84 Staaten, von welchen nochmals 50 Staaten ratifizierten, sodass der Vertrag neunzig Tage später am 22. Januar 2021 in Kraft treten konnte.

Mittlerweile haben 94 Staaten den AVV unterzeichnet und 73 Staaten ratifiziert. Zuletzt sind am 24. September 2024 die Salomonen, Sierra Leone und Indonesien hinzu gekommen. Letzteres ist mit etwa 275 Millionen Menschen der einwohnerreichste Mitgliedsstaat. Leider sind die großen Staaten und Mächte nicht mit dabei. Insbesondere Europa und die Europäische Union, die 2012 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, fehlen weitgehend. Nur fünf Mini- und Kleinstaaten – der Vatikan, Österreich, San Marino, Irland und Malta – haben ratifiziert, zudem hat noch Liechtenstein unterzeichnet. Deutschland nimmt an dem Prozess zu einer atomwaffenfreien Welt bestenfalls als Beobachter teil. Im November 2023 erklärte eine Vertreterin des Auswärtigen Amts mit Verweis auf Russland und China: Deutschland bekenne sich „voll und ganz zur nuklearen Abschreckung der NATO“ und werde dem AVV weder beitreten noch dessen Anspruch akzeptieren.

Dabei hatte schon am 8. Juli 1996 der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag festgestellt, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich gegen das Völkerrecht verstoßen und geächtet sind. Der 8. Juli ist als Flaggentag inzwischen ein fester Termin im Kalender vieler Städte, deren Bürgermeister sich den „Mayors for Peace“ angeschlossen haben, und die sich mit der Flaggenhissung an diesem Tag zu einer friedlichen Welt ohne Atomwaffen bekennen. Inzwischen gehören dem Netzwerk über 8.000 Städte und Gemeinden aus 166 Ländern an. In Deutschland sind über 750 Mitgliedsstädte dem Bündnis beigetreten. Im Oktober 2000 ist auch die Stadt Mosbach dem ICAN-Städtebündnis und den Mayors for Peace beigetreten.

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“, will auch dieses Jahres wieder in Mosbach mit einer Friedemskundgebung an die 200.000 Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor nunmehr 80 Jahren erinnern. Die Initiative wendet sich gegen die zivile und militärische Nutzung der Atomenergie und versteht sich auch als Teil der Friedensbewegung in der Tradition der Bewegung des „Kampfes gegen den Atomtod“. Gegen den Beschluss des Bundestags zur Atombewaffnung der Bundeswehr im Jahr 1958 gingen damals über 1,5 Millionen Menschen auf die Straße. Im Jahr 1962 war es aber auch möglich, dass der Chefredakteur des Spiegels Rudolf Augstein wegen „Landesverrat“ verhaftet wurde, weil dieser über die nuklearen Ambitionen von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß und Bundeskanzler Adenauer berichtet hatte. Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs zwischen der NATO und dem Ostblock in der ersten Hälfte der 1980er Jahre verfügten die beiden großen Atommächte USA und die Sowjetunion bis zu 60.000 Atomwaffen, was zu einem vielfachen Overkill – also der mehrfachen Vernichtung der Menschheit – gereicht hätte. Immer wieder stand die Menschheit an einem Abgrund.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre und in den 1990er Jahren kam es nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zu einem Entspannungs- und Abrüstungsprozess. Dieser kam aber etwa ab dem Jahr 2001 zum Erliegen. Zum einen wegen des „Kriegs gegen den Terror“ und desweiteren als die USA und Russland verschiedene Abkommen zur Vertrauensbildung und zur Begrenzung der Atomrüstung unterliefen und kündigten. Die NATO dehnte sich nach Osten aus, während Russland an seinen Rändern und gegen Nachbarstaaten vermehrt aggressiv politisch und militärisch intervenierte.

Die noch rund 10.000 Atomsprengköpfe von Russland und den USA reichen immer noch für einen mehrfachen Overkill. Diese Vernichtungsdrohung ist auch der Grund, weshalb Russland in skrupelloser Weise einen Krieg gegen die Ukraine führen kann, ohne eine noch entschlossenere Unterstützung der Ukraine oder gar ein direktes Eingreifen durch die NATO zu befürchten. Wahrscheinlich ist die Atomkriegsgefahr noch nie so groß gewesen wie in den letzten drei Jahren. Die Atomkriegs- beziehungsweise Weltuntergangsuhr der Atomic Scientists steht nun seit zwei Jahren schon auf 90 Sekunden vor Mitternacht – ihr kritischster Wert bisher überhaupt. Nächste Woche am 28. Januar soll sie neu gestellt werden.

Die weltweiten Militärausgaben haben 2023 mit fast 2.500 Milliarden Dollar einen traurigen Höhepunkt erreicht. Davon gaben die neun Atomwaffenstaaten Russland, USA, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea fast 100 Milliarden für die Modernisierung oder Neuanschaffung von Atomwaffen aus. Weiteren Staaten wie dem Iran, Saudi-Arabien, Ägypten oder der Türkei werden nukleare Rüstungsambitionen nachgesagt. Forderungen nach massiver Aufrüstung lassen befürchten, dass diese Ausgaben in den nächsten Jahren in der ganzen Welt weiter enorm ansteigen werden. Beispielsweise erwägt Kanzlerkandidat Habeck, 3,5 Prozent vom Bruttoinlandprodukt für das Militär auszugeben, das wären jährlich rund 160 Milliarden Euro. Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich über 10 Milliarden Euro ausgeben, um neue F-35-Kampfflugzeuge aus den USA für die Bundeswehr anzuschaffen. Diese sollen im Ernstfall die 20 in der Eifel gelagerten US-amerikanischen Atomwaffen in gegnerische Ziele schießen.

Die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ ruft mit der Protagonistin des Films Petra Kelly und der Handlungsaufforderung „Act now!“ auch dazu auf, sich gegen den Tod und für das Leben und die Zukunft zu engagieren. Die Probleme liegen offen: die Klimazerstörung, die Vermüllung unserer Welt, das Artensterben, die drohende Auslaugung unserer Böden – es gibt die These von noch 60 bis 100 Ernten –, der drohende Atomtod, die Bedrohung unserer Freiheit durch digitale Überwachung und Steuerung, der Welthunger, der auch als das „größte lösbare Problem der Welt“ bezeichnet wird, undsoweiter.