Krankenhausschließung in Mosbach gemeinsam verhindern!

Update, 31. Januar 2026:

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Freitag, 30. Januar 2026 auf dem Marktplatz Mosbach für den Erhalt ihres Krankenhauses. Der Kundgebungsleiter schätzte die Zahl auf 700-800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die RNZ schrieb sogar von 1.500. Aufgerufen hatten die Fraktionen des Mosbacher Gemeinderates zu der überpartelichen Veranstaltung. Der Spielmannszug Lohrbach umrahmte die Kundgebung musikalisch. Neben Oberbürgermeister Julian Stipp positionierten sich Dr. Gunther Leibfried von den Freien Wählern, Sabine Kreß von der CDU, Wolfgang Roth von der SPD und Maren Fütterer von den Grünen. Kundgebungsleiter Hartmut Landhäußer moderierte die Veranstaltung.

Angesprochen wurde, die beiden Standorte Mosbach und Buchen der Neckar-Odenwald-Kliniken nicht gegeneinander auszuspielen. Beklagt wurde die Unterordnung der Daseinsvorsorge unter Effizienz und Ökonomisierung. Betont wurde die Wichtigkeit des Krankenhauses für eine gute lokale Gesundheits- und Notfallversorgung und für die Lebensqualität in Mosbach. Auch wurde gefordert, die Zahlen des Gutachtens, welches die Degradierung des Mosbacher Krankenhauses zu einem sektorenübergreifenden Versorgungszentrum nahelegt, kritisch zu hinterfragen. Befürchtet wird, dass auch eine Schließung des Mosbacher Krankenhauses größere Investitionen zum Ausbau der Buchener Krankenhauses erfordern wird. Gleichzeitig wurde bezweifelt, dass die Patientenströme dann automatisch von Mosbach nach Buchen fließen würden.

Die Bürgerinnen und Bürger hatten Gelegenheit, eine Unterschriftenliste zur Unterstützung der Resolution des Mosbacher Gemeinderates zu unterschreiben. Im Internet findet sich eine weitere Petition.

Auch wenn die breite Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein ermutigendes Zeichen ist, wird ein langer Atem benötigt werden, da auch von der Bundes- und Landespolitik kaum ein Entgegenkommen für die Finanzierung der kleineren Krankenhäuser zu erwarten ist.

 

Kundgebung „Alarmstufe Rot. Rettet unser Krankenhaus in Mosbach!“ am Freitag, 30. Januar 2026 um 16 Uhr auf dem Marktplatz Mosbach

 

 

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ und die bundesweite Dachorganisation „Bündnis Klinikrettung“ (angesiedelt bei „Gemeingut in BürgerInnenhand“) begrüßen den überparteilichen Aufruf der Mosbacher Gemeinderatsfraktionen zur Teilnahme an der Kundgebung „Alarmstufe Rot. Rettet unser Krankenhaus in Mosbach!“ am Freitag, 30. Januar 2026 um 16 Uhr auf dem Marktplatz Mosbach.

Laut dem GKV-Kliniksimulator hätten mehr als 13.200 Einwohner über eine halbe Stunde Fahrtzeit bis zum nächsten Krankenhaus der Grundversorgung im Falle der Schließung des Standortes Mosbach als Allgemeinkrankenhaus. Würde das Krankenhaus in Buchen geschlossen, wären es sogar mehr als 37.600 Einwohner.

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ warnt jedoch davor, in der öffentlichen Diskussion die beiden Standorte der Neckar-Odenwald-Kliniken gegeneinander auszuspielen. Der Erhalt und die Stärkung einer guten und flächendeckenden Daseinsvorsorge sind ein wichtiger Beitrag zur Sicherung unserer sozialen Demokratie und wirken der weiteren gesellschaftlichen Entsolidarisierung entgegen.

Die Neckar-Odenwald-Kliniken sind mit der finanziellen Misere dabei kein Einzelfall: Seit vierzig Jahren betreibt die Bundespolitik eine Politik der Ökonomisierung, Privatisierung und Schließung insbesondere von Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Das Gesetz zur Krankenhausreform KHVVG im Jahr 2024 und aktuell das Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG zementieren diese Entwicklung, die zu Über-, Unter- und Fehlfinanzierungen und -versorgung geführt hat.

Von daher vermisst das Bündnis unter den Adressaten des Aufrufs die Bundesregierung beziehungsweise die regierenden Bundesparteien, die in den letzten Jahrzehnten diese Politik zu verantworten haben, sowie konkret die amtierende Bundesgesundheitsministerin Nina Warken aus unserem Wahlkreis Odenwald-Tauber.

Das Bündnis hätte es zudem begrüßt, wenn die Basis der Aufrufenden durch die Einbindung von nicht-parteilichen Akteuren wie zum Beispiel Gewerkschaften, Sozialverbänden und anderen Initiativen verbreitert worden wäre. So ähnelt die Kundgebung jedoch einer Wahlveranstaltung im Vorfeld der Landtagswahlen.

Das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald fordert mehr Transparenz bei der Darstellung der Kosten: Das betrifft einerseits das Defizit von jeweils zehn bis zwölf Millionen Euro in den letzten beiden Jahren. Andererseits geht es um das geschätzte Defizit von etwa drei Millionen Euro für die im Gutachten favorisierte Variante, bei der etwa weitere drei Millionen Euro für Zins und Tilgung aus vorherigen Investitionen nicht berücksichtigt worden sein sollen.

„Das für Mosbach vorgeschlagene Konzept eines sogenannten Sektorenübergreifenden Versorgers SüV ist kein Ersatz für ein Allgemeinkrankenhaus, insbesondere weil eine wohnortnahe 24/7-Notfallversorgung nicht mehr garantiert werden kann“, erklären die beiden Bündnisse. „Hinzu kommen im Falle einer Schließung des Krankenhauses die Abwanderung von lokaler Wertschöpfung, von Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Medizin, Pflege, Service usw. sowie der Verlust von Kooperationen mit anderen örtlichen Gesundheitsdienstleistern. Für Rettungskräfte, Patienten, Angehörige und im Beruf bleibende Beschäftigte verlängern sich Fahrtzeiten und -wege.“

Trotz unserer Kritik rufen wir die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an der Kundgebung „Rettet unser Krankenhaus in Mosbach“ und zu weiterem Engagement auf.

Hier die gemeinsame Pressemitteilung des bundesweiten „Bündnis Klinikrettung“ und des „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ vom 28.1.2026: https://mosbach-gegen-rechts.de/pm-zur-krankenhaus-kundgebung-mosbach/

Screenshot: „Krankenhausschließungen gefährden Ihre Gesundheit!“ – Aktion des bundesweiten „Bündnis Klinikrettung“ mit Beteiligung eines Vertreters des „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ anlässlich der Konferenz der Gesundheitsminister im Juli 2023 in Friedrichshafen.

Das lokale Bündnis hatte sich im Sommer 2021 während der Corona-Pandemie gegründet. Damals bestimmten unter anderem die Kapazitäten der Krankenhäuser über Monate hinweg unser gesamtes gesellschaftliches Leben, während einige Monate vor der Pandemie Bundesgesundheitsminster Lauterbach noch empfohlen hatte, jedes dritte oder besser noch jedes zweite Krankenhaus zu schließen. Während der Corona-Pandemie wurde die Bedeutung der Krankenhäuser gelobt und dem ärztlichen und pflegerischen Personal applaudiert. Aber gleichzeitig versuchten Gesundheitsökonomen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sehr bald, kleinere Krankenhäuser von der Behandlung von Corona-Patienten – inbesondere von Intensivpatienten – auszuschließen.

Nach der Pandemie ist die Lobpreisung der Krankenhäuser wieder vergessen. Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz KHVVG von 2024 und aktuell das Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG schreiben die Ökonomisierung, Privatisierung und Bürokratisierung des Gesundheitswesens sowie die Politik der Schließung von Krankenhäusern insbesondere der Grund- und Regelversorgung fort.

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ organisierte im Sommer 2021 je eine Kundgebung in Eberbach und Mosbach. Das Bündnis wandte sich in Appellen, Aktionen, Leserbriefen, Pressemitteilungen und Vorträgen an die Öffentlichkeit und warnte vor den Folgen der Krankenhausreform für die örtliche Versorgung.

Unser Brief an die Bundesregierung: für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Syrien

Unterstützt die Demokratische Selbstverwaltung in Nordostsyrien (Westkurdistan)!

Achtet auf weitere und aktualisierte Ankündigungen!

 

Unser Appell an den Bundeskanzler (und entsprechend an den Bundesaußenminister)

18. Januar 2026

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,

laut Medienberichten wollen Sie sich am Dienstag in Berlin mit dem syrischen Präsidenten Ahmed Al-Scharaa treffen, während gleichzeitig die syrische Armee in Gebiete der Demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien DAANES vorrückt. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht vor der syrischen Armee.

Gemutmaßt wird, dass Sie bei dem Treffen mit Al-Scharaa auch um die sogenannte Rückführung von syrischen Staatsbürgern und -bürgerinnen aus Deutschland verhandeln wollen.

Wir von der Gruppe „Mosbach gegen Rechts“ schreiben Ihnen in Sorge um die Gefährdung der Demokratie, Menschen-, Bürger- und Volksgruppenrechte – insbesondere auch der Rechte der Frauen – in den Gebieten, in welche die syrische Armee eindringt, und in ganz Syrien überhaupt.

Auch wenn der syrische Präsident der kurdischen Bevölkerung Syriens per Dekret gewisse Zugeständnisse hinsichtlich der Anerkennung ihrer Sprache und Bildung ankündigte, hat er gleichzeitig mit den Angriffen der syrischen Armee vertiefte Verhandlungen einseitig abgelehnt.

Anlass zur Sorge geben auch:

– das gewaltsame Vorgehen der syrischen Staatsgewalt gegen die Gemeinschaft der Alawiten und die Minderheit der Drusen im letzten Jahr und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen

– der ursprünglich islamistische Hintergrund des syrischen Präsidenten Al-Scharaa und von Regierungsmitgliedern aus dem Umfeld der Terrororganisation Al-Qaida

– die nicht demokratisch erfolgte Zusammensetzung des syrischen Parlaments durch Ernennung von ausgewählten Wahlmännern und Abgeordneten unter Ausschluss der kurdischen und drusischen Bevölkerung im Herbst letzten Jahres

– die nicht-inklusive Bezeichnung des syrischen Staates als „Arabische Republik Syrien“ usw.

Zwar wurde nun eine Waffenruhe zwischen der Syrischen Regierung und den Selbstverteidigungskräften der DAANES vereinbart. Die Vereinbarungen sind jedoch nicht das Ergebnis gleichberechtigter, gewaltfreier Verhandlungen.

Auch wenn Al-Scharaa seinen Besuch verschieben sollte, bitten wir Sie als Bundeskanzler und die Bundesregierung unseres demokratischen Staates:

→ Setzen Sie sich politisch und in den Gesprächen mit dem syrischen Präsidenten für ehrliche Friedensverhandlungen und für ein gleichberechtigtes, demokratisches Zusammenleben aller Menschen und Bevölkerungsgruppen in ganz Syrien ein.

→ Machen Sie deutlich, dass Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen nicht toleriert werden. Jede finanzielle und politische Unterstützung des syrischen Regimes muss an klare Bedingungen geknüpft werden, darunter Gewaltverzicht und Menschenrechtsgarantien. Ein Ende aller Angriffe auf die kurdische Zivilbevölkerung, unabhängige internationale Untersuchungen der Menschenrechtsverletzungen und die Förderung eines politischen Prozesses unter Einbeziehung der Demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien DAANES sind sofort notwendig.

→ Verzichten Sie auf Maßnahmen und Verhandlungen zur zwangsweise Rückführung syrischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Angesichts des Bürgerkriegs, der Menschenrechtsverletzungen, der prekären politischen und wirtschaftlichen Situation in Syrien sind Abschiebungen unverantwortlich.

Über eine positive Rückmeldung von Ihnen würden wir uns freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

für die Initiative „Mosbach gegen Rechts“

Petra Herter, Obrigheim
und Arno Huth, Mosbach

 

Update: Das 14-Punkte-„Abkommen“, welches der kurdisch dominierten Demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien DAANES vom syrischen Regime aufgezwungen wurde (18. Januar 2026) und der Gesellschaftsvertrag der DAANES vom 12. Dezember 2023:

Artikel 1: Es wird ein sofortiger und umfassender Waffenstillstand an allen Fronten und Kontaktlinien zwischen den syrischen Regierungstruppen und den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) erklärt. Parallel dazu ziehen sich alle mit den SDF verbundenen militärischen Formationen östlich des Euphrats zurück, um sich auf eine Umgruppierung vorzubereiten.

Artikel 2: Die Provinzen Deir ez-Zor und Raqqa werden administrativ und militärisch vollständig an die syrische Regierung übergeben. Dies umfasst die Übergabe aller zivilen Einrichtungen und Anlagen, die sofortige Regularisierung des Status des bestehenden Personals, das in den zuständigen Ministerien tätig ist, sowie die Verpflichtung der Regierung, von Repressalien gegen SDF-Mitglieder und zivile Verwaltungsmitarbeiter in diesen beiden Provinzen abzusehen.

Artikel 3: Alle zivilen Einrichtungen in der Provinz Hasaka werden zusammen mit ihren Verwaltungsstrukturen in die syrischen staatlichen Institutionen integriert.

Artikel 4: Alle Grenzübergänge sowie Öl- und Gasfelder werden an die syrische Regierung übertragen. Der Schutz dieser Einrichtungen wird durch reguläre Streitkräfte gewährleistet, um die Rückgabe der staatlichen Ressourcen an den syrischen Staat sicherzustellen.

Artikel 5: Alle mit den SDF verbundenen Militär- und Sicherheitskräfte werden nach Abschluss der erforderlichen Sicherheitsüberprüfungen einzeln in die Strukturen des syrischen Verteidigungsministeriums und des Innenministeriums integriert. Militärische Ränge, Gehälter und logistische Ansprüche bleiben erhalten, und der besondere Charakter der kurdischen Regionen wird gewahrt.

Artikel 6: Die Führung der SDF verpflichtet sich, keine bewaffneten regierungsfeindlichen Elemente in ihre Reihen aufzunehmen und die im Nordosten Syriens anwesenden regierungsfeindlichen Offiziere zu übergeben.

Artikel 7: Um die politische Teilhabe und lokale Vertretung zu gewährleisten, wird ein Präsidialdekret über die Ernennung eines Kandidaten für das Amt des Gouverneurs von Hasaka erlassen.

Artikel 8: Die Stadt Ayn al-Arab (Kobani) wird entmilitarisiert. Es wird eine lokale Sicherheitskraft aus Einwohnern der Stadt eingerichtet, und die lokale Polizeikraft, die dem syrischen Innenministerium unterstellt ist, wird beibehalten.

Artikel 9: Die Verantwortung für ISIS-Häftlinge und -Lager wird zusammen mit den für die Sicherung dieser Einrichtungen zuständigen Kräften in die syrische Regierung integriert. Die volle rechtliche und administrative Verantwortung wird auf die syrische Regierung übertragen.

Artikel 10: Eine von der SDF-Verwaltung vorgeschlagene Liste hochrangiger Führungskräfte wird akzeptiert. Diese Personen werden in hochrangige militärische, sicherheitspolitische und zivile Positionen innerhalb der zentralen Staatsstruktur berufen, um eine nationale Partnerschaft zu gewährleisten.

Artikel 11: Das Präsidialdekret Nr. 13 von 2026 wird begrüßt. Dieser Erlass sieht die Anerkennung kultureller und sprachlicher Rechte, die Überprüfung der Fälle von Inhaftierten und die Wiederherstellung der in früheren Zeiten erworbenen Eigentumsrechte vor.

Artikel 12: Die SDF verpflichtet sich, alle nicht-syrischen Führer und Mitglieder der PKK (Kurdische Arbeiterpartei) aus dem Gebiet der Arabischen Republik Syrien auszuweisen und die Souveränität und Stabilität der Nachbarländer zu gewährleisten.

Artikel 13: Der syrische Staat verpflichtet sich, den Kampf gegen den IS als wirksamer Partner in der internationalen Koalition fortzusetzen und in diesem Rahmen durch gemeinsame Koordinierung mit den Vereinigten Staaten die regionale Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Artikel 14: Es sollen Anstrengungen unternommen werden, um Vereinbarungen zu erzielen, die eine würdige und sichere Rückkehr der Bevölkerung von Afrin und Sheikh Maqsoud in ihre Gebiete ermöglichen.

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Es bleibt zu hoffen, dass es den betroffenen Menschen gelingt, den Ende 2023 verabschiedeten Gesellschaftsvertrag der Demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien DAANES (zivil) zu verteidigen https://deutsch.anf-news.com/…/mazlum-abdi-wir-werden… und gleichzeitig eine weitere Eskalation, einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Unterstützt sie dabei!

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Präambel des Gesellschaftsvertrags der Demokratischen Selbstverwaltung der Region Nord- und Ostsyrien vom 12.12.2023:

Wir, die Töchter und Söhne Nord- und Ostsyriens – Kurden, Araber, Assyrer, Turkmenen, Armenier, Tscherkessen, Tschetschenen, Muslime, Christen und Jesiden – haben uns zusammengefunden im Bewusstsein und im Glauben an die Verpflichtung, die uns von den Gefallenen auferlegt wurde, als Antwort auf das Bedürfnis unserer Völker nach einem Leben in Würde und als Antwort auf die großen Opfer, die die Syrer gebracht haben. Wir haben uns zusammengefunden, um in Nord- und Ostsyrien ein demokratisches System zu errichten, das die Grundlage bildet für den Aufbau eines zukünftigen Syriens ohne rassistische Tendenzen, Diskriminierung, Ausgrenzung oder Marginalisierung einer Identität.

Gemeinsam haben wir uns Tyrannei, Verrat und Extremismus widersetzt und alle Arten von nationalistischem, religiösem, geschlechtsbezogenem und säkularem Fanatismus abgelehnt. Unser Bekenntnis zum Prinzip der demokratischen Nation stärkte unsere nationale Einheit, gab uns Kraft gegenüber unseren Feinden und wurde zur Hoffnung für unsere Freunde.

Wir, die Völker von Nord- und Ostsyrien, haben gelitten unter den undemokratischen Regimen in Syrien, unter der jahrtausendealten Politik der staatlichen Zentralisierung und des Autoritarismus sowie unter den Praktiken der kapitalistischen Moderne, die die Region beherrschen. Wir waren über viele Jahre hinweg allen Arten von Ungerechtigkeit und Unterdrückung ausgesetzt.

Wir sind entschlossen, ein demokratisches System auf der Grundlage demokratischer Selbstverwaltungen zu errichten, Gerechtigkeit und Gleichheit zwischen allen Völkern und Bevölkerungsteilen zu schaffen, alle kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Identitäten zu bewahren, eine Kultur der Vielfalt und Toleranz zu verwirklichen, jede Art von Gewalt abzulehnen und uns auf das Prinzip der legitimen Verteidigung zu stützen.

Die gesellschaftliche Revolution, die unter der Führung der Frauen in Nord- und Ostsyrien erreicht wurde, öffnete den Weg für eine geistige und soziale Erneuerung, und die Frauen wurden zu einem Grundpfeiler unseres demokratischen Systems. Der Kampf und die Opfer der Jugend bei der Zusammenführung aller Bevölkerungsteile spielten ebenfalls eine historische Rolle bei der Konsolidierung und Stärkung der Verbundenheit der Völker.

Die demokratische Selbstverwaltung entstand durch den Willen der Bevölkerung und beruht auf der ökologisch-demokratischen Gesellschaft, Mitbestimmung, gesellschaftlicher Wirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und dem Prinzip des demokratischen Konföderalismus.

Die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien ist ein integraler Bestandteil Syriens. Mit dem von ihr errichteten demokratischen System, den von ihr geschaffenen gemeinsamen Werten und den politischen Positionen, die sie in den vergangenen Jahren zum Ausdruck gebracht hat, hat sie ein starkes Fundament für eine echte Einheit geschaffen und ist damit die Grundlage für den Aufbau der Demokratischen Republik Syrien geworden.

Wir, die Völker Nord- und Ostsyriens, mit all ihren Bestandteilen, haben beschlossen, diesen Gesellschaftsvertrag aus dem Wertesystem und dem demokratischen zivilisatorischen Erbe des Mittleren Ostens und der gesamten Menschheit heraus zu schreiben, damit er zu einer Garantie für Freiheit, Frieden und Einheit unter den Syrern wird.

Gefährliche Normalisierung – Die AfD in Baden-Württemberg vor der Landtagswahl

Vortrag und Diskussion mit Lucius Teidelbaum – Mittwoch, 21. Januar 2026 in Mosbach

Die Initiative „Mosbach gegen Rechts“ lädt für Mittwoch, 21. Januar 2026 zu dem Vortrag „Gefährliche Normalisierung“ von Lucius Teidelbaum über „die AfD in Baden-Württemberg vor der Landtagswahl“ mit anschließender Diskussion ein. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Nebenzimmer des Gasthauses „Lamm“ in 74821 Mosbach, Hauptstraße 59.

Auch in Baden-Württemberg erfährt die extrem rechte Partei „Alternative für Deutschland“ in Teilen der Bevölkerung eine Normalisierung, obwohl sie sich seit ihrer Gründung deutlich nach rechts radikalisiert hat. Gleichzeitig hat innerhalb der Partei eine Professionalisierung eingesetzt. Die AfD greift in Baden-Württemberg nach der Regierung und spielt gleichzeitig Fundamental-Opposition. Um rassistische Wähler*innen anzusprechen zieht die Südwest-AfD mit dem Kampfbegriff „Remigration“ in den Wahlkampf.

Der Vortrag bestimmt den Charakters des AfD-Landesverbands, zeichnet Entwicklungen und Konfliktlinien nach und betrachtet die Strukturen sowie das Vorfeld der Partei. Im Anschluss wird es Raum für Diskussion und Fragen geben.

Der Referent Lucius Teidelbaum ist freier Journalist und Bildungsreferent mit dem Schwerpunkt extreme Rechte und anliegende Grauzonen. Von ihm erschien 2024 ein Kapitel über die AfD-„Außenpolitik“ im Sammelband „Rechts, wo die Mitte ist. Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus“, herausgegeben von Thorsten Mense und Judith Goetz.

Ein ergänzender Beitrag wird den AfD-Direktkandidaten des Wahlkreises Neckar-Odenwald kurz porträtieren.

„Soziale Ökologie“ und „libertärer Kommunalismus“

(Update eines Textes anlässlich Bookchins 100. Geburtstag vor fünf Jahren)

Murray Bookchin (gesprochen Buktschin) wurde heute vor 105 Jahren am 14. Januar 1921 in New York als Sohn jüdisch-russischer Immigranten geboren. Seine sozialrevolutionäre Großmutter war nach der gescheiterten Revolution von 1905/1906 aus Russland geflohen.

Bookchin wuchs in der Bronx auf, zwischen EinwanderInnen aus allen Ländern Europas, Linken und Rechten, Religiösen und Atheisten. Nicht weit entfernt, wo sich heute die Stadt türmt, lagen damals noch Parks und Farmen.

Mit neun Jahren wurde er Mitglied der kommunistischen Jungen Pioniere und mit vierzehn des Kommunistischen Jugendbunds. Wegen des autoritären Charakters der Bewegung und während Stalins Schauprozessen (1936-1938) näherte er sich den Trotzkisten an und schloss sich der Sozialistischen Arbeiterpartei SWP an.

Er war Arbeiter in einer Stahlgießerei, Gewerkschaftsaktivist und politisch aktiver Soldat. Später arbeitete er in der Autoindustrie, verließ aber nach dem General-Motors-Streik von 1946 die Branche und die Gewerkschaft und trat bald auch aus der SWP wieder aus.

Seine Interessen verschoben sich auf die Umwelt und das Schreiben. Er schloss sich 1947 dem Kreis um die Zeitschrift „Contemporary Issues“ an, es waren vor allem ehemalige Trotzkisten um den deutschen Emigranten Joseph Weber. In Contemporary Issues (und parallel in der deutschsprachigen Ausgabe „Dinge der Zeit“ veröffentlichte er unter dem Pseudonym Lewis Herber seine ersten Artikel, unter anderem zur Lebensmittelchemie. Bookchin zählt zu den Vorbereitern der ökologischen Bewegung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg jagte eine Fortschrittseuphorie durch die USA. Bookchin: „Man versprach uns Gratisstrom aus Atomkraftwerken. Pestitzide sollten alle Moskitos vernichten. Besprühe das Baby mit DDT, und es gibt nie wieder Malaria und Gelbfieber.“ Autobahnen zerstörten die Natur. Sümpfe wurden ausgetrocknet. Die Stadt wucherte und stank nach Abgasen. Ende der 1940er Jahre untersuchte das Delaney-Committee des US-Kongresses Chemikalien in Lebensmitteln. Bookchin hörte zu und las sich durch dicke Studien: „Meine marxistische Ausbildung ließ mich begreifen, dass es eine ökologische Katastrophe geben könnte, wenn der Kapitalismus hemmungslos wuchs.“

Bookchin schrieb einen grundlegenden Aufsatz („The Problem of Chemicals in Food“, 1952) über die Gefahren bei der Chemisierung der Landwirtschaft, über Pestizide, über die Zerstörung des Bodens, über chemisch angereicherte Nahrung, die Krebs erzeugen könnte. Der Text erschien in Deutschland, wo er ein großer Erfolg wurde unter dem Titel „Lebensgefährliche Lebensmittel: Sind unsere Nahrungsmittel noch Lebensmittel?“ (1953). Fast einhundert Medien rezensierten ihn.

Bookchin wandte sich auch anderen großen Themen zu: Atombombentests, McCarthy-Ära, Korea-Krieg, Atomenergie und „Konsum, Konsum, Konsum… Es musste einfach eine kulturelle Veränderung geben, eine Neuen Linke, die sich aus vielen Quellen einer breiten Unzufriedenheit speiste: Langeweile, die Leere der kapitalistischen Gesellschaft, Entfremdung und Ökologie.“

1954 schrieb er das Flugblatt „Stop the Bomb!“ Der radioaktive Fallout sollte endlich ernst genommen werden, und die Atombombenfrage auch als Umweltfrage wahrgenommen werden.

Murray Bookchin vertrat einen ökologischen Dezentralismus, bezeichnete sich ab 1958 als Anarchist und schloss sich später der New York Federation of Anarchists an.

Im April 1962, sechs Monate vor Rachel Carsons berühmten Silent Spring (Stummer Frühling) erschien Bookchins Buch „Our Synthetic Environment“ (Unsere synthetische Umwelt), gegen Atomkraftwerke, gegen Umweltchemikalien und gegen die Zerstörung der Städte. Carsons Buch wurde zum Bestseller, Bookchins Buch nicht, trotzdem fand es in Wissenschaftszeitschriften eine begeisterte Aufnahme, auch in Großbritannien (1963) und Deutschland (1977).

Neben grundlegenden Veröffentlichungen zur Umweltthematik wie z. B. „Ecology and Revolutionary Thought“ (1964, Ökologie und revolutionäres Denken) – ein radikal ökologisches Manifest – und „Ökologie und revolutionäre Freiheit“ sah Bookchin ab 1970 die Stadt bzw. die Gemeinde als Arena sozialer Veränderungen an. Der bürgerliche Staat sollte durch Versammlungen der direkten Demokratie ersetzt werden, die eine neue Organisationsform der Gesellschaft darstellen.

Bookchin wurde Ideengeber einer grünen Bewegung, die sich kritisch und ablehnend mit der Grünen Partei der USA auseinandersetzte. 1971 beteiligte er sich an der Gründung des Institute for Social Ecology (ISE) in Plainfield (Vermont), das bis heute existiert und zeitweise zum organisatorischen Zentrum einer internationalen Bewegung für „Libertären Kommunalismus“ wurde. Er war Professor am Ramapo College von New Jersey in Mahwah, wo er von 1977 bis 1981 lehrte. Mit den Kongressen in Lissabon 1998 und Vermont 1999 wurde eine Organisierung für einen pragmatischen Anarchismus versucht, die aber aus verschiedenen Gründen scheiterte.

Als Theoretiker fühlte sich Bookchin der ökologischen Bewegung eng verbunden, aber er meinte, dass der Beherrschung der Natur durch den Menschen auch immer Hierarchien und Machtstreben bzw. Herrschaft zugrunde lägen, weshalb er eine anarchistische Ethik und Philosophie entwickelte.

Er formulierte das Konzept der Sozialen Ökologie, die auf Dezentralisierung, dualer Gegenmacht, Selbstverwaltung und Selbstorganisation aufbaut, den Klassenkampf alter Prägung ablehnt und stattdessen auf Stadtteilarbeit, Bürgerversammlungen und direkte Demokratie setzt.

Wichtiges Vorbild war für ihn die Polis der griechischen Städte im Altertum, deren Bürgerversammlungen und gleichberechtigte Entscheidungsmöglichkeit der männlichen Vollbürger er als vorbildhaft sah, auch wenn ihm bewusst war, dass diese frühe Variante der Demokratie die Frauen ausschloss und zudem auf Sklaverei basierte. Neben dieser Kehrseite sah er aber Züge, die nachahmenswert schienen. Seine Ideen und Theorien veröffentlichte er in Büchern, Interviews und Artikeln.

Zuletzt lebte Bookchin in Burlington (Vermont) und hielt als emeritierter Direktor des Institute für Social Ecology in Plainfield (Vermont) jeden Sommer Kurse. Nebenbei arbeitete er am dritten Band seiner Revolutionsgeschichte.

Als radikaler Antikapitalist und Befürworter der Dezentralisierung hatten Bookchins Ideen und Schriften auch einen großen Einfluss auf die globalisierungskritische Bewegung, auf die US-amerikanische Ökologiebewegung sowie auf den radikalen Flügel der US-amerikanischen Grünen.

Bookchin war Autor einer Vielzahl von Artikeln und Büchern, die in Deutschland unter anderem im Karin Kramer Verlag, im Trotzdem Verlag und dessen Zeitschrift Schwarzer Faden erschienen. In meinem Bücherregal befinden sich unter anderem „Die Neugestaltung der Gesellschaft, Pfade in eine ökologische Zukunft“ (Grafenau 1992) und “ „Die Agonie der Stadt, Aufstieg und Niedergang des freien Bürgers“ (Grafenau 1996). Sein umfangreiches Werk „Die Ökologie der Freiheit“ erschien letztes Jahr im Unrast Verlag.

Murray Bookchin starb am 30. Juli 2006 in Burlington (Vermont).

Bookchins Ideen wurden später von Abdullah Öcalan, dem Gründer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) aufgegriffen. Der von der PKK (Türkei) und der PYD (Syrien) vertretene „Demokratische Konföderalismus“ steht für den Aufbau basisdemokratischer Strukturen der Selbstverwaltung, wie in Rojava (Nordsyrien) versucht wird sie in die Praxis umzusetzen. Lokale Autonomie und demokratische und wirtschaftliche Selbstbestimmung sind wichtige Aspekte des „Demokratischen Konföderalismus“. PYD wie auch PKK streben kein vereintes sozialistisches Kurdistan an, sondern eine Autonomie innerhalb der Türkei bzw. in Syrien. Frauen und Männer sollen gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Strukturen entscheiden. Sexistische Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen wird bekämpft. Auch ethnische, religiöse und andere politische Gruppen sollen in den Entscheidungsstrukturen repräsentiert werden. Auch die Ökologie soll berücksichtigt werden. Der Demokratische Konföderalismus wurde 2005 ins Parteiprogramm der PKK aufgenommen.

Erschwert wird die Umsetzung dieses Programms durch der Kriegsbedingungen (Bekämpfung der kurdischen Emanzipation vor allem durch den türkischen Staat, islamistische Strömungen und den syrischen Staat), durch historischen Ballast der PKK als ursprünglich autoritär-sozialistische Partei, verknöcherten Gesellschaftsstrukturen und Anpassung an Kriegsbedingungen sowie die Notwendigkeit zu überleben. Hoffnungen, dass der demokratische Konföderalismus sich ausweiten und somit eine Perspektive für den ganzen Nahen Osten bieten könnte, scheinen angesichts der politischen und militärischen Realität und der mangelnden Unterstützung vorerst allerdings illusionär zu sein.

Vielleicht aber werden auch bei uns Bookchins Konzeptionen von freien demokratischen und sich vernetzenden Städten und Gemeinden einmal noch in der Zukunft benötigt im Widerstand gegen Verstädterung, gegen neoliberale und autoritäre Stadtplanung und gegen die Ideologie von Smart Cities, also der durchdigitalisierten Stadt, wo Bewohner, Konsumenten und Arbeitenden ständig vermessen, gelenkt und kontrolliert werden, aber nicht wirklich demokratisch entscheiden können.

Aktuell dringt das Ende 2024 an die Macht gekommene syrische Regime der ursprünglich islamistischen Gruppe Ha’iat Tahrir asch-Scharm HTS auf die Durchsetzung eines zentralistischen, autoritären, islamischen Nationalstaates. Die kurdisch dominierte „Demokratische Selbstverwaltung im Norden und Osten Syriens“ hat aber bereits gegen Ende 2023 einen neuen Gesellschaftsvertrag beschlossen, der „eine Blaupause für ein zukünftiges, dezentrales und demokratisches Gesamtsyrien darstellen“ könnte – auch um der Vielfalt der verschiedenen ethnischen und religiösen Volksgruppen und beiden Geschlechtern gerecht zu werden.

Quelle unter anderem Jutta Ditfurth, Wikipedia, Peter Berens.

Trotz alledem – Die Frauen von Rojava

Am Mittwoch, 14. Januar 2026 um 20 Uhr im Kino in Mosbach-Neckarelz

„Mosbach gegen Rechts“ präsentiert am Mittwoch, 14. Januar 2026 um 20 Uhr im Kino in Neckarelz (Bahnhofstraße 1, 74821 Mosbach) den Film „Trotz alledem – Die Frauen von Rojava“. Der Dokumentarfilm von Robert Krieg kam 2025 in die Kinos und dauert 90 Minuten.

Gegen Patriarchat und Krieg – Frauen Rojavas bauen ihre eigene Zukunft

Der Verleih W-Film schreibt über „Trotz alledem“:

Im vom Krieg gezeichneten, vorwiegend kurdisch besiedelten Norden Syriens entsteht etwas Unerwartetes: Hoffnung. Inmitten von Ruinen, Bedrohung und Entbehrung behaupten sich Frauen in Rojava mit bemerkenswerter Entschlossenheit. Sie gründen Dörfer, unterrichten Kinder, bauen Werkstätten auf – und verteidigen nicht nur ihr Leben, sondern auch eine Vision von Freiheit und Gleichberechtigung. Der Regisseur Robert Krieg zeigt das alltägliche Überleben und den außergewöhnlichen Mut zur Selbstermächtigung in einer Region, die weltweit kaum Beachtung findet. Ein bewegender Dokumentarfilm über den leisen, aber unaufhaltsamen Aufbruch einer neuen Gesellschaft – getragen von Frauen.

In dem Dokumentarfilm erhalten wir einen eindrucksvollen Einblick in das Leben selbstbestimmter Frauen in Rojava, einer autonom verwalteten Region im Norden und Osten Syriens. Inmitten von Krieg, Zerstörung und politischer Unsicherheit kämpfen sie unbeirrt für ihre Unabhängigkeit und eine basisdemokratische Gesellschaft.

Die Protagonistinnen des Films – darunter die technikaffine Argin, die Kunsthandwerkerin Jehan, die alleinerziehende Delal, die vielseitige Sidan, die Taekwondo-Lehrerin Ghoufran und die gehörlose Seidenstickerin Hiba – stehen stellvertretend für eine neue Generation mutiger Frauen. Jede von ihnen geht ihren eigenen Weg, nutzt ihre Fähigkeiten und überwindet persönliche wie gesellschaftliche Hürden.

Der Film erzählt in ruhigen, aber kraftvollen Bildern von gelebter Solidarität, Widerstandskraft und dem Aufbau einer friedlichen Zukunft – jenseits patriarchaler Strukturen und trotz widrigster Umstände.

Und Silvia Hallensleben schreibt in ihrer Kritik für epd-film:

„Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) hieß der Slogan der iranischen Frauenproteste 2023 in kurdischer Sprache. Die ermordete Jina Mahsa Amini war Kurdin. „Jin War“ steht in großen grün-gelb-roten Lettern über dem großen Eingangstor zu einem besonderen Ort in dem derzeit faktisch autonomen kurdischen Gebiet Rojava. Das heißt „Land der Frauen“ und sieht – zumindest in diesem Film – auch so aus: eine landwirtschaftliche Gemeinde, wo Frauen nicht nur wie sonst niedere Arbeiten beim Pflücken von Baumwolle, Granatäpfeln oder Tomaten verrichten und vielleicht Brot backen dürfen. Das tun sie in „Jin War“ zwar auch. Doch hier sitzt auch oben auf dem Traktor eine Frau. Und die Planung für Bewässerung, Saatgut und Erntezeitpunkt wird im Kollektiv beraten. In den Untertiteln „Mütter“ genannte Frauen (vermutlich eher die Großmütter) hüten die Kinder, während in Einzelgesprächen untereinander und vor der Kamera einige Bewohnerinnen von den persönlichen Geschichten berichten, die sie in das Dorf brachten und die oft mit dem Ehemann oder seiner Familie zu tun haben. Glücklich, so sagen sie, sind sie nun hier alle.

Das zum Dorf erweiterte Frauenhaus ist eines von mehreren vorgestellten Frauenprojekten dieses durch kurze Intermezzi in Kapitel geteilten Films. Etwa in Marhuq, wo in einer kleinstädtischen Betonöde hinter Mauern mit eisernem Tor eine Frau in prächtig-bunten Gewändern durch einen überquellenden Paradiesgarten zu einem selbst angelegten Museum traditioneller Handwerkskunst führt und berichtet, wie Nichten und Neffen von ihr gestaltete Erzählungen auf TikTok verbreiten. Für einen mit Hilfe einer Spendenaktion errichteten großen Brunnen wurde sie von religiösen Kräften angefeindet. Eine junge Frau versucht über Radiotalks, gut ausgebildete junge Menschen von der Emigration abzuhalten. Und in der Großstadt Qamishli betreibt Jwan mit anderen Frauen ein multiethnisches Liefer-Start-up für die berufstätige Frau mit Fertiggerichten nach traditionellem Rezept, wie sie in einer kurzen Präsentation erläutert.

… Regisseur Robert Krieg ist seit etwa vierzig Jahren als Autor, Lehrer und Dokumentarfilmer in der Welt unterwegs, um politische Entwicklungen und soziale Projekte zu begleiten. Auch in Rojava war er schon mehrmals als Unterstützer der dortigen Kämpfe für Demokratie und größtmögliche Autonomie. Wie aus den Aussagen und Berichten der Pro­tagonistinnen des Films hervorgeht, wurde dieser in der Zeit gedreht, als nach Vertreibung der islamistischen IS-Kräfte befreites Aufatmen und Hoffen einsetzten. Nach den aktuellen Umbrüchen in Syrien und der Weltpolitik ist die Region erneut stark in Bewegung – leider nicht zugunsten der Kurdinnen und Kurden. So dürften die im Film gezeigten Momente des Aufbruchs schon wieder neuen Ängsten gewichen sein. Dennoch bleibt »Trotz alledem« ein positiv gestimmter Blick in eine mögliche Welt – mit vielen offenen Fragen. Doch Neugier zu schüren ist ja nicht das Schlechteste für einen Film.

Andreas Kemper: Die Sprache der Rechten

Vortrag am Montag, 12. Januar 2026 in Mosbach: Newspeak in Zeiten Künstlicher Intelligenz

Die Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis“ präsentiert in Zusammenarbeit mit der Initiative „Mosbach gegen Rechts“ am Montag, 12. Januar 2026 den Soziologen Andreas Kemper mit dem Vortrag „Die Sprache der Rechten – Newspeak in Zeiten Künstlicher Intelligenz“. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Kinosaal des ver.di-Bildungszentrums in 74821 Mosbach, Am Wasserturm 1-3. Der Eintritt ist frei, eine Spende ist erwünscht.

Der Soziologe Andreas Kemper greift in seinem Vortrag mit anschließender Diskussion Victor Klemperers Beobachtung auf, dass faschistische Sprache mit wenigen, ständig wiederholten Begriffen arbeitet, und fragt, wie sich rechte Sprache heute darstellt. Gezeigt wird, wie unterschiedliche rechte Strömungen über gemeinsame Begriffe Koalitionen bilden. Vierzig Jahre nach George Orwells „1984“ müssen Neusprech und Doppeldenk neu gedacht werden, vor dem Hintergrund sozialer Medien, algorithmischer Steuerung und KI.

 

Appell an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken

Wir fordern den Erhalt beider Standorte der Neckar-Odenwald-Kliniken als Allgemeinkrankenhäuser!

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ hatte am Dienstag, 9. Dezember 2025 zu der Vortragsveranstaltung „Wie weiter mit dem Mosbacher Krankenhaus?“ mit Thomas Böhm vom bundesweiten Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ und dem Betriebsrat Simon Schreiweis eingeladen. Rund vierzig Zuhörerinnen und Zuhörer folgten den Ausführungen. Die große Mehrheit von ihnen unterschrieb einen Appell an die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, den die RNZ in ihrer Online-Ausgabe als offenen Brief veröffentlichte. Auch an 29 Bundestagsabgeordnete im Ausschuss für Gesundheit wurde der Brief an Frau Warken mit der Bitte um Unterstützung weitergeleitet:

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Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald

forum-soziales-no@posteo.de

An Frau Nina Warken,

Bundesgesundheitsministerin und Bundstagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Odenwald-Tauber,

Sehr geehrte Frau Warken,

anlässlich der Diskussionen um die Krankenhausreform (KHVVG) hat sich letztes Jahr das in der Corona-Pandemie adhoc gegründete „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ mit seinen Bedenken und grundlegenden Vorschlägen für eine flächendeckende öffentliche Krankenhausversorgung auch an Sie als direkt gewählte Abgeordnete unseres Wahlkreises gewandt.

Mittlerweile sind Sie selber Bundesgesundheitsministerin!

Wir fordern den Erhalt beider Standorte der Neckar-Odenwald-Kliniken als Allgemeinkrankenhäuser!

Als Abgeordnete unseres Wahlkreises kennen Sie die Situation der Neckar-Odenwald-Kliniken. Für die Jahre 2024 und 2025 werden die Defizite jeweils 10 bis 12 Millionen Euro betragen. Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Gutachten schlägt daher die Schließung des Klinikstandortes Mosbach als Allgemeinkrankenhaus vor.

Dadurch würden laut GKV-Kliniksimulator mehr als 13.000 Einwohner, also Patienten und ihre Angehörigen, länger als eine halbe Stunde zum nächsten Krankenhaus der Grundversorgung benötigen. Die Fahrtzeiten für Krankentransporte und Rettungswagen würden sich verlängern und die Kranken- und Notfallversorgung verschlechtern.

Krankenhäuser sind zudem wichtige Arbeitgeber und Ausbildungorte im ländlichen Raum. Fallen diese Arbeitsplätze hier weg, müssen viele Beschäftigten längere Anfahrtwege in entfernter liegende Krankenhäuser oder teurere Wohnkosten in Städten in Kauf nehmen.

Mit der Schließung von kleineren Krankenhäusern werden viele Probleme verlagert. Ende dieses Jahres wird das Krankenhaus in Breisach in Südbaden schließen. Aber auch viele große Klinika schreiben inzwischen rote Zahlen im Bereich von mehreren Zig Millionen Euro. So musste die kaufmännische Direktorin der Uniklinik Freiburg vor wenigen Tagen einräumen: „Hinzu komme: Durch die Schließung von Kreißsälen, Notfallpraxen und kleinen Häusern im Umland müsse die Uniklinik immer mehr Regelversorgung anbieten. Diese sei für ein Haus nicht kostendeckend zu leisten, das Forschung, Lehre und Hochleistungsmedizin verbinde.“

Die Neckar-Odenwald-Kliniken sind kein Einzelfall: Sorgen Sie für eine auskömmliche Finanzierung des Krankenhauswesens!

Wie sie wissen, sind die prekäre finanzielle Situation von Krankenhäusern wie zum Beispiel in Mosbach, Buchen und Wertheim in Ihrem Wahlkreis keine Einzelfälle. Hunderte Allgemeinkrankenhäuser sind in Deutschland von Schließungen bedroht. Zum Teil ist dies politisch gewollt: Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach erklärte wenige Monate vor der Corona-Pandemie, dass jedes dritte, besser noch jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden sollte. Und Gesundheitsökonomen der Leopoldina und der Bertelsmann-Stiftung meinten vor einigen Jahren, dass 300 bis 600 Krankenhäuser in Deutschland ausreichen würden – bei damals rund 1.500 Allgemeinkrankenhäusern.

Wir wenden uns daher nochmals mit unseren Vorschlägen vom Sommer letzten Jahres an Sie, eine grundlegende Wende in der Krankenhauspolitik einzuleiten und eine Übergangsfinanzierung mit einem damals von ihrer Fraktion geforderten Vorschaltgesetz abzusichern. Siehe Anhang.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat im Februar dieses Jahres mit einer Studie darauf hingewiesen, dass die Behauptung vom teuren deutschen Krankenhauswesen ein von Gesundheitsökonomen und Politikern gern erzähltes Märchen ist:

„Die Kosten für die stationäre Patientenbehandlung liegen deutlich unter denen in vergleichbaren westlichen Ländern Europas. … Während in Deutschland pro Krankenhausfall nur gut 6.000 Euro an Kosten entstehen, sind es in Dänemark mehr als 7.000 Euro und in den Niederlanden und der Schweiz sogar über 8.000 Euro. Mit jeweils drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts weisen Deutschland und die Niederlande den geringsten Anteil der Krankenhauskosten an der gesamten Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften auf.“

Wir fordern Sie auf, unsere soziale Demokratie mit einer guten öffentlichen Daseinsvorsorge abzusichern und zu stärken.

Ergreifen Sie die Gelegenheit: Stoppen Sie das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) und überarbeiten Sie die Krankenhausreform (KHVVG) grundlegend!

Mit freundlichen Grüßen,

das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald.

Wir sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung „Rettet das Mosbacher Krankenhaus“ am 9. Dezember 2025 in Mosbach und unterstützen die Forderungen des „Bündnisses für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ hinsichtlich des Erhalts und der Stärkung einer flächendeckenden Krankenhausversorgung (insbesondere im ländlichen Raum):

Vorname Nachname, Wohnort, Unterschrift

Anhang:

Siehe: https://mosbach-gegen-rechts.de/2024/06/24/liebe-abgeordnete-stoppt-lauterbachs-krankenhausreform/

Rettet das Mosbacher Krankenhaus!

Vortrag und Diskussion am 9. Dezember 2025 in Mosbach zu den Folgen der Krankenhauspolitik für die Gesundheitsversorgung

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ lädt für Dienstag, 9. Dezember 2025 zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die Folgen der Krankenhauspolitik für die Gesundheitsversorgung in unserer Region in den Saal des Gasthauses Lamm in Mosbach (Hauptstraße 59) ein. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Anlass für die Veranstaltung sind die Diskussionen um die mögliche Schließung des Krankenhauses Mosbach bzw. seine Abwertung zu einem „sektorenübergreifenden Versorger“ mit Ambulantisierung. Hintergrund ist die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und die Unterfinanzierung der Krankenhäuser, welche auch zu dem hohen Defizit der Neckar-Odenwald-Kliniken führen.

Der Referent Thomas Böhm vom bundesweiten Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ wird aufzeigen, wie sich die Lauterbachsche Krankenhausreform (KHVVG) auf die medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Gebieten auswirkt, und alternative Vorstellungen und Forderungen für eine bedarfsgerechte Versorgung entwickeln. Er fragt: Was sind die Folgen der finanziellen Steuerung der Gesundheitsversorgung (Fallpauschalen, Einzelleistungsvergütung, Budgets)? Wie sollen Einrichtungen der Daseinsvorsorge richtig gesteuert werden? Wie könnte das Gesundheitswesen alternativ finanziert werden?

Thomas Böhm war im Klinikum Stuttgart als Chirurg tätig. Dort war er bis 2011 auch Personalratsvorsitzender und ver.di-Bezirksvorsitzender in Stuttgart. Für ver.di ist er Mitglied im Landeskrankenhausauschuss der Landesregierung und im Verwaltungsrat des Klinikums Stuttgart. Er arbeitet aktiv im Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ mit. Er beschäftigt sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit den Themen Krankenhausfinanzierung und Krankenhausplanung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird Simon Schreiweis (Betriebsrat und engagiert bei der Gewerkschaft ver.di) über die wirtschaftliche Lage der Neckar-Odenwald-Kliniken berichten und auf die Diskussion um eine mögliche Schließung des Klinikstandorts Mosbach sowie die Folgen für die Beschäftigungssituation eingehen.

Veranstalter ist das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald, welches sich 2021 anlässlich der Corona-Pandemie gegründet hatte. Das Bündnis hatte seither je eine Kundgebung in Eberbach und Mosbach durchgeführt, sich dem bundesweiten Bündnis Klinikrettung angeschlossen, sich in mehreren Briefen zur Krankenhausreform an die Bundestagsabgeordneten im Gesundheitsausschuss und aus der Region sowie mit Pressemitteilungen an die Lokalpresse gewandt und mit Thomas Strohschneider (Autor des Buches „Krankenhaus im Ausverkauf„) einen öffentlichen Vortrag in Mosbach organisiert.

Hintergrund: die wirtschaftliche Situation in den Neckar-Odenwald-Kliniken

Ein vom Neckar-Odenwald-Kreis in Auftrag gegebenes Gutachten empfiehlt die Schließung des Krankenhauses Mosbach als Grund- und Regelversorger und die Umwandlung zu einem „sektorenübergreifenden Versorger“ als Ersatz, eventuell mit einem geriatrischen Schwerpunkt und vermehrter Ambulantisierung. Eine solche Klinik ist aber – selbst wenn sie im Krankenhausplan aufgeführt werden sollte – kein Allgemeinkrankenhaus mehr: Unter anderem wird die Notfallversorgung wegfallen. Hintergrund sind die Defizite der Neckar-Odenwald-Kliniken von jeweils 10 bis 12 Millionen Euro in den Jahren 2024 und 2025. Mit solchen Bilanzen stehen die Neckar-Odenwald-Kliniken nicht alleine da. Es ist politisch gewollt, die Zahl der Krankenhäuser massiv zu reduzieren unter Inkaufnahme der Ausdünnung der flächendeckenden Krankenhausversorgung.

Mit einer Schließung des Krankenhauses Mosbach würden mehr als 13.000 Menschen in der Region mehr als eine halbe Stunde Fahrtzeit mit dem PKW zum nächsten Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung haben, insbesondere im Dreieck zwischen Mosbach, Adelsheim und Möckmühl. In Möckmühl wurde vor sieben Jahren das Krankenhaus geschlossen, was letztes Jahr auch die Schließung der Notfallpraxis Möckmühl nach sich zog.

Das vom vorherigen Gesundheitsminister Lauterbach durchgesetzte sogenannte Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz KHVVG ändert nichts an dieser Politik, sondern treibt die Ökonomisierung des Gesundheitswesens voran. Auch die Modifizierungen des KHVVG mittels des Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG durch die gegenwärtigen Gesundheitsministerin Warken werden die Fehl-, Über- und Unterversorgung durch die Fallpauschalen und andere Mechanismen fortgeschreiben. Die daraus resultierende überbordende Bürokratie wird verschärft durch die neu eingeführte Vorhaltevergütung, die aber nach Absenkung der Fallpauschalen keine wirkliche Vorhaltevergütung ist und die gleichzeitig wiederum fallabhängig berechnet wird. Die vorgesehene Vergabe von Leistungsgruppen bzw. ihre Aberkennung oder Verweigerung wird zu Einnahmeverlusten insbesondere kleinerer Krankenhäuser führen, die sich mit bestimmten Fachrichtungen spezialisiert hatten, um Defizite aus dem Grund- und Regelbetrieb auszugleichen. Es wird in den nächsten Jahren zum Abbau von Betten und Abteilungen und Schließungen von Hunderten Krankenhäusern kommen. Insbesondere im sogenannten ländlichen Raum werden etliche Arbeitsplätze in Pflege, Medizin, Service und Therapie verloren gehen.

Corona und dass unser gesamtes gesellschaftliches Leben sich über viele lange Monate den Kapazitäten der Krankenhäuser unterwerfen musste, ist längst vergessen. Damals wurde gebibbert, ob die Betten und Intensivbetten ausreichen, ob wir genügend Pflege- und medizinisches Personal haben. Politiker erklärten: „Noch nie waren unsere Krankenhäuser so wertvoll!“ und applaudierten den Beschäftigten in den Krankenhäusern. Gewarnt wurde vor weiteren kommenden Zoonosen. Heute dominiert wieder die nackte Ökonomie, sprich vor allem die Profitinteressen von privaten Investoren im Gesundheitswesen. Und bei der Diskussion um ein in Krisen resilientes Gesundheitswesen wird in der Politik vermehrt „Kriegstüchtigkeit“ für einen hypothetischen Kriegsfall gefordert, anstatt die öffentliche Daseinsvorsorge zuerst für den realen Alltag im Frieden zu stärken und damit einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der sozialen Demokratie in Deutschland zu leisten.

Nehmt sie beim Wort: Parallelen zwischen Trumps MAGA-Bewegung und der AfD

Vortrag von Katharina Nocun: Samstag, 8. November 2025, 19 Uhr im Atrium des Burghardt-Gymnasiums in 74722 Buchen, St.-Rochus-Str. 5

Eine Veranstaltung von Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis

Kaum ein Tag vergeht ohne Schreckensmeldungen aus den USA, die uns drastisch vor Augen führen, wie schnell eine einst stabile Demokratie ins Wanken geraten kann. Trump und seine Gefolgsleute machen keinen Hehl aus ihrer Verachtung für zentrale Institutionen des Staates. Bereits im Wahlkampf verbreitete Trump die Lüge von der angeblich „gestohlenen“ Wahl und äußerte immer wieder drastische Verschwörungserzählungen. Seit er wieder im Amt ist, lässt er seinem Unmut über Richterinnen, die nicht in seinem Sinne entscheiden, freien Lauf. Die vielgerühmten „Checks and Balances“ des politischen Systems werden inmitten dieses permanenten Wahlkampfmodus als Teil einer bösartigen Verschwörung dargestellt.

Der Blick über den großen Teich verdeutlicht, wie fatal die Annahme sein kann, autoritäre Akteure würden „sich an der Macht entzaubern“. Was können wir aus diesem Beispiel für den Umgang mit autoritären Kräften hierzulande lernen?

 

Demokratie verteidigen – Hoffnung schenken

Kundgebung am Freitag, 7. November um 18:30 Uhr in Mosbach, Parkdeck P 10 beim Jugendhaus

Update:

Zu der Kundgebung kamen nicht ganz hundert Leute, was angesichts der kurzen Vorlaufzeit von Anmeldung, Bewerbung und Vorbereitung okay ist. Fünf kurze mehr oder weniger spontane Redebeiträge setzten sich mit der AfD auseinander. Die rechtsextreme Partei steht für die drohende Ausgrenzung und Bedrückung zahlreicher gesellschaftlicher Gruppen.

Auch wenn die herrschende Politik hochproblematisch ist, so hat die AfD jedoch keine Antworten darauf, sondern würde diese in Regierungsverantwortung noch mehr verschärfen: Sie hat keine Antworten auf entscheidende Zukunftsfragen, sondern leugnet beispielsweise die menschengemachte Klimazerstörung. Die AfD hat keine Antworten auf soziale Fragen, sondern zeigt mit Bezugnahme auf Vorbilder wie Milei, Trump oder Musk, dass sie gewillt ist, den Sozialstaat weiter auszuhöhlen.

Die AfD hat keine Antworten auf die Demokratiekrise, sondern ist Teil dieser Krise. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl Markus Frohnmaier verteidigte den in den USA ermordeten Rechtspopulisten und Rassisten Charlie Kirk gegen Kritik und stellte ihn gar als Helden dar. Kirk war aber alles andere als anständig: so hatte er es als Fehler bezeichnet, dass Schwarze 1964 in den USA das Wahlrecht erhalten haben, und den Bürgerrechtler und Pazifisten Martin Luther King als furchtbar und als schlechte Person bezeichnet.

Das Programm der AfD und die Verlautbarungen ihrer Politiker lösen berechtigte Ängste aus, was auch in betroffenen Statements zum Ausdruck kam.

der Aufruf

Anlass ist ein sogenannter Bürgerdialog der AfD-Landtagsfraktion mit dem Fraktionsvorsitzenden Anton Baron und den weiteren Landtagsabgeordneten Joachim Steyer und Dennis Klecker. Die Initiativen „Mosbach gegen Rechts“ und „Lebendige Demokratie Eberbach“ unterstützen die Kundgebung „Demokratie verteidigen – Hoffnung schenken“, angemeldet von der Partei Die Linke Mosbach.

„Mosbach gegen Rechts“ wendet sich gegen Hetze, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, tritt ein für eine offene und solidarische Gesellschaft sowie für ein gutes Leben für alle.