Rettet das Mosbacher Krankenhaus!

Vortrag und Diskussion am 9. Dezember 2025 in Mosbach zu den Folgen der Krankenhauspolitik für die Gesundheitsversorgung

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ lädt für Dienstag, 9. Dezember 2025 zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die Folgen der Krankenhauspolitik für die Gesundheitsversorgung in unserer Region in den Saal des Gasthauses Lamm in Mosbach (Hauptstraße 59) ein. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Anlass für die Veranstaltung sind die Diskussionen um die mögliche Schließung des Krankenhauses Mosbach bzw. seine Abwertung zu einem „sektorenübergreifenden Versorger“ mit Ambulantisierung. Hintergrund ist die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und die Unterfinanzierung der Krankenhäuser, welche auch zu dem hohen Defizit der Neckar-Odenwald-Kliniken führen.

Der Referent Thomas Böhm vom bundesweiten Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ wird aufzeigen, wie sich die Lauterbachsche Krankenhausreform (KHVVG) auf die medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Gebieten auswirkt, und alternative Vorstellungen und Forderungen für eine bedarfsgerechte Versorgung entwickeln. Er fragt: Was sind die Folgen der finanziellen Steuerung der Gesundheitsversorgung (Fallpauschalen, Einzelleistungsvergütung, Budgets)? Wie sollen Einrichtungen der Daseinsvorsorge richtig gesteuert werden? Wie könnte das Gesundheitswesen alternativ finanziert werden?

Thomas Böhm war im Klinikum Stuttgart als Chirurg tätig. Dort war er bis 2011 auch Personalratsvorsitzender und ver.di-Bezirksvorsitzender in Stuttgart. Für ver.di ist er Mitglied im Landeskrankenhausauschuss der Landesregierung und im Verwaltungsrat des Klinikums Stuttgart. Er arbeitet aktiv im Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ mit. Er beschäftigt sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit den Themen Krankenhausfinanzierung und Krankenhausplanung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird Simon Schreiweis (Betriebsrat und engagiert bei der Gewerkschaft ver.di) über die wirtschaftliche Lage der Neckar-Odenwald-Kliniken berichten und auf die Diskussion um eine mögliche Schließung des Klinikstandorts Mosbach sowie die Folgen für die Beschäftigungssituation eingehen.

Veranstalter ist das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald, welches sich 2021 anlässlich der Corona-Pandemie gegründet hatte. Das Bündnis hatte seither je eine Kundgebung in Eberbach und Mosbach durchgeführt, sich dem bundesweiten Bündnis Klinikrettung angeschlossen, sich in mehreren Briefen zur Krankenhausreform an die Bundestagsabgeordneten im Gesundheitsausschuss und aus der Region sowie mit Pressemitteilungen an die Lokalpresse gewandt und mit Thomas Strohschneider (Autor des Buches „Krankenhaus im Ausverkauf„) einen öffentlichen Vortrag in Mosbach organisiert.

Hintergrund: die wirtschaftliche Situation in den Neckar-Odenwald-Kliniken

Ein vom Neckar-Odenwald-Kreis in Auftrag gegebenes Gutachten empfiehlt die Schließung des Krankenhauses Mosbach als Grund- und Regelversorger und die Umwandlung zu einem „sektorenübergreifenden Versorger“ als Ersatz, eventuell mit einem geriatrischen Schwerpunkt und vermehrter Ambulantisierung. Eine solche Klinik ist aber – selbst wenn sie im Krankenhausplan aufgeführt werden sollte – kein Allgemeinkrankenhaus mehr: Unter anderem wird die Notfallversorgung wegfallen. Hintergrund sind die Defizite der Neckar-Odenwald-Kliniken von jeweils 10 bis 12 Millionen Euro in den Jahren 2024 und 2025. Mit solchen Bilanzen stehen die Neckar-Odenwald-Kliniken nicht alleine da. Es ist politisch gewollt, die Zahl der Krankenhäuser massiv zu reduzieren unter Inkaufnahme der Ausdünnung der flächendeckenden Krankenhausversorgung.

Mit einer Schließung des Krankenhauses Mosbach würden mehr als 13.000 Menschen in der Region mehr als eine halbe Stunde Fahrtzeit mit dem PKW zum nächsten Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung haben, insbesondere im Dreieck zwischen Mosbach, Adelsheim und Möckmühl. In Möckmühl wurde vor sieben Jahren das Krankenhaus geschlossen, was letztes Jahr auch die Schließung der Notfallpraxis Möckmühl nach sich zog.

Das vom vorherigen Gesundheitsminister Lauterbach durchgesetzte sogenannte Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz KHVVG ändert nichts an dieser Politik, sondern treibt die Ökonomisierung des Gesundheitswesens voran. Auch die Modifizierungen des KHVVG mittels des Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG durch die gegenwärtigen Gesundheitsministerin Warken werden die Fehl-, Über- und Unterversorgung durch die Fallpauschalen und andere Mechanismen fortgeschreiben. Die daraus resultierende überbordende Bürokratie wird verschärft durch die neu eingeführte Vorhaltevergütung, die aber nach Absenkung der Fallpauschalen keine wirkliche Vorhaltevergütung ist und die gleichzeitig wiederum fallabhängig berechnet wird. Die vorgesehene Vergabe von Leistungsgruppen bzw. ihre Aberkennung oder Verweigerung wird zu Einnahmeverlusten insbesondere kleinerer Krankenhäuser führen, die sich mit bestimmten Fachrichtungen spezialisiert hatten, um Defizite aus dem Grund- und Regelbetrieb auszugleichen. Es wird in den nächsten Jahren zum Abbau von Betten und Abteilungen und Schließungen von Hunderten Krankenhäusern kommen. Insbesondere im sogenannten ländlichen Raum werden etliche Arbeitsplätze in Pflege, Medizin, Service und Therapie verloren gehen.

Corona und dass unser gesamtes gesellschaftliches Leben sich über viele lange Monate den Kapazitäten der Krankenhäuser unterwerfen musste, ist längst vergessen. Damals wurde gebibbert, ob die Betten und Intensivbetten ausreichen, ob wir genügend Pflege- und medizinisches Personal haben. Politiker erklärten: „Noch nie waren unsere Krankenhäuser so wertvoll!“ und applaudierten den Beschäftigten in den Krankenhäusern. Gewarnt wurde vor weiteren kommenden Zoonosen. Heute dominiert wieder die nackte Ökonomie, sprich vor allem die Profitinteressen von privaten Investoren im Gesundheitswesen. Und bei der Diskussion um ein in Krisen resilientes Gesundheitswesen wird in der Politik vermehrt „Kriegstüchtigkeit“ für einen hypothetischen Kriegsfall gefordert, anstatt die öffentliche Daseinsvorsorge zuerst für den realen Alltag im Frieden zu stärken und damit einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der sozialen Demokratie in Deutschland zu leisten.