12. März 2020: Kino Neckarelz „Hassjünger – die Geschichten zweier Aussteiger“

Am Donnerstag, 12. März 2020 zeigt die Initiative Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis zusammen mit dem Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. im Kino in Mosbach-Neckarelz (Bahnhofstraße 1) um 19.30 Uhr den Film „Hassjünger„. Begleitet wird die Filmvorführung durch den Regisseur Max Damm, der sich nach dem Film den Fragen der Zuschauer stellt.

In einer komplexen Welt fallen einfache Antworten auf fruchtbaren Boden. Pegida, Salafisten, AFD, Reichsbürger, IS-Anhänger, Die Identitären, die wahre Religion – sie alle haben eines gemeinsam: Ein Dogma, das Andersdenkende abwertet und die eigene Ideologie zur absoluten Wahrheit erhebt. Aber warum radikalisieren sich immer mehr Menschen? Was ist so anziehend an extremistischen Weltbildern? Wie wird man zum Extremist?

Ein Ex-Salafist und ein Ex-Neo-Nazi stellen sich in dieser Dokumentation ihrer Vergangenheit. Dominic Schmitz und Felix Benneckenstein waren jahrelang gefangen in einer Ideologie. Sie haben ihr komplettes Leben und sich selbst dafür aufgegeben. Sie waren Extremisten: Zwei Jugendliche, die in der Pubertät zu Fanatikern wurden. In völlig unterschiedlichen Gruppierungen, und doch so ähnlich in der Biographie. Anhand ihrer Erfahrungsberichte stellt der Film eine der wohl brennendsten Frage unserer Zeit: Warum werden Menschen radikal?

Die Dokumentation über die alltägliche Realität extremistischer Jugendlicher versucht nicht anzuprangern, sondern zu verstehen. Welche Gründe führen dazu, dass junge Menschen sich extremen Ideologien anschließen? Welche Mechanismen greifen? Wie entsteht der Hass?
Hinter einer Radikalisierung steht immer ein Ursachengeflecht – der Film setzt genau hier an: Bei den persönlichen, emotionalen Umständen, die zwei Menschen auf den Irrweg führten. Noch heute werden beide bedroht. Trotzdem lassen sie sich davon nicht einschüchtern: Sie sprechen offen und unverhüllt über ihre individuellen Geschichten: Für die eigene Aufarbeitung. Um andere zu warnen. Und weil diese Geschichten ihr Leben sind.

 

Der Begriff „Heimat“ in rechter Musik

Vortrag am 10. März 2020 in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Der Begriff „Heimat“ in rechter Musik – Vortrag und Buchvorstellung von Timo Büchner (eine Veranstaltung von Mosbach gegen Rechts und dem Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V.) am Dienstag, 10. März 2020 um 19 Uhr im Seminarraum der KZ-Gedenkstätte Neckarelz (Mosbacher Straße 39)

Der Streit, was „Heimat“ ist, wird auf vielen Ebenen geführt – im Netz, in den Parlamenten, auf der Straße, an den Stammtischen. Und eben auch in der Musik. Wer sich näher mit rechter Musik befasst, stellt fest: eine bestimmte Szene verbreitet ein völkisches Verständnis von Heimat und versucht, damit vor allem junge Menschen anzusprechen.
In seinem neuen Buch, das 2019 auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert wurde, stellt Timo Büchner diese Zusammenhänge an Beispielen dar. Er wählt dazu eine Mischung aus Erzählung und Analyse – und möchte LehrerInnen und Menschen, die in der Jugendarbeit tätig sind, eine Hilfestellung geben.
Die Buchvorstellung findet in Kooperation mit dem ver.di-Bildungszentrum Mosbach statt. Sie ist auch eine Begleitveranstaltung der Schulkinowoche mit dem Film „Hassjünger“ (organisiert von der befreundeten Gruppe Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis).
Timo Büchner ergänzt zu dem Vortrag:
Der Kampf um die Deutungshoheit des Heimatbegriffs wird nicht nur auf der Straße, im Netz und in den Parlamenten geführt – sondern auch in der Musik. Der Einblick in verschiedene Spektren der rechten Musik zeigt: Die vermeintlich unpolitische Deutschrock-Band „Frei.Wild“, die neurechten Rapper „Komplott“ und „Chris Ares“ sowie der neonazistische Liedermacher „Frank Rennicke“ verbreiten ein völkisches Heimatverständnis, das für eine vielfältige Gesellschaft brandgefährlich ist.
Timo Büchner studierte Politische Wissenschaften und Jüdische Studien in Heidelberg. Er gehörte zeitweise dem Vorstand der KZ-Gedenkstätte Neckarelz an. Er volontierte in Yad Vashem (Israel) sowie im Hong Kong Holocaust & Tolerance Centre (VR China) und engagiert sich seit mehreren Jahren gegen die extreme Rechte. Vor einem Jahr stellte er sein erstes Buch „Antisemitismus im Rechtsrock“ in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz vor.

Kitschiger Dreck über eine bestimmte Heimatvorstellung und angebliche Überfremdung, Video von dem völkisch-nationalistischen „Video-Künstler“ Roland Dellago, geteilt von einem Mosbacher AfD-Gemeinderat auf seiner Facebook-Seite (Screenshots): „Roland, wie immer super!“