Mahnwache auf dem Kirchplatz in Mosbach
Update vom 26. April 2026
Zu den Jahrestagen der Atomkatastrophen von Tschernobyl im ukrainischen Teil der Sowjetunion (vor 40 Jahren am 26. April 1986) und Fukushima in Japan (vor 15 Jahren am 11. März 2011) konnte die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ insgesamt siebzehn TeilnehmerInnen bei ihrer schon am Freitag stattgefundenen Mahnwache auf dem Kirchplatz in Mosbach begrüßen.
Fotos von Klaus Brauch-Dylla

Erinnerungen an die Tage nach der Katastrophe
Gertrud Patan: „Ereignisse wie die Katastrophe in Tschernobyl bleiben im Gedächtnis und ich kann mich an die Tage damals gut erinnern. Die Sowjetunion versuchte die Kernschmelze zu verheimlichen. Die Beschädigungen des Kraftwerks waren aber durch die Explosionen so groß, dass eine radioaktive Wolke vom Wind über Europa getragen wurde. Zwei Tage später wurde in Schweden eine hohe Radioaktivitätskonzentration in der Luft gemessen, am Abend des 28. April kam die erste Nachricht davon in Deutschland an.“
Am 1. Mai war wunderschönes Wetter. „Alle waren im Freien zum Spazierengehen, Radfahren, Spielen. Damals gab es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, immer eine Versammlung der Gewerkschaft hier auf dem Marktplatz in Mosbach mit Reden, und ich glaube auch Getränken und Musik. Es waren Tische und Bänke aufgestellt, und alle freuten sich über das gute Wetter. Der Kreisverband der Grünen hat parallel dazu einen Stand auf dem Marktplatz gehabt, und wir haben Anti-Atomkraft-Informationen verteilt und mit vielen interessierten Menschen Gespräche zu der Katastrophe geführt.
Erst nach dem 1. Mai wurde bekannt, dass die radioaktive Wolke auch über Deutschland gezogen war und dass eigentlich alle besser zuhause geblieben wären. Allerdings hatten wir hier Glück mit dem schönen Wetter, weil nicht so viele radioaktive Partikel auf den Boden gelangten. In Bayern und um den Bodensee hat es geregnet, und es wurden radioaktive Stoffe aus der Luft ausgewaschen und haben sich im Boden angereichert.
In ganz Deutschland gab es eine mehr oder weniger starke radioaktive Belastung der Böden und der Pflanzen, so dass auf den Äckern Salat und Gemüse untergepflügt wurde. Auch die Milch war belastet, … und Eltern mit kleinen Kindern suchten verzweifelt nach unbelastetem Milchpulver. Auch Wildtiere und Pilze konnte man nicht essen, das blieb sogar in den Folgejahren so.
Dass es für die deutschen AKW keine Konsequenzen hatte, begründete die Regierung damit, dass sie viel sicherer seien als die sowjetischen AKW. (Diese Begründung wurde später aber durch die Katastrophe in Japan im Jahr 2011, einem vergleichbaren Industrieland, ad absurdum geführt.) In der Bevölkerung änderte sich danach die Stimmung, und im Lauf der 1990er Jahre war die Mehrheit gegen Atomstrom. Im Jahr 2000 gab es dann unter der rotgrünen Bundesregierung den sogenannten Atomkonsens, der aber immer noch 20 Jahre Laufzeit vorsah.“
Die Urananreicherungsanlage in Gronau
Angesichts der vielen Berichte und Sendungen in diesen Tagen verzichtete Arno Huth auf weitere Schilderungen zur Atomkatastrophe, um stattdessen auf aktuelle Themen einzugehen:
„Auch wenn Deutschland 2023 alle Atomkraftwerke abgeschaltet hat, so ist aus unserer Sicht der Atomausstieg unvollständig. Neben verschiedenen Forschungsreaktoren gibt es noch die Urananreicherungsanlage in Gronau in Nordrhein-Westfalen und die Brennelementefabrik in Lingen in Niedersachsen. Beide dienen der Produktion von Kernbrennstoffen für Atomkraftwerke.
Urananreicherungsanlagen sind international auch deshalb problematisch, weil die Zentrifugen auch zur Anreicherung von Uran auf das Niveau von Atomwaffen eingesetzt werden können. Länder mit Urananreicherungsanlagen stehen also auch im Verdacht, Atomwaffen zu produzieren oder sich diese Option offenzuhalten. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hatte bei einem Besuch der Atomfabrik Le Creusot im Jahr 2020 klargestellt, dass es ohne zivile Nutzung der Atomenergie auch keine militärische Nutzung gebe.
Mit der Urananreicherungsanlage in Gronau leistet sich Deutschland somit eine Atomanlage, die – wenn sie im Besitz von anderen Staaten wie dem Iran und Nordkorea ist – für die USA als Grund oder Vorwand für heftige internationale Spannungen oder einen Krieg dient. …
Im November 2025 warnte der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi, davor, dass die Zahl der Länder mit Atomwaffen in den nächsten Jahrzehnten von neun auf über 25 ansteigen könnte, sollte das internationale Nichtverbreitungssystem geschwächt werden. Auch Deutschland verfüge über so umfassende Kapazitäten und Fähigkeiten, dass es ein realisierbares Atomwaffenprogramm entwickeln könnte, auch wenn es derzeit keine Anzeichen dafür gebe.
Örtliche Bürgerinitiativen in Gronau bemängeln vor allem die wachsende Menge an Atommüll, der beim Prozess der Anreicherung entsteht. In Gronau lagern 20.000 Tonnen davon in Fässern unter freiem Himmel auf dem Hof der Fabrik. Der Verbleib dieses Gefahrguts ist bis heute ungeklärt.“
Kooperation mit dem russischen Staatskonzern Rosatom bei der Brennelementefabrik in Lingen
„Mehr als vier Jahre dauert nun der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Im Oktober 2025 verhängte die Europäische Union das 19. Sanktionspaket gegen Russland. Besonders brisant ist jedoch eine Ausnahme: In Lingen kooperiert eine Tochtergesellschaft des französischen Atomkonzerns Framatome, die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) mit dem zivil-militärischen russischen Staatskonzern Rosatom. Es geht um die Produktion von sechseckigen Brennelementen für 19 Kernkraftwerke sowjetischer Bauart insbesondere in Osteuropa.
Im Februar 2026 empfahl die Bundesregierung der niedersächischen Landesregierung, diese Kooperation unter Auflagen zu genehmigen. Die Dialektik dabei: osteuropäische Staaten könnten ihre Abhängigkeit von Brennelemente-Lieferungen aus Russland verringern, wenn mit Rosatom in Lingen kooperiert werde. Inzwischen haben mehr als 11.000 Menschen und Organisationen bei der niedersächsischen Genehmigungsbehörde Einwendungen erhoben.“
Altreaktoren im benachbarten Ausland
„Auch von Atomkraftwerken aus dem benachbarten Ausland gehen weiterhin Gefahren aus. Außer einem Reaktor in Temelin in Tschechien laufen in der Schweiz nicht weit von der Grenze seit 53 und 56 Jahrenn zwei Uraltreaktoren in Beznau, seit 46 Jahren einer in Gösgen und seit 41 Jahren einer in Leibenstadt.
Die vier Reaktoren im französischen Cattenom nahe der Grenze zu Deutschland und Luxemburg sind seit 35 bis 39 Jahren am Netz. Insgesamt betreibt Frankreich über 57 Kernreaktoren und beabsichtigt, die Laufzeiten seiner Atomkraftwerke auf über 60 Jahre hinaus auszuweiten. Weitere seit über 50 Jahre alte Reaktoren befinden sich in den Niederlanden und in Belgien im Betrieb.“
Atomkraftwerke im Krieg
„Angesichts der zunehmend instabilen und enthemmten Weltpolitik stellen Atomkraftwerke ein hohes Gefahrenpotential in kriegerischen Auseinandersetzungen dar, wie es sich in den aktuellen Kriegen immer wieder zeigt. Sie können zu potentiellen gegnerischen Angriffszielen … werden oder ihre Sicherheitssysteme durch Kriegseinwirkungen beschädigt werden.
Im Iran bombardierten die USA und Israel Atomanlagen, und Geschosse schlugen auf dem Gelände des iranischen Atomkraftwerks Buschehr ein.
Gleich nach Beginn des Krieges sollen im März 2022 russische Soldaten üb erstürzt aus der Umgebung von Tschernobyl abgezogen sein, nachdem durch Aufwirbelungen von Militärfahrzeugen deutlich erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt worden seien. Im Februar 2025 wurde die Schutzhülle über der Ruine des Atomreaktors Tschernobyl mutmaßlich durch eine russische Kampfdrohne zerstört. Sie wird wieder aufwändig repariert werden müssen.
Immer wieder gibt es beunruhigende Nachrichten über Kriegshandlungen beim Atomkraftwerk Saporischschja in dem von Russland annektierten Teil der Ukraine. Zwar wurden die Reaktoren vom Netz genommen, trotzdem müssen die Brennstäbe mit riesigen Mengen Wasser gekühlt werden, damit keine Kernschmelze eintritt. Als im Juni 2023 der Kachowka-Staudamm zerstört wurde, war die Verfügbarkeit von Kühlwasser gefährdet. Ein weiteres solches Szenario besteht bei einer längeren Unterbrechung der externen Stromversorgung, wenn die Stromversorgung angegriffen wird. Diese Gefahr besteht auch für die anderen Atomkraftwerke in der Ukraine angesichts massiver russischer Angriffe auf die Strominfrastruktur. In diesem April registrierte die Internationale Agentur für Atomenergie im Atomkraftwerk Saporischschja den dreizehnten Stromausfall seit Kriegsbeginn. Nach der Insvasion soll Russland das ukrainische Personal unter Misshandlungen und Drohungen zur Weiterarbeit gezwungen haben und gleichzeitig Waffen zum Schutz vor ukrainischen Gegenangriffen deponiert haben. Immer wieder gab es auch Einschläge von Drohnen und Geschossen beim Atomkraftwerk Saporischschja.
Als im April 2024 die Ukraine ihre Gegenoffensive in Richtung der Stadt Kursk gestartet hatte, wurde spekuliert, ob ein Ziel auch die Einnahme des dortigen Atomkraftwerks als Tauschpfand in Verhandlungen sein könnte, um das Atomkraftwerks Saporischschja zurück zu erhalten. Im August meldete Russland, eine ukrainische Drohne sei auf das Atomkraftwerk Kursk gefallen und habe einen Brand ausgelöst.
Umgekehrt hat die Ukraine vorletztes Jahr angekündigt, in den nächsten Jahren mehrere Atomreaktoren bauen zu wollen – auch im Vertrauen darauf, dass Russland diese im Gegensatz zur sonstigen Energieinfrastruktur nicht angreifen würde.“
Ermordung der ukrainischen Journalistin Wiktorija Roschtschyna in russischer Gefangenschaft
Arno Huth erinnerte auch an das grausame Schicksal der ermordeten 27-jährigen ukrainischen Journalistin Wiktorija Roschtschyna: „Im Sommer 2023 überquert Wiktorija Roschtschyna illegalerweise und vermutlich zu Fuß die Grenze von Lettland nach Russland und reist weiter in die russisch besetzen Gebiete der Ukraine, unter anderem in die Stadt Enerhodar, wo sich das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja befindet. Seitdem dieses von Russland besetzt ist, gibt es Berichte über Nötigung, Folterung, Zwangsverpflichtung und Verschwindenlassen von nicht kollaborierenden Beschäftigten. In der Stadt Enerhodar, wo die meisten Beschäftigten wohnen, will Roschtschyna darüber recherchieren.
Sie wird dort gefangen genommen und in Folterkellern und Gefängnissen in den russischen Städten Melitopol und Taganrog gefoltert, wie eine später freigekommene Zellengenossin bezeugt. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich immer mehr. Erst im Sommer 2024 erholt sie sich nach einer Krankenhausbehandlung, und sie darf einmal ihre Eltern kurz anrufen. Dann wird sie aber an einen unbekannten Ort verlegt, wo sie September 2024 stirbt. Erst ein halbes Jahr später im Februar 2025 wird ihre stark verweste Leiche tiefgefroren der Ukraine übergeben. Ihr Körper soll zahlreiche Spuren von Folter und Misshandlung zeigen.“
Keine „Renaissance der Atomenergie“!
In ihren zwei weiteren Beiträgen ging Gertrud Patan auf die Forderungen aus der Politik nach einem Wiedereinstieg in die Atomkraftnutzung in Deutschland sowie auf Alternativen vor dem Hintergrund der Klimazerstörung durch fossile Energien ein:
„Trotz der schlimmen Erfahrungen und den ungelösten Problemen mit dem Atommüll gibt es deutsche Politiker, die wieder Atomstrom propagieren, zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident Söder und die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Und vor kurzem forderte der CDU-Politiker Spahn, dass die drei zuletzt abgeschalteten Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden. Die Chefs der Betreiberfirmen EnBW und RWE haben aber vor kurzem nochmals betont, dass die Anlagen bereits weit zurückgebaut und technisch nicht mehr aktivierbar sind. Sogar der Bundeskanzler hat diesem Ansinnen widersprochen. Allerdings wurde die Atomenergie auf EU-Ebene in der sogenannten Taxonomie-Verordnung als „grüne“ Energie eingestuft, was eine staatliche Förderung ermöglicht.
Und aus den USA kommt die Formulierung von der ‚Renaissance der Atomenergie‘. Dabei stagniert die Anzahl der Anlagen weltweit seit etwa zehn Jahren bei rund 400, die im Durchschnitt mehr als 30 Jahre alt sind. Den wenigen neuen Anlagen stehen entsprechend viele Abschaltungen gegenüber. Als Begründung für neue AKW werden der steigende Strombedarf und die schwankende Erzeugung bei den Erneuerbaren angeführt. Und es wird auf den Bau von neuen Rechenzentren, vor allem für die KI verwiesen.
Nachdem sich der Bau von großen Atomkraftwerken als viel zu teuer erwiesen hat und viel zu lange dauert (Beispiele in Europa sind Flamanville in Frankreich und Olkiluoto in Finnland), werden sogenannte SMR als neue Idee propagiert, die kleiner, schneller zu bauen und damit günstiger sein sollen, zudem sollen sie sicherer sein und weniger Atommüll hinterlassen.
Das Neue daran ist vor allem, dass es kleine Anlagen sein sollen, die in Serie gebaut werden. Alles andere ist genauso problematisch wie bei den großen. Bisher fehlt auch der Beweis, dass solche kleinen Anlagen funktionieren. Es gibt nur wenige Anlagen, die zu Forschungszwecken in Einzelanfertigung hergestellt wurden. Von Serienfertigung ist man weit entfernt. Und die sogenannten Investoren geben nur Geld dazu, wenn sie staatliche Förderung und Garantien bekommen.
Die Reaktorprojekte für SMR bauen alle auf bereits vorhandenen Techniken auf wie zum Beispiel dem in Deutschland genutzten Druckwasserreaktor (KWO) oder einem natriumgekühlten „Schnellen Brüter“ (wie in Kalkar, der nie in Betrieb ging) oder einem gasgekühlten Hochtemperaturreaktor (wie in Hamm-Uentrop, der nach etwa anderthalb Jahren abgeschaltet wurde).
Ein neuer Traum sind kleine unterirdische Atomreaktoren entsprechend einem U-Boot-Antrieb mit z. B. 15 MW, d. h. um die elektrischen Leistung des KWO zu erbringen, müsste man mehr als 20 solche Reaktoren (Zylinder mit ca. 70 cm Durchmesser) etwa 1,5 km tief in den Boden versenken. Für eine Leistung wie in Neckarwestheim wären rund 100 Reaktoren notwendig. In den USA versucht man, eine solche Anlage zu bauen.
Ein weiterer Traum, der seit Jahrzehnten geträumt wird, ist die Stromerzeugung durch Kernfusion, also nicht Atomspaltung, sondern Verschmelzung von Atomen. Daran wird auch in Deutschland (in Karlsruhe, Garching und Greifswald) geforscht, gefördert mit Millionen von EU-Geldern Bei dieser Technik wird versucht, die Energie der Sonne nachzubilden, dafür müssten über 100 Mio °C hergestellt werden. Ich halte das für menschliche Hybris.
Die Forschung macht seit Jahrzehnten kaum Fortschritte, aber der Glaube, dass man damit auf der Erde Strom erzeugen kann, scheint unerschütterlich.“

Atomenergie und Klimaschutz
„Als weiteren Grund für die Atomenergie nennen die Befürworter auch den Klimaschutz. Dafür taugt sie aber nicht, denn Atomkraft ist nicht CO2-frei, wenn man den Ablauf vom Uranabbau über die Anreicherung, die Brennelementherstellung und nicht zuletzt die Aufbewahrung des Atommülls mit allen dazugehörigen Transporten betrachtet.
Atomenergie trägt weltweit nur 2 % zum weltweiten Gesamtenergieverbrauch und 10 % zum Stromverbrauch bei. Ein größerer Beitrag ist auf lange Sicht nicht zu erwarten, denn die AKW-Flotte ist alt und laut dem DIW wird bis 2030 die Hälfte davon aus Altersgründen – sprich aus Sicherheitsgründen – abgeschaltet werden. Selbst wenn die Neubaurate extrem gesteigert würde, was unwahrscheinlich ist, würde es zu lange dauern, um die Erderwärmung zu bremsen. Zur Zeit sind etwa 50 Anlagen im Bau, die Hälfte davon in China.
Dazu kommen die extrem hohe Gefährlichkeit und das ungelöste Problem des Atommülls.
Über den gesamten Nutzungszyklus wird Menschen und Umwelt Schaden zugefügt. Schon am Anfang der Kette, beim Uranabbau, werden Menschen ausgebeutet, ihre Gesundheit geschädigt, die Umwelt zerstört und gefährlicher radioaktiver Müll hinterlassen, und das vor allem in dünn besiedelten Gebieten, meist mit indigener Bevölkerung. Solche Hinterlassenschaften gibt es aber auch in Deutschland in den neuen Bundesländern, wo zu DDR-Zeiten Uran abgebaut wurde ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und die Umwelt.
Die Vorsitzende des IPPNW, Dr. Angelika Claußen bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: Atomkraft ist schlicht zu langsam, zu teuer, zu gefährlich und zu schlecht mit den Erneuerbaren kombinierbar, als dass sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnte.“
Für den Klimaschutz gibt es schon seit Jahrzehnten vonseiten der Umweltschutz-Bewegungen den Vorschlag der 3 großen E, als noch von einem sinkenden Stromverbrauch ausgegangen werden konnte:
• Energieeinsparung (davon hört man heute leider nichts mehr)
• Energieeffizienz (da hat sich beim Bau von Geräten einiges getan)
• Erneuerbare Energien, die inzwischen einen weltweiten Siegeszug angetreten haben – nicht zuletzt wohl durch das Beispiel Deutschlands.
Was gemeinsam mit den Erneuerbaren vorangetrieben werden sollte, aber bis heute nicht in ausreichenden Maß erfolgt, sind Speichermedien wie Batterien, Pumpwasserspeicher, Strom aus Biomasse (möglichst nur aus Abfällen), organisatorische Maßnahmen wie kurzzeitige Abschaltung von Großverbrauchern wie Kühlanlagen. Ein Thema ist auch der Netzausbau, um Strom aus Gebieten mit hoher Stromerzeugung zu verteilen, sowie smarte Stromzähler, mit denen ein Verbrauch in der günstigsten Zeit möglich ist.
Aber auch bei diesen Maßnahmen sind natürlich immer die Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen.“
Für die Zukunft
Arno Huth lenkte zuletzt noch die Aufmerksamkeit auf eine in Deutschland wenig beachtete, aber besonders wichtige Initiative von Staaten vorrangig aus dem pazifischen Ozean und dem „globalen Süden“ und erklärte: „Außer von amnesty international habe ich in den deutschen Medien dazu leider nur äußerst wenig gefunden: https://amnesty-klimakrise.de/2026/04/wie-die-von-vanuatu-vorgeschlagene-un-klimaresolution-die-verantwortlichkeiten-im-klimabereich-fuer-jahrzehnte-neu-definieren-koennte/
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen gab 2023 beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein Gutachten in Auftrag. Dieser beschied im Juli 2025, dass alle Staaten völkerrechtlich verpflichtet seien, alles ihnen mögliche zu tun, um den Ausstoß der Treibhausgase zu senken und die Klimazerstörung zu stoppen. Der IGH unterstreicht die Bedeutung des Menschenrechts auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt für den Klimaschutz
Unter anderem die Inselrepublik Vanuatu kämpft aktuell darum, diese Verpflichtung durch eine Klimaresolution der Vereinten Nationen weiter festzuschreiben. Klimaschutz soll darin als eine Frage menschenrechtlicher Verantwortung gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen Generationen verankert werden.
Hingegen beklagt eine Petition der NGO Avaaz, dass US-Präsident Donald Trump versuche, Regierungen zur Ablehnung von Klimaschutzplänen zu zwingen. Von der Bundesregierung habe ich nur eine verhaltene Stellungnahme auf die Frage der grünen Abgeordneten Lisa Badum gefunden: Die Bundesregierung beteilige sich konstruktiv an diesen Verhandlungen im Rahmen einer gemeinsamen EU-Verhandlungsführung. Die Bundesregierung werde sich zu dieser Resolution einschließlich ihres Stimmverhaltens final positionieren, sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind und der Text der Resolution feststeht.
Wir von der Initiative AtomErbe Obrigheim wollen noch in den nächsten Tagen mit einem Brief an die Bundesregierung appellieren, die Initiative Vanuatus zur Annahme der UN-Klimaresolution aktiv zu unterstützen.
Ich sehe darin auch ein wichtiges Bekenntnis zur Vision einer transnationalen, universellen Menschheit. Wir leben in Zeiten nationalistischer Engstirnigkeiten. Reaktionäre Rechte und rechtslibertäre Tech-Milliardäre stellen Entwicklungshilfe, Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen sowie die Solidarität mit Menschen anderer Herkunft in Frage. Sie denunzieren eine Politik der Empathie als Ideologie, als Schwächung und Schädigung ihres jeweiligen Nationalstaates.
Die UN-Klimaresolution ist – ähnlich dem vor fünf Jahren in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrag – jedoch ein bedeutsamer Teil einer Gegenbewegung, die an der Idee der Menschheit und der Allgemeinen Menschenrechte festhält. Wir begrüßen es, dass Länder aus dem globalen „Süden“ trotz ihrer internationalen Schwäche und auch aus Notwehr diese Initiative ergreifen. Eine Unterstützung der UN-Resolution durch Deutschland und Europa könnte auch die Vereinten Nationen stärken als Gegengewicht zu der zunehmenden weltpolitischen Polarisierung und Fragmentierung.
Dass die UN-Klimaresolution so wenig Beachtung und Unterstützung in Deutschland und Europa findet, ist bedauernswert und zeugt von tiefer Ignoranz der Deutschen Politik – dies umso mehr, als eine ehemalige deutsche Außenministerin die amtierende Präsidentin der UN-Generalversammlung ist.“
Abschließend gedachten die TeilnehmerInnen der Mahnwache mit einer Schweigeminute allen Opfern der militärischen und zivilen Atomkraftnutzung, den direkten und mittelbaren Opfern der Atomkatastrophen von Fukushima, Tschernobyl und anderen Unfällen, den Opfern in den Uranabbaugebieten aufgrund radioaktiv kontaminierten Wasser und Lebensmitteln sowie Gesundheitsschäden durch radioaktiv strahlende Stäube und bei der Arbeit in den Uranminen sowie den Hunderttausenden Toten aufgrund der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und im Umkreis der Atomtestgebiete.
Mahnwache mit kurzen Redebeiträgen am Freitag, 24. April 2026 um 17.30 Uhr auf dem Kirchplatz in Mosbach

Anlässlich der beiden Jahrestage der Atomkatastrophen von Tschernobyl (Super-GAU am 26. April 1986) und Fukushima (Kernschmelzen in drei Reaktoren am 11. März 2011) erinnert die „Initiative AtomErbe Obrigheim“ mit einer Mahnwache an die Opfer und warnt vor den vielen Gefahren der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft.
Die Initiative fordert die Stilllegung der Urananreichungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen sowie die Beendigung der Geschäfte mit dem russischen Staatskonzern Rosatom.
Trotz des deutschen Atomausstiegs gehen auch weiterhin Gefahren durch Atomkraftwerke für uns aus. In der benachbarten Schweiz läuft das Atomkraftwerk Beznau seit 56 Jahren, und Frankreich beabsichtigt, die Laufzeiten seiner Atomkraftwerke auf über 60 Jahre hinaus auszuweiten.
Die Initiative weist auf die strahlenden Hinterlassenschaften des Uranabbaus und die gesundheitlichen Folgen in den Abbaugebieten sowie die ungelöste Problematik des Verbleibs der radioaktiven Abfälle und die von ihm über Jahrtausende ausgehenden Gefahren hin.
Die Initiative warnt vor den in Kriegssituationen ausgehenden Gefahren für Atomkraftwerke. In Tschernobyl wurde die Schutzhülle über der Ruine des Atomreaktors zerstört. Immer wieder gibt es beunruhigende Nachrichten über Kriegshandlungen beim Atomkraftwerk Saporischschja in dem von Russland annektierten Teil der Ukraine. Im Juni 2023 wurde der Kachowka-Staudamm zerstört, was die Kühlung der Brennstäbe des Atomkraftwerks Saporischschja gefährdete. Eine ukrainische Drohne sei im August 2025 auf das russische Atomkraftwerk Kursk gefallen und habe einen Brand ausgelöst. Im Iran bombardierten die USA und Israel Atomanlagen und Geschosse schlugen in der Umgebung des Atomkraftwerks Buschehr ein.
Die Initiative hält Milliardeninvestitionen in Kernfusion und neue angeblich smarte Atomkraftwerke für Irrwege. Unabhängig von den Gefahren wird auch in den kommenden Jahren beziehungsweise Jahrzehnten eine wirtschaftliche Nutzung solcher Kraftwerke nicht ausgereift oder technologisch nicht möglich sein. Die Initiative fordert stattdessen, die Energiewende mittels Energieeinsparungen, Effizienz, Erneuerbarer Energien sowie Speichertechnologien und des notwendigen Ausbaus der Netze entschlossen voranzubringen.