Krankenhausschließung in Mosbach gemeinsam verhindern!

Update, 31. Januar 2026:

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Freitag, 30. Januar 2026 auf dem Marktplatz Mosbach für den Erhalt ihres Krankenhauses. Der Kundgebungsleiter schätzte die Zahl auf 700-800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die RNZ schrieb sogar von 1.500. Aufgerufen hatten die Fraktionen des Mosbacher Gemeinderates zu der überpartelichen Veranstaltung. Der Spielmannszug Lohrbach umrahmte die Kundgebung musikalisch. Neben Oberbürgermeister Julian Stipp positionierten sich Dr. Gunther Leibfried von den Freien Wählern, Sabine Kreß von der CDU, Wolfgang Roth von der SPD und Maren Fütterer von den Grünen. Kundgebungsleiter Hartmut Landhäußer moderierte die Veranstaltung.

Angesprochen wurde, die beiden Standorte Mosbach und Buchen der Neckar-Odenwald-Kliniken nicht gegeneinander auszuspielen. Beklagt wurde die Unterordnung der Daseinsvorsorge unter Effizienz und Ökonomisierung. Betont wurde die Wichtigkeit des Krankenhauses für eine gute lokale Gesundheits- und Notfallversorgung und für die Lebensqualität in Mosbach. Auch wurde gefordert, die Zahlen des Gutachtens, welches die Degradierung des Mosbacher Krankenhauses zu einem sektorenübergreifenden Versorgungszentrum nahelegt, kritisch zu hinterfragen. Befürchtet wird, dass auch eine Schließung des Mosbacher Krankenhauses größere Investitionen zum Ausbau der Buchener Krankenhauses erfordern wird. Gleichzeitig wurde bezweifelt, dass die Patientenströme dann automatisch von Mosbach nach Buchen fließen würden.

Die Bürgerinnen und Bürger hatten Gelegenheit, eine Unterschriftenliste zur Unterstützung der Resolution des Mosbacher Gemeinderates zu unterschreiben. Im Internet findet sich eine weitere Petition.

Auch wenn die breite Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein ermutigendes Zeichen ist, wird ein langer Atem benötigt werden, da auch von der Bundes- und Landespolitik kaum ein Entgegenkommen für die Finanzierung der kleineren Krankenhäuser zu erwarten ist.

 

Kundgebung „Alarmstufe Rot. Rettet unser Krankenhaus in Mosbach!“ am Freitag, 30. Januar 2026 um 16 Uhr auf dem Marktplatz Mosbach

 

 

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ und die bundesweite Dachorganisation „Bündnis Klinikrettung“ (angesiedelt bei „Gemeingut in BürgerInnenhand“) begrüßen den überparteilichen Aufruf der Mosbacher Gemeinderatsfraktionen zur Teilnahme an der Kundgebung „Alarmstufe Rot. Rettet unser Krankenhaus in Mosbach!“ am Freitag, 30. Januar 2026 um 16 Uhr auf dem Marktplatz Mosbach.

Laut dem GKV-Kliniksimulator hätten mehr als 13.200 Einwohner über eine halbe Stunde Fahrtzeit bis zum nächsten Krankenhaus der Grundversorgung im Falle der Schließung des Standortes Mosbach als Allgemeinkrankenhaus. Würde das Krankenhaus in Buchen geschlossen, wären es sogar mehr als 37.600 Einwohner.

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ warnt jedoch davor, in der öffentlichen Diskussion die beiden Standorte der Neckar-Odenwald-Kliniken gegeneinander auszuspielen. Der Erhalt und die Stärkung einer guten und flächendeckenden Daseinsvorsorge sind ein wichtiger Beitrag zur Sicherung unserer sozialen Demokratie und wirken der weiteren gesellschaftlichen Entsolidarisierung entgegen.

Die Neckar-Odenwald-Kliniken sind mit der finanziellen Misere dabei kein Einzelfall: Seit vierzig Jahren betreibt die Bundespolitik eine Politik der Ökonomisierung, Privatisierung und Schließung insbesondere von Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Das Gesetz zur Krankenhausreform KHVVG im Jahr 2024 und aktuell das Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG zementieren diese Entwicklung, die zu Über-, Unter- und Fehlfinanzierungen und -versorgung geführt hat.

Von daher vermisst das Bündnis unter den Adressaten des Aufrufs die Bundesregierung beziehungsweise die regierenden Bundesparteien, die in den letzten Jahrzehnten diese Politik zu verantworten haben, sowie konkret die amtierende Bundesgesundheitsministerin Nina Warken aus unserem Wahlkreis Odenwald-Tauber.

Das Bündnis hätte es zudem begrüßt, wenn die Basis der Aufrufenden durch die Einbindung von nicht-parteilichen Akteuren wie zum Beispiel Gewerkschaften, Sozialverbänden und anderen Initiativen verbreitert worden wäre. So ähnelt die Kundgebung jedoch einer Wahlveranstaltung im Vorfeld der Landtagswahlen.

Das Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald fordert mehr Transparenz bei der Darstellung der Kosten: Das betrifft einerseits das Defizit von jeweils zehn bis zwölf Millionen Euro in den letzten beiden Jahren. Andererseits geht es um das geschätzte Defizit von etwa drei Millionen Euro für die im Gutachten favorisierte Variante, bei der etwa weitere drei Millionen Euro für Zins und Tilgung aus vorherigen Investitionen nicht berücksichtigt worden sein sollen.

„Das für Mosbach vorgeschlagene Konzept eines sogenannten Sektorenübergreifenden Versorgers SüV ist kein Ersatz für ein Allgemeinkrankenhaus, insbesondere weil eine wohnortnahe 24/7-Notfallversorgung nicht mehr garantiert werden kann“, erklären die beiden Bündnisse. „Hinzu kommen im Falle einer Schließung des Krankenhauses die Abwanderung von lokaler Wertschöpfung, von Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Medizin, Pflege, Service usw. sowie der Verlust von Kooperationen mit anderen örtlichen Gesundheitsdienstleistern. Für Rettungskräfte, Patienten, Angehörige und im Beruf bleibende Beschäftigte verlängern sich Fahrtzeiten und -wege.“

Trotz unserer Kritik rufen wir die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an der Kundgebung „Rettet unser Krankenhaus in Mosbach“ und zu weiterem Engagement auf.

Hier die gemeinsame Pressemitteilung des bundesweiten „Bündnis Klinikrettung“ und des „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ vom 28.1.2026: https://mosbach-gegen-rechts.de/pm-zur-krankenhaus-kundgebung-mosbach/

Screenshot: „Krankenhausschließungen gefährden Ihre Gesundheit!“ – Aktion des bundesweiten „Bündnis Klinikrettung“ mit Beteiligung eines Vertreters des „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ anlässlich der Konferenz der Gesundheitsminister im Juli 2023 in Friedrichshafen.

Das lokale Bündnis hatte sich im Sommer 2021 während der Corona-Pandemie gegründet. Damals bestimmten unter anderem die Kapazitäten der Krankenhäuser über Monate hinweg unser gesamtes gesellschaftliches Leben, während einige Monate vor der Pandemie Bundesgesundheitsminster Lauterbach noch empfohlen hatte, jedes dritte oder besser noch jedes zweite Krankenhaus zu schließen. Während der Corona-Pandemie wurde die Bedeutung der Krankenhäuser gelobt und dem ärztlichen und pflegerischen Personal applaudiert. Aber gleichzeitig versuchten Gesundheitsökonomen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sehr bald, kleinere Krankenhäuser von der Behandlung von Corona-Patienten – inbesondere von Intensivpatienten – auszuschließen.

Nach der Pandemie ist die Lobpreisung der Krankenhäuser wieder vergessen. Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz KHVVG von 2024 und aktuell das Krankenhausreformanpassungsgesetz KHAG schreiben die Ökonomisierung, Privatisierung und Bürokratisierung des Gesundheitswesens sowie die Politik der Schließung von Krankenhäusern insbesondere der Grund- und Regelversorgung fort.

Das „Bündnis für Krankenhaus und gute Arbeit Neckartal-Odenwald“ organisierte im Sommer 2021 je eine Kundgebung in Eberbach und Mosbach. Das Bündnis wandte sich in Appellen, Aktionen, Leserbriefen, Pressemitteilungen und Vorträgen an die Öffentlichkeit und warnte vor den Folgen der Krankenhausreform für die örtliche Versorgung.