Bad Soden – Sinsheim – Emden: Karriere eines AfD-Parteifunktionärs
27. September 2026
Ziemlich kommentarlos und unvermittelt hat sich der AfD-Lokalpolitiker Patrick Andreas Bauer von Sinsheim nach Ostfriesland verdrückt. Nach einem Wohnungswechsels gab er nun seine Ämter als Kreisrat im Rhein-Neckar-Kreis und Stadtrat im Gemeinderat Sinsheim auf. Während er ansonsten auf seinen Seiten in sozialen Medien viel über seine politischen Aktivitäten erzählt, hat er sich nicht einmal von seinen früheren Wählern und Followern im Rhein-Neckar-Kreis verabschiedet. Eine Frau schrieb am 26. September als Kommentar unter einem Post: „Ich habs heute erst gecheckt, dass Du weggezogen bist und es schockt mich.“
Dafür scheint er seine weitere Karriere innerhalb der AfD gesichert zu haben. Plötzlich taucht Patrick Andreas Bauer gegen Ende Juli beim „Wahlkampfeinsatz in Niedersachsen!“ auf: „Im Landkreis Lüneburg bin ich jetzt eine Woche eingesetzt zur dortigen Kommunalwahl!“ Aus der einen Wahlkampfwoche wurde dann über einen Monat, irgendwann wurde Patrick Bauer auf der Homepage der AfD-Landesgeschäftsstelle Niedersachsen als Pressesprecher aufgeführt, und schließlich änderte er auf seiner Facebook-Seite seinen Wohnort in Emden um.
Wer ist denn eigentlich dieser 1995 in Heidelberg geborene Patrick Andreas Bauer?
Aufkunft geben uns neben seiner Homepage die rund acht Accounts in Sozialen Medien, die er bedient, verschiedene Tageszeitungen und ihre Online-Auftritte, andere Quellen in sozialen Medien und im Netz sowie die Gerüchteküche.
Christ mit homophoben und antifeministischen Ansichten
In einem Essay auf dem Jahr 2020 gibt er Auskunft über seine reaktionäre christliche Haltung. Er fürchtet sich vor der menschlichen Freiheit, die er mit „Beliebigkeit und Hedonismus“ assoziiert und sehnt sich nach einer göttlichen Ordnung, die den Menschen ihre Plätze zuweist. Er erklärt:
„Ich bin im Jahr 1995 geboren und habe mich 2014 in einer Mennonitengemeinde taufen lassen. Nach katholischer Erziehung und zeitgeistiger späterer Ablehnung jeglicher Religiosität erschienen mir gerade die evangelischen Freikirchen als wahrhaftiges Christentum. Die Kirchen sind voll, die Menschen herzlich, die Botschaft oft politisch inkorrekt – im Gegensatz zu den zentralistischen, orientierungslos wirkenden ‚Staatskirchen‘. Dort wird nicht mehr das Wort Gottes verkündet, es wird indoktriniert. Wir, die Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen, sollen unsere bisher gültigen Überzeugungen zur Homosexualität, zur Sexualmoral, zur Frauenpredigt ändern. Die neuen Maßstäbe für die Auslegung der Bibel heißen Beliebigkeit und Hedonismus. Offenbar funktionieren Gemeinschaften dort noch, wo strenge Regeln Geborgenheit und Sicherheit geben können.“
Organisation von queerfeindlichen „Demos für alle“ in Wiesbaden – AfD-Stadtrat in Bad Soden und Kreisrat im Main-Taunus-Kreis
Schon 2016 saß der 21-Jährige für die AfD im Kreistag Main-Taunus und im Stadtrat von Bad Soden. Als Aktivist der Jungen Alternative JA rief er damals zur Teilnahme an einer „Demo für alle“ Ende Oktober 2016 in Wiesbaden auf, die dem Hessischen Bildungslehrplan die Förderung von „Frühsexualisierung“ und „Gender-Gaga“ unterstellte: „Der Missbrauch von Kinderseelen kommt nun auch in die hessischen Schulen“. Bauer habe damals ein Bild zu der Veranstaltung gepostet, „das Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt mit Kindesmissbrauch in Verbindung“ setze. (Siehe hier und hier). Auch Ende Juni 2017 sei Patrick Andreas Bauer wieder auf einer „Demo für Alle“ in Wiesbaden mitgelaufen.
Im Umfeld der Identitären Bewegung IB und im Vorstand der Jungen Alternative Hessen
Außer in der JA Hessen hatte sich Patrick Andreas Bauer im Umfeld der Identitären Bewegung bewegt. Zwischen den beiden Organisationen hatten etliche Berührungspunkte oder Überschneidungen bestanden, siehe hier und hier und hier.
Am 3. Oktober 2016 posierten Patrick Andreas Bauer und andere Vorstandsmitglieder der JA Hessen am „Ehrenmal für die Gefallenen Seckbachs“ auf dem Frankfurter Lohrberg mit Deutschlandfahne für „die Gefallenen [Soldaten] beider Weltkriege“ und legten einen Kranz ab. Die Wahl dieses Gedenkens lässt ein militaristisch-nationalistisches Selbstverständnis dieser hessischen JA-Aktivisten vermuten. Bei einer Wahl der hessischen JA im Oktober 2017 wurde Patrick Andreas Bauer im Vorstand bestätigt.
In mehreren Beiträgen im Januar 2019 wies die Frankfurter Rundschau FR auf Kontakte und Überschneidungen von Funktionären der AfD Hessen mit Rechtsextremen hin. Der Beitrag „Die Partei der Missverständnisse“ vom 3. Januar zeigte auf, wie die AfD Hessen auf die Vorhaltung solcher Recherche-Ergebnisse mit Selbstverharmlosungen, Abwiegelungen und Banalisierungen reagierte:
„Am Ende war alles nur ein Missverständnis. Das Lob für die rechtsradikale Identitäre Bewegung, deren Aktionen, die guten Wünsche für ihren weiteren Weg. Alles nicht so gemeint, erklärt der Fuldaer AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann, wenige Tage nachdem er beim Bürgerdialog seiner Partei in Fulda tosenden Applaus für seine Aussagen erhielt. Sein Lob habe lediglich den Aktionsformen der Rechtsradikalen gegolten. … Die AfD Hessen ist selten um eine Erklärung verlegen. Eine Beisitzerin des Ortsverbands Frankfurt teilt offen antisemitische Videos bei Facebook – ein technisches Versehen. Ein AfD-Kreistagsabgeordneter in Hersfeld-Rotenburg steht der Reichsbürgerbewegung so nahe, dass er sogar als Innenminister einer ‚kommissarischen Reichsregierung‘ firmiert – ein Fehler, zu dem er von einem Geschäftspartner gedrängt worden sei. Ein Kreisvorstandsmitglied der AfD in Gießen nimmt an einer Demonstration der Identitären teil – ein spontaner Entschluss ohne Kenntnis der Hintergründe. Die Liste derartiger Vorfälle ließe sich fortsetzen. … Zu viele Berührungspunkte, um noch von ‚Missverständnissen‘ zu sprechen.“ So die FR.
Ein weiterer Beitrag in der FR vom 10. Januar war Patrick Bauer als „AfD-Mann mit rechtsextremen Kontakten“ gewidmet: Hintergrund für die Berichterstattung in der FR war, dass die JA Hessen am 5. Januar 2019 in der Gießener Stadthalle ihre Mitgliederversammlung abhalten wollte. Die FR schreibt: „Doch nachdem Gerüchte die Runde gemacht hatten, dass das Treffen für einen Schulterschluss der Parteijugend mit Rechtsextremisten genutzt werden solle, hatten linke Gruppen zu Gegenprotesten aufgerufen. Die Junge Alternative musste an einen unbekannten Ort ausweichen. … Dem neuen Vorstand gehört mit Patrick Andreas Bauer aus Bad Soden auch ein Mitglied an, das nach Recherchen der Frankfurter Rundschau noch in jüngerer Vergangenheit in Kontakt zur rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) Hessen stand. Die sich selbst als Jugendbewegung bezeichnende Gruppierung wird seit Ende vergangenen Jahres vom hessischen Verfassungsschutz beobachtet“, weil die JA Hessen verfassungsfeindliche Ziele verfolge.
Laut FR habe „Patrick Andreas Bauer … mindestens an einem sogenannten Stammtisch der Identitären in Frankfurt im Juli 2015 teilgenommen. Bei dem Treffen … sollten die organisatorischen Grundlagen für eine Ortsgruppe Rhein-Main der IB diskutiert werden. Verabredet hatten sich die Aktivisten über eine Whats-App-Gruppe, in der Bauer ebenfalls aktiv war. … Unter anderem veröffentlichte er dort Fotos von Ortsschildern aus dem Main-Taunus-Kreis, die mit Stickern der Identitären Bewegung versehen wurden. ‚Irgendwelche Nazis haben im Taunus-Kreis die Schilder entweiht‘, schrieb Bauer an die anderen Gruppenmitglieder – versehen mit einem ironisch grinsenden Smiley. Ob Bauer selbst die Aufkleber anbrachte, ist unklar. … Bereits im April 2015 trat er als Redner auf einer Veranstaltung der ‚Bürger für Deutschland‘ auf, dem von Heidi Mund gegründeten Pegida-Ableger in Frankfurt.“
Distanzierung von der Identitären Bewegung: Das Parteiprogramm als „Markenkern“ – Marktwirtschaft und Konservatismus
Patrick Andreas Bauer habe sich nachträglich vom für die IB zentralen Konzept des „Ethnopluralismus“ distanziert. Zwar lehne er eine „multikulturelle Gesellschaft“ ab, was jedoch nicht bedeute, dass nicht Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben könnten. „Ich sehe keinen Grund für eine ethnische Trennung in unserer Gesellschaft“, habe Bauer erklärt. „Prägende Elemente einer Gesellschaft“ seien stattdessen Kultur und zum Teil Religion – nicht Ethnie. Das ist verständlich, denn auch seine Frau stammt aus Georgien und damit aus einem Land, das geschichtlich dem christlichen Kulturkreis angehört. Trotzdem liegt die Unterstellung nahe, dass sich Patrick Andreas Bauer vor allem aus opportunistischen Motiven von den Identitären absetzte, um seine weitere Parteikarriere bei der AfD nicht zu gefährden.
In dem Essay „Zeitgeist und Markenkern. In Opposition und Kirche“ vom 25. Mai 2020 in dem Magazin „Krautzone“ verteidigt Bauer den „Markenkern“ der AfD gegen den „Zeitgeist“ und verlangt Klarheit: „Der Wähler muss wissen, was er bekommt: Sozialismus oder Marktwirtschaft; Konservatismus oder Rechtsextremismus. Auch muss die Partei wieder glaubwürdiger werden; dazu gehört auch, dass man endlich diejenigen kaltstellt, die nicht zum Markenkern stehen können.“ Den Aufsatz verfasste Bauer auch vor dem Hintergrund einer AfD-internen Kontroverse über den Parteiausschluss des brandenburgischen Landes- und Fraktionsvorsitzenden und (früheren) Neonazis Andreas Kalbitz. Das Parteiprogramm sei der Markenkern der AfD, und die „zahlreichen Alleinstellungsmerkmale“ will Bauer darin nicht verwässern lassen.
Egal ob in Bad Soden, in Sinsheim (siehe Screenshot-Foto vom Hochgebirge bei Sinsheim) oder in Emden: Patrick Andreas Bauer kennt überall die Herausforderungen seiner Region, die Sorgen der Familien und die Hoffnungen der Unternehmen. Und er weiß, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, er weiß, wann man sich am besten verdrückt, und er weiß, wie man seine Karriere woanders fortsetzen kann.
Von Bad Soden nach Sinsheim und Karriere als Parteikader
2021 schied Patrick Andreas Bauer als Stadtverordneter in Bad Soden aus und wechselte in den Rhein-Neckar-Kreis, wo er schon bald stellvertretender Sprecher des AfD-Kreisverbandes und im Oktober 2021 zum neuen Sprecher gewählt wurde. Mit dem nahtlosen Übergang konnte seine Parteikarriere weiter gehen. Ob Patrick Andreas Bauer jemals längere Zeit in seinem Beruf als „examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger“ gearbeitet hatte, ist hier nicht bekannt. Wahrscheinlich hatte er sich recht bald auf eine Karriere als Parteifunktionär oder Politiker festgelegt:
Zuerst soll Patrick Andreas Bauer für den AfD-Abgeordneten Gunnar Beck aus Nordrhein-Westfalen gearbeitet haben – Beck war von 2019 bis 2024 Abgeordneter des Europaparlaments. Später wurde Bauer Mitarbeiter im Landtagsbüro in Stuttgart von Ruben Rupp, der von 2021 bis 2026 MdL in Baden-Württemberg war und seit 2025 MdB ist. Das heißt Rupp führte ein Jahr lang ein Doppelmandat aus. Als Parteikader leitete Patrick Andreas Bauer beispielsweise für Mitglieder der AfD-Kreisverbände Ostalb und Heidenheim am 7. April 2023 in Ellwangen eine „großartige und lehrreiche“ „Rhetorik- und Infostandschulung“. Seit 2026 ist Bauer Pressesprecher der AfD Niedersachsen.
Im Dezember 2023 wurde Patrick Andreas Bauer nach der Gründung des AfD-Ortsverbandes Sinsheim zum Sprecher gewählt. Bei den baden-württembergischen Kommunalwahlen am 9. Juni 2024 wurde er in den Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises und in den Gemeinderat in Sinsheim gewählt. 2019 war die AfD noch nicht zur Gemeinderatswahl in Sinsheim angetreten, während die NPD einen Sitz geholt hatte. 2024 holte die AfD hingegen schon sechs Sitze bei fast 14 Prozent. Als AfD-Kreistagsmitglied (Link abgerufen am 11. September 2026) war Patrick Andreas Bauer seit dem 11. Juli 2024 in den Ausschüssen für Soziales, für Jugendhilfe und zur Vorbereitung der Wahl des Landrats.
Bauer wirft Schulen Indoktrination vor
In der folgenden Zeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen um die Aktivitäten und das Auftreten von Patrick Andreas Bauers. „Regelmäßig“ war die AfD Sinsheim „auf dem Schulweg der Friedrich-Hecker-Schule und des Wilhelmi-Gymnasiums“ mit einem Stand präsent. In einem Facebook-Post vom 14. September 2024 schrieb Bauer dazu unter der Überschrift „Über 40 Jugendliche am Stand der AfD Sinsheim! Die Jugend wählt blau!“ triumphierend: Die AfD greife damit „die Sorgen der jungen Menschen auf“. Der Jugend werde „die Zukunft geraubt“. Bauer meinte damit nicht die Zerstörung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten durch Klima- und Umweltzerstörung, die Rüstungsspirale und die Atomkriegsgefahr oder die Gefahren durch KI und Digitalisierung, sondern plump, „dass statt in die Zukunft unseres Landes und Volkes zu investieren, das deutsche Steuergeld in der ganzen Welt verschenkt“ werde. Jugendliche würden „über versuchte Indoktrination in den Schulen“ berichten, „sie fühlen sich nicht ernst genommen“ und würden sich dann bei den AfD-Leuten am Stand informieren. Solche Schüler würden dann „den Lehrern in Bezug auf die AfD explizit widersprechen“. Bauer: „Auf solche jungen Menschen können wir stolz sein!“
Neun Rektorinnen und Rektoren von Sinsheimer Schulen gaben daraufhin im Rahmen der „Aktuellen Viertelstunde für Einwohnerinnen und Einwohner“ in einer Gemeinderatssitzung Anfang November eine gemeinsame Stellungnahme ab. Sie kritisierten Bauers Facebook-Veröffentlichung als „klare Instrumentalisierung von Schülerinnen und Schülern für parteipolitische Interessen der AfD und eine bewusste Irreführung“. Bauer wurde aufgefordert, dies künftig zu unterlassen. „Den Vorwurf der Indoktrination weisen wir Schulleitungen vehement zurück“. An den Schulen werde keine Parteipolitik gemacht. Die Sinsheimer Schulen würden sich am Lehrplan orientieren. Es gehe um den konstruktiven Umgang mit Vielfalt. Die Schulleitungen würden junge Menschen grundsätzlich als offen und hoffnungsfroh erleben. Angst werde ihnen überwiegend in den Sozialen Medien gemacht, beispielsweise durch irreführende und nicht der Wahrheit entsprechende Veröffentlichungen.
AfD-Fraktionsvorsitzender Patrick Bauer musste währenddessen mehrmals vom Oberbürgermeister mit dem Verweis „Sie sind jetzt nicht dran“ gebremst werden. Bauer kassierte zwei Ordnungsrufe sowie eine Ermahnung und stand kurz davor, des Saals verwiesen zu werden. Patrick Andreas Bauer rechtfertigte sich später, seine Partei wirke bei der politischen Willensbildung junger Menschen mit, die Schüler seien bewusst an den Stand seiner Partei gekommen.
Schließlich fragte Bauer noch, was „die queere Mittagspause am Wilhelmi-Gymnasium“ verloren habe. Die Schulleiterin erläuterte dazu gegenüber der RNZ, die queere Mittagspause sei ein offenes Angebot: Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 12 könnten sich dazu während der Mittagspause in einem Raum treffen, wo vieles zum Thema geschlechtliche Identität gesprochen werden könne. Bei der queeren Mittagspause seien der Beratungslehrer und die Schulsozialarbeiterinnen anwesend. Sie würden nicht moderieren, stünden aber für Fragen zur Verfügung. Für das Wilhelmi-Gymnasium gelte die Leitperspektive Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt. Da das Thema „bisweilen mit Scham und Ressentiments behaftet sei“, könne die queere Mittagspause auch ein Ort zur Selbstfindung sein und Akzeptanz fördern. Die Schulleiterin stellte klar: „Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Wir zwingen niemanden in die queere Mittagspause.“ Es sei ein freiwilliges Angebot, betont sie. Niemand werde indoktriniert.
Auftritt bei der Querdenker-Mischszene
Mitte November 2024 ergriff Patrick Andreas Bauer mit einer anscheinend vorbereiteten Rede das offene Mikrofon einer Kundgebung im Rahmen einer „Friedensdemonstration“ von etwa 15 Leuten, die der kleinen Mischszene aus „Querdenkern“, „Reichsbürgern“, „Verschwörungstheoretikern“, „Bauern“ und anderen des nordbadischen Raums angehörten. Bauer bekannte sich dazu, Kommunalpolitiker zu sein, ohne seine Partei, die AfD, zu erwähnen.
In Bauers Rede tauchten Migranten ausschließlich negativ konnotiert auf: der innere Friede sei gefährdet. Wir seien „zu feige, die übelsten Messerstecher und isalmistischen Gefährder aus unserem Land zu entfernen“. Migration überlaste unsere Städte, Gemeinden und Sozialsysteme. Dann empfahl sich Bauer sich als Wirtschafts- und Finanzminister: Er beklagte die alarmierende wirtschaftliche Lage Deutschlands im internationalen Standortwettbewerb und möchte unternehmerfreundlich die Steuern senken. Hinsichtlich einer „gerechten Sozialpolitik“ blieb Bauer hingegen vage – das „gerecht“ bezog er vor allem auf die Steuerzahler statt auf die soziale Schieflage. Dass eine mögliche Umsetzung der Programme der AfD vor allem die unteren Einkommensschichten treffen und die soziale Ungleichheit verschärfen würde, wie Wirtschaftsinstitute wiederholt durchgerechnet haben, scheint Bauer wenig zu interessieren. Schließlich beklagte der Friedenspolitiker Bauer, dass Deutschland den ukrainischen Staat, „der unsere Energiestruktur bombardiert“, finanziere, verzichtete aber auf jegliche Kritik an dem brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Eher verständnisvoll erklärte er, dass Russland wie auch die Ukraine und Deutschand seine Interessen habe.
1.000 Deutschlandflaggen für Sinsheim
Im April 2025 beantragte die AfD im Gemeinderat dauerhaftes Beflaggen aller öffentlichen Gebäude der Stadt und das Aufstellen von Flaggenmasten, wo es noch keine gibt. Patrick Andreas Bauer wollte mit der Beflaggung „Identität und Zugehörigkeit“ stärken. Grundsätzlich konnten sich eine Mehrheit der Räte damit anfreunden, doch der Antrag wurde zunächst an einen Ausschuss überwiesen. Es gab aber auch andere Stimmen. Ein Grünen-Rat erklärte mit Verweis auf die deutsche Geschichte, dass viele Bürger sich eher mit der Stadt identifizierten „ohne verrannten Nationalismus“. Ein Stadtrat von den Freien Wählern lehnte „Fahnenkult“ ab, sprach sich aber für Deutschland- und Europaflaggen aus. Pragmatisch warnte schließlich der Hauptamtsleiter vor den Ausgaben für das Aufstellen von Fahnenmasten und von 200 Euro pro Flagge inklusive Verschleiß und Jahr. Bauer hingegen bezweifelte die Höhe der vorgerechneten Kosten.
Die Stadt Sinsheim hisste schließlich an zwei Standorten Deutschlandfahnen. Patrick Bauer maßte sich schließlich an, den Bürgerwillen zu vertreten: „Zwei Fahnen sind für eine große Kreisstadt wie Sinsheim ein Witz und bleiben hinter den Erwartungen der Bürger weit zurück.“ Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft unternahm die AfD Sinsheim einen weiteren Vorstoß von „1.000 Deutschlandfahnen für Sinsheim“, um „die Präsenz von Schwarz-Rot-Gold im Alltag zu erhöhen und ein Zeichen für Heimatliebe zu setzen.“ Großspurig verkündete Patrick Bauer auf seiner Facebook-Seite: „Wir wollen 1000 Deutschlandfahnen zunächst an Sinsheimer Bürger ausgeben, um in Sinsheim schwarz-rot-gold wehen zu lassen! … Falls die Nachfrage in Sinsheim gesättigt ist, werden wir auch das Umfeld versorgen.“ Zur Finanzierung der Aktion war ein Spendenkonto angegeben. Zudem hängte Bauer unter seinen Post den homophoben bzw. queerfeindlichen Hashtag #stolzmonat an, was sicherlich eher polarisierend wirkt, als dass es allgemeine „Zugehörigkeit“ stiftet.
Anscheinend wurde in Sinsheim nicht genügend für eintausend Deutschlandfahnen gespendet. Da gefiel es dem Bauer nicht mehr in Sinsheim und war es mit der „Heimatliebe“ vorbei. Und zugunsten seiner Karriere verlegte er wenige Wochen später seinen Wohnsitz nach Ostfriesland. Es bleibt noch die Frage nach der Verwendung der für die 1.000 Deutschland-Fahnen gesammelten Spendengelder.
33,6 Prozent: Achtungserfolg bei der Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Helmstadt-Bargen
Bei der Bürgermeisterwahl am 1. Juni 2025 in Helmstadt-Bargen konnte Patrick Andreas Bauer mit 33,6 Prozent bei einer relativ hohen Wahlbeteiligung einen Erfolg verbuchen, auch wenn der Amtsinhaber mit dem Ergebnis seinen Posten verteidigte. In Flinsbach holte Bauer sogar 53 Prozent der Stimmen.
Zur Wahl angetreten war Patrick Bauer zwar nicht direkt als AfD-Kandidat. Er blendete aber seine Zugehörigkeit zur AfD nicht aus. Die RNZ hat seine Pressemitteilung und ersten Auskünfte zu seiner Kandidatur weitgehend kommentarlos übernommen, gab sogar noch als Kontakt Bauers E-Mail-Adresse und Telefonnummer an und lediglich durch den Kommentar ergänzt: „Der 30-jährige Bauer ist Mitglied der rechtspopulistischen und vom Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextrem eingestuften AfD.“ Patrick Andreas Bauer präsentierte sich als freundliches Gesicht. In den drei Ortsteilen Bargen, Flinsbach und Helmstadt konnten sich die beiden Bürgermeisterkandidaten auf Podien den Bürgerinnen und Bürgern zu präsentieren.
Bauers geäußerte Kritik an einer Unterkunft für Flüchtlinge in Flinsbach gab sich gemäßigt und populistisch-bürgerfreundlich: Er kritisierte, dass in der alten Flinsbacher Verwaltungsstelle geflüchtete Menschen untergebracht werden sollten. Denn das Gebäude sei „mitten im Ortskern, direkt neben Bushaltestellen, an denen unsere Kinder zur Schule fahren“, was er für „nicht optimal“ halte – ohne genauer ins Detail zu gehen. Es sei seiner Meinung nach „zu wenig auf die Sorgen der Bürger gehört“ worden. Bauer möchte alle Stockwerke der Flinsbacher Verwaltungsstelle lieber durch Vereine nutzen lassen. Die Unterbringung Geflüchteter führe dazu, dass Einheimische die Verwaltungsstelle meiden und so ein ehrenamtliches Engagement verhindert würden. Bauer sprach sich nicht offen pauschal gegen Migranten aus, sondern auf einem Wahlplakat gegen „Migration auf Kosten der Dorfgemeinschaft“. Bauer behauptete: „Ich gebe mein Parteibuch am Rathaustor ab“ und sagte, dass er „integrierte“ Personen unterstützen wolle. „Sie haben also generell nichts gegen Migration?“ fragte eine Bürgerin nach, woraufhin sich Moderator Rolf Geinert einschaltete: „Ich glaube, Herr Bauer hat das ganz gut klargemacht.“ – Nebenbei: So ähnlich könnten auch die üblichen Diskussionen von manchen Leuten und Kommunalpolitikern aus der rechten Mitte und unabhängig von der AfD verlaufen.
Bauer sei laut eigenen Angaben examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Mitglied der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung und engagiere sich im Verein „konservative Kommunalpolitiker“. Er kenne „die Sorgen der Menschen“ im Alltag und habe durch seine Tätigkeiten im Gemeinderat und Kreistag sein Wissen über Kommunalpolitik vertieft. Beispielhaft nannte er das Mitberaten kommunalpolitischer Haushalte und Bebauungspläne. Bauer war außerdem Büroleiter des AfD-Landtagsabgeordneten Ruben Rupp gewesen und nun sein parlamentarischer Assistent, weshalb Verwaltungsaufgaben für ihn „nicht Theorie, sondern tägliche Praxis“ wären. Deshalb traue er sich zu, alle Aufgaben im Rathaus anzupacken. Unterstützung erhalte er von einem alten Bekannten: Epfenbachs ehemaliger Bürgermeister Bösenecker – mittlerweile für die AfD im Kreistag – wolle ihm „mit Rat und Tat zur Seite“ stehen. Dies alles qualifiziere ihn für das Amt des Bürgermeisters. Bauer gab an, mit einer „in Georgien politikwissenschaftlich ausgebildeten“ Frau verheiratet zu sein und sprach davon, dass „ein verlässliches und stabiles familiäres Umfeld“ für ihn „ein unschätzbarer Rückhalt“ sei. Er bezeichnete sich als „überzeugter Christ“, der in einer Freien evangelischen Kirchengemeinde in Sinsheim als Jugendleiter tätig gewesen sei. Er wolle die Ortskerne „stärker aktivieren“ und „die Grundversorgung vor Ort“ sichern.
In den Mitgliederrat der TSG Hoffenheim gewählt und bald danach wieder rausgeworfen
Einen Tag nach der Bürgermeisterwahl wurde Patrick Bauer in den Mitgliederrat der TSG Hoffenheim gewählt. Er hatte dafür ohne offenes AfD-Ticket kandidiert: „Seine Vision: eine offene, politisch neutrale TSG mit wachsender Mitgliederschaft und klarer regionaler Verankerung.“ Die RNZ fragte nach der Wahl: „Darf gewählter AfD-Mann in einem Gremium der TSG mitwirken?“ und das langjährige TSG-Mitglied Thomas Schmitz erklärte am Mikrofon. „Es ist jemand in den Mitgliederrat gewählt worden, der nicht auf dem Boden unserer neuen Satzung steht“. In Paragraf 1, Absatz 6, heißt es, „der Verein ist im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung parteipolitisch und weltanschaulich neutral. Er tritt verfassungs- und fremdenfeindlichen sowie antidemokratischen Bestrebungen und jeder Form von Diskriminierung entschieden entgegen“, trug Schmitz vor. Mit Bauer sei „definitiv jemand gewählt worden, der diesen Satz nicht unterschreiben kann“. In einem Leserbrief in der RNZ stellte Schmitz aber auch klar, die Wahl sei seiner Meinung nach „eher ein Betriebsunfall, als Ausdruck eines Rechtsrucks der TSG“.
Anderthalb Monate später entschied die TSG Hoffenheim, die Mitgliedschaft des Patrick Andreas Bauer bis auf Weiteres ruhend zu stellen. Der Entscheidung war eine Anhörung des Mitglieds durch den Vorstand vorausgegangen und lag ein laufendes vereinsinternes Ausschlussverfahren zugrunde. Als Hintergrund gab der Vorstand eine „schwerwiegende Unvereinbarkeit zwischen öffentlichen Aussagen und politischen Aktivitäten des Mitglieds mit den Werten und Grundprinzipien des Vereins. Diese umfassen insbesondere den Einsatz für Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und gesellschaftliche Vielfalt.“ Mit der Maßnahme sollte verhindert werden, dass der Vereinsfrieden gefährdet oder das Ansehen des Vereins beschädigt werde. Gegenüber der RNZ erklärte Bauer, „diesen Schritt für nicht gerechtfertigt und rechtlich zweifelhaft zu halten und ihn auf dem dafür vorgesehenen Weg juristisch prüfen zu lassen.“ Seine Verbundenheit zur TSG Hoffenheim bleibe hiervon unberührt. Auf seiner Facebook-Seite bat Bauer um Spenden, denn er wolle dagegen auch anwaltlich ankämpfen, damit das nicht Schule mache und kein Präzedenzfall werde.
Ein Jahr später im Mai 2026 meldete die RNZ: „AfD-Mann Patrick Bauer bleibt Hofffe-Mitglied“. Bauer war am 15. Juli und 7. Oktober 2025 angehört worden; es sollte „die verfassungsrechtliche Gesinnung des Mitglieds ermittelt werden“. Bauer habe sich von vorgehaltenen rechtsextremen Aussagen seiner Parteikollegen „nachhaltig distanziert“. Die Ruhendstellung der Mitgliedschaft wurde aufgehoben, während das Amt im Mitgliederrat bis einschließlich 3. März 2027 ruhend bleibe. Der Vorwurf der AfD-Zugehörigkeit alleine stelle laut TSG „angesichts der jüngeren bundesweiten Wahlergebnisse und der fehlenden Verfassungswidrigkeit der AfD keinen Grund für einen Ausschluss aus dem Verein dar“. Anders sei Bauers Tätigkeit im Mitgliederrat gewertet worden. Sie sei „wegen der Verquickung seiner politischen Aktivitäten mit der TSG Hoffenheim“ erfolgt.
Wegen blauer Partei-Kleidung vom Stadtfest Neckarbischofsheim geschmissen
Mitte Juli 2025 wurde Patrick Andreas Bauer wegen seiner als provokativ empfundenen Partei-Kleidung – eine blaue Jacke mit einem großen AfD-Logo und einer AfD-Schildmütze – vom Stadtfest in Neckarbischofsheim verwiesen. Wie es dazu kam, sei umstritten. Die RNZ fragte: „War es einfach nur freie Meinungsäußerung, oder war es eine bewusste Provokation? Wurde AfD-Politiker Patrick Bauer zu Unrecht aus dem Schlosspark geschmissen? Die Meinungen zum Stadtfest-Besuch des Sinsheimer Stadtrats, Kreisrats und neuerdings auch Landtagskandidaten gehen auseinander – je nachdem, bei wem man nachfragt. Fest steht, dass die Polizei kam und dass sich Bauer nun ein ‚gerichtliches Vorgehen‘ offenhalten will.“ Wegen der Aufmachung in blauer AfD-Kleidung sollen sich Besucher des Festes beim Sicherheitsdienst beschwert haben, während Bauer meinte, „niemand werbend angesprochen“ zu haben. Der Verantwortliche sei dann mit den beiden Sicherheitsdienst-Mitarbeitern zu Bauer gegangen und habe Bauer gebeten, Jacke und Kappe auszuziehen, da das Stadtfest eine unpolitische Veranstaltung sei. Bauer habe sich aber geweigert und begonnen mit seinem Handy zu filmen und sei daraufhin verwiesen worden. Bauer habe dann seinen Anwalt angerufen, die Polizei verständigt und gegen die drei Anzeige erstattet.
Gegen Mitte September wurde er von einem „stadtbekannten Kurden“ in Sinsheim bedroht und beleidigt, wie auch das rechtspopulistische Magazin Nius meldete: Der Mann habe gedroht: „Ich ficke dein Land“ und angekündigt: „Ich hetze Asylanten auf dich.“ Der Mann habe Bauer wiederholt aufgelauert. Er beklagte ein Klima der Einschüchterung und Gewaltanwendung. Ihm sei auch schon gedroht worden: „Das ist dein letzter Tag in Sinsheim.“ Der Kurde wurde nach dem Vorfall in die Psychiatrie eingeliefert.
Auch auf der Kerwe in der zweiten Septemberhälfte in Waldwimmersbach trat Patrick Andreas Bauer wieder in „blauer Jacke mit Parteisymbol“ auf und wurde wieder Objekt von Attacken. Er sei von mehreren unbekannten alkoholisierten Männern angesprochen, bedrängt und beleidigt worden. Sie hätten ihn derb aufgefordert, seine Jacke auszuziehen oder zu gehen. Daraufhin habe Bauer das Fest verlassen und die Polizei verständigt. Die AfD-Jacke habe der „Kerwe-Fan“ schon auf „über 60 Dorffesten“ getragen, am Sonntag auch auf den Kerwen in Heiligkreuzsteinach, Schönau und Kleingemünd. „Ich will als Lokalpolitiker erkennbar und ansprechbar sein“, sagte er zu der Jacke, die er nauch im Alltag trage.
In der zweiten Novemberhälfte sei Patrick Andreas Bauer an einem AfD-Infostand in Mauer angegriffen worden. Mit einem 65-jährigen Passanten sei es bei „unterschiedlichen Ansichten … nach einem anfänglichen Gespräch zu wechselseitigen Provokationen und schließlich zu gegenseitigen Beleidigungen“ gekommen. Der verbale Streit habe darin gemündet, „dass sich beide Männer schubsten“ und „jeweils den Gegenpart wegen einer Körperverletzung und wegen Beleidigung“ angezeigt hätten.
Anfang Januar 2026 wurde ein von Patrick Andreas Bauer geplanter „Bürgerdialog“ der AfD vom Gastwirt einer Pizzeria in Bammental abgesagt. Kunden der Pizzeria hätten sich beschwert, Tischreservierungen seien reihenweise zurückgezogen worden und Stammgäste hätten angekündigt, nicht mehr zu kommen. Bauer brachte daraufhin die Bammentaler Parteien – insbesondere die CDU – mit den „massenhaften Boykottanrufen“ in Verbindung. Gegenüber der RNZ stellten jedoch zwei CDU-Lokalpolitiker klar, es habe „keinen politischen Druck“ gegeben. Die Rathausverwaltung hätte von der Veranstaltung „keine Kenntnis“ gehabt. Die Veranstaltung der AfD war daraufhin von Bammental nach Epfenbach verlegt worden, auf der Bauer mit dem AfD-Lokalpolitiker Chris Hegel aus Aalen über „Innere Sicherheit“ sprechen wollte.
AfD-Direktkandidat des Wahlkreises Sinsheim für Landtagswahl im März 2026
Am 5. Juni 2025, kurz nach der Bürgermeisterwahl in Helmstadt-Bargen, meldete Patrick Bauer auf seiner Facebook-Seite, als Direktkandidat für die AfD zu den Landtagswahlen im März 2026 in Wahlkreis 41 (Sinsheim) anzutreten. Bei der Aufstellung bekam er 18 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Optimistisch kündigte er an: „Gemeinsam können wir die Katzensteins und die Schüttes schlagen, die seit Jahrzehnten für keinerlei Veränderung, sondern immer mehr für ein ‚weiter so‘ stehen!“ Hermino Katzenstein von den Grünen und Albrecht Schütte von der CDU hatten zu dieser Zeit noch den Wahlkreis Sinsheim im Landtag vertreten.
Allerdings hatte sich Patrick Andreas Bauer – angeblich auch wegen Überschneidung mit seiner Bürgermeisterkandidatur in Helmstadt-Bargen – nicht um einen Listenplatz bemüht. Landesweit holte die AfD 18,8 Prozent der Zweitstimmen. Damit lag die AfD im Wahlkreis 41 Sinsheim mit 20,4 Prozent zwar darüber und auch Bauer sammelte 20,2 Prozent der Erststimmen ein. Für einen eher ländlich geprägten Wahlkreis war dieses jedoch kein herausragendes Ergebnis für die AfD im Vergleich zu den 24,8 % im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis. Das Direktmandat im Wahlkreis Sinsheim holte sich der Kandidat der CDU.
Vorsichtiger Rückzug aus Sinsheim – Pressesprecher der AfD in Niedersachsen
Wahrscheinlich bereitete Patrick Bauer schon gegen Ende März 2026 seinen Wechsel zur AfD Niedersachsen vor. Bei einer Gemeinderatssitzung in Sinsheim gab der Oberbürgermeister bekannt, dass Bauer nicht mehr Fraktionssprecher sei, Mario Meyer übernehme das Amt, dessen Vize sei Christian Maier. Mehr Informationen gab es nicht. Die unklaren Hintergründe sorgten für Gerüchte. Die RNZ spekulierte: „Frust? Verkalkuliert?“ Bauer, angeblich auf „einer politischen Bildungsfahrt“ in Berlin, erklärte am Telefon, er habe bereits in seiner Antrittsrede „vor zwei Jahren deutlich gesagt“, dass er sich wünsche, das Amt bei der nächsten Gelegenheit wieder abgeben zu können. Sein Mandat wolle er behalten, sein Einsatz als Stadtrat solle „hoch bleiben“, schließlich sei er für fünf Jahre gewählt worden, betonte Bauer. Die „zahlreichen anderen Ämter und Aufgaben“ seien es, die den Fraktionsvorsitz kaum mehr möglich gemacht hätten – Bauer hatte unlängst die Pressearbeit der Kreistagsfraktion der rechten Partei übernommen.
Die RNZ fasst sein Wirken in Sinsheim die letzten zwei Jahre zusammen: „Aus Hessen kam Bauer nach Sinsheim, baute die Gemeinderatsfraktion auf und erzielte bei der Kommunalwahl das zweitbeste AfD-Ergebnis hinter Gerd Schüle. Besonders aktiv ist Bauer in den sozialen Medien, dort eckt er regelmäßig an und polarisiert. Dass er gezielt Jugendliche ansprach, hatte beispielsweise zum Protest vieler Sinsheimer Rektoren geführt, Bauer hingegen sah sich regelmäßig als Opfer von Kampagnen. Über die Jahre absolvierte er, der sich ‚als überzeugter Christ‘ und ‚Corona-Rebell“ bezeichnet und Wert darauf legt, mit einer Georgierin verheiratet zu sein, hunderte Wahlkampftermine, auch seine Gegner bezeichnen ihn als harten Arbeiter.“
Spätestens Anfang Juni tauchte Patrick Bauer in drei Meldungen der NOZ über Auseinandersetzungen im AfD-Kreisverband Ostfriesland und die Abspaltung des Kreisverbands Aurich-Emden von Leer als „Pressesprecher des AfD-Landesverbands Niedersachsen (Link abgerufen am 27.09.2026) auf. Siehe hier und hier und hier. Über diese Beschäftigung Bauers wusste die Öffentlichkeit im Kraichgau zu diesem Zeitpunkt bisher so gut wie nichts. Im Juli 2026 organisierte er noch einmal einen Stammtisch der AfD Sinsheim mit Martin Rothweiler, dem Fraktionsvorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg.
Kommunalwahlkampf in Niedersachsen: „Sonntagfrüh ab 06.00 wird zurückplakatiert“

Nach einem Sommer- oder Familienurlaub mit seiner Frau in Georgien und noch einem Stammtisch mit dem AfD-MdB Kay Gottschalk in Sinsheim meldete sich Patrick Bauer unvermittelt vom „Wahlkampfeinsatz in Niedersachsen!“: „Im Landkreis Lüneburg bin ich jetzt eine Woche eingesetzt zur dortigen Kommunalwahl!“. Irgendwann zu dieser Zeit war er auch nach Emden umgezogen. Am 25. August berichtete dann auch die Emder Zeitung, dass Patrick Bauer zum Kreisvorsitzenden der AfD Emden/Aurich gewählt wurde.
Auf seiner Facebook-Seite mit einem Foto vom 9. August, das ihn beim Aufhängen eines Wahlplakates zeigt, vergaloppierte sich Patrick Bauer. Seine Parole: „Sonntagfrüh ab 06.00 wird zurückplakatiert“ weckt Assoziationen zur Kriegspropaganda-Lüge der Nazis bei der Rechtfertigung ihres Angriffs auf Polen am Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die peinliche Geschmackslosigkeit bzw. Entgleisung war zwar wenige Stunden später wieder gelöscht. Es bleibt aber die Frage, wessen Geistes Kind Patrick Bauer ist. Überschrieben wurde der Post schließlich mit „Während die Antifa noch schläft, hängen wir schon wieder auf seit 6 Uhr!“
Warum hat sich AfD-Mann Patrick Andreas Bauer aus dem Staub gemacht?
Während die Emder Zeitung berichtet, dass Bauer „aus privaten Gründen nach Emden gewechselt“ sei, führte der unvermittelte Abgang von Patrick Andreas Bauer aus dem Rhein-Neckar-Kreis zu einigen Gerüchten, deren Gehalt hier allerdings nicht überprüft werden kann. Laut zugespielten Quellen – siehe vom 4. September – sei Bauer während seiner Tätigkeit für den MdL Ruben Rupp in Stuttgart dadurch aufgefallen, „dass er seine Arbeit als Mitarbeiter nutzen wollte, um an die persönlichen Daten von allen Kreisvorsitzenden unter Vorwänden zu gelangen.“ Das ziehe sich wie ein roter Faden durch sein politisches Handeln: „Zwei Tage, bevor er im Kreisverband Rhein-Neckar als Kreisvorsitzender abgewählt wurde, sicherte er sämtliche Mitgliederdaten, woraufhin der neugewählte Kreisvorstand, auch aufgrund weiterer Vergehen, mehrere Ordnungsmaßnahmen gegen ihn beschlossen hat. Vor den Verhandlungen am Landesschiedsgericht Baden-Württemberg und nach seiner Abwahl als Fraktionsvorsitzender der AfD im Gemeinderat Sinsheim, ist er nun nach Niedersachsen geflüchtet.“
Wenigstens wurde Bauer auf einer „kleinen privaten Gartenparty“ seiner Kreistagskollegin Ramona Lisa Mauz Anfang September verabschiedet. Nach Mitte September 2026 verschwand Bauer dann auch im Ratsinformationssystem aus der Liste der Kreisräte des Rhein-Neckar-Kreises, und am 22. September sollte er in Abwesenheit aus dem Gemeinderat Sinsheim verabschiedet werden.
Fortgesetztes Intrigieren auch bei der AfD in Ostfriesland
Der Flurfunk schreibt weiter: „Als er noch in Baden-Württemberg wohnte, nahm ihn Ansgar Schledde [Chef der AfD Niedersachsen] unter seine Fittiche, machte ihn zu seinem Pressemann für die Landespartei und die Landtagsfraktion in Niedersachsen. In Bauers neuem Kreisverband Emden-Aurich geht das Problem mit dem Datenschutz weiter. Mit scheinbar hellseherischen Fähigkeiten kannte er jeden Namen der Mitglieder und schrieb sie auf den sozialen Medien an, so dass sich einige Mitglieder bedrängt fühlten. Er ist nett, zuvorkommend und immer eine Spur zu aufdringlich. So wird er in den Kreisen, in denen er bekannt ist, beschrieben. Das führte in Emden dazu, dass ihn Mitglieder sogar blockierten. Nachdem die AfD-Mitgliedschaften des Ehepaars Kutscher annulliert und ein Wiederaufnahmeverfahren durch den BuVo per Veto abgelehnt wurde, soll Bauer jetzt einspringen. Emden-Aurich soll im Würgegriff von Ansgar Schledde bleiben, der inzwischen kurz davor steht, seine Immunität zu verlieren, und eine Vielzahl an Klagen erwarten kann.“
Und so fragte sich auch die Öffentlichkeit in Ostfriesland, wer denn Patrick Bauer sei. Die NWZ vom 24. August meinte: „Neuer Chef der AfD Aurich-Emden auf Landesbühne kein Unbekannter“ : „Patrick Bauer steht an der Spitze der AfD in Aurich-Emden. Der 31-Jährige folgt auf Harald Kutscher, der nach innerparteilichen Querelen den Posten abgeben musste. Bauer wohnt in Emden – ist aber überregional bekannt.“ Ein Kommentar unter dem dazugehörigen Facebook-Post fragte zu Bauer: „Oder wurde er geschickt? Im März noch in Baden-Würtemberg verwurzelt, taucht er nun in der rechten ostfriesischen Szene auf und übernimmt sofort den Verband, nachdem der unbequeme alte Vorstand regelrecht abgesägt wurde. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, dafür sorgt der junge Parteisoldat nun in der AfD.“ Und „Ostfriesland Ist Schön“ meint: „Da kommt jemand aus Baden Württemberg vom Himmel gefallen und wird hier 1. Vorsitzender und der tingelt dann mit dem Ehepaar Kutscher, dessen Mitgliedschaft annuliert und denen ein Wiedereintritt abgelehnt wurde, von Infostand zu Infostand. Wie passt das zusammen?“ Siehe ebenfalls hier. So ganz willkommen scheint Bauer in Emden – wie schon vorher immer wieder im Kraichgau – auch nicht bei allen zu sein. Ein AfD-Infostand sei von 50 linksextremen Gegendemonstranten, angeblich alle arbeitslos, bedroht und eingeschüchtert worden. Bauer kündigte ein gerichtliches Nachspiel an.
Mischt als Pressesprecher in der niedersächsischen Landespolitik mit
In der ersten Septemberhälfte – nur wenige Tage vor der Kommunalwahl in Niedersachsen – wurde dann eine interne E-Mail des Pressesprechers des AfD-Landesverbandes Patrick Bauer an niedersächsische AfD-Funktionäre geleakt, in welchem er ihnen ein absolutes Redeverbot erteilte hinsichtlich der Korruptionsvorwürfe sowie die zu erwartende Immunitätsaufhebung und Klage gegen den Landesvorsitzenden der AfD Niedersachsen Ansgar Schledde. Diesem scheint „das Wasser … bis zum Hals“ zu stehen. Der NDR berichtete: Ab sofort gelte eine „verbindliche Sprachregelung“ zu dem Fall, wonach „ausschließlich die Pressestelle“ nach außen spricht. Selbst private Unterhaltungen zum Fall Schledde sollen innerhalb der Partei unterlassen werden: „Keine Erörterung in Gruppenchats, Mailverteilern, auf Fluren oder mit Dritten (Angehörige, Kreisverbände, Mandatsträger anderer Ebenen).“ Interviews, Statements oder Hintergrundgespräche seien untersagt.
Der NDR berichtete weiter über die Aufhebung der Immunität von Ansgar Schledde durch den Landtag, weil die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen Schledde erheben wolle. Es gehe „um den Vorwurf schwarzer Kassen und einen Verstoß gegen das Parteiengesetz. Schledde soll interne Parteispenden in Höhe von 48.000 Euro auf einem Privatkonto vereinnahmt haben, ohne sie im Rechenschaftsbericht der Partei angegeben zu haben. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2020 und 2022 ereignet haben. Ein Verstoß gegen das Parteiengesetz kann mit einer Geldstrafe oder mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.“ Laut internen Vorwürfen durch die AfD-Bundestagsabgeordnete Martina Uhr habe Schledde „verlangt, über 35 Prozent ihres Abgeordneten-Budgets zu verfügen. Schledde hatte die Vorwürfe seinerzeit bestritten. Auch andere Parteimitglieder rund um die EU-Abgeordnete Anja Arndt hatten in zwei Brandbriefen an den Bundesvorstand schwere Vorwürfe gegen Ansgar Schledde erhoben. Arndt schreibt darin, Parteichef Schledde sei Kopf eines korrupten Netzwerks innerhalb der AfD Niedersachsen namens „Die Allianz“. Schledde soll inzwischen mindestens 1,5 Millionen Steuergelder veruntreut haben. Schledde hat auch diese Vorwürfe vehement von sich gewiesen. Der Landesvorstand hat Arndt die Mitgliedsrechte entzogen und ein Parteiausschlussverfahren gegen sie angestoßen. Arndts Vorwürfe beziehen sich auf eben jenen Vorstand. Laut dem parlamentarischen Geschäftsführer der SPD Wiard Siebels zeige das Beispiel Schledde, dass die AfD, eine Partei, „die immer laut nach mehr Demokratie, Meinungsfreiheit und Transparenz schreit“, in ihren eigenen Reihen „das exakte Gegenteil umsetzt“.
Unklar bleibt, inwieweit auch Bauer als Pressesprecher des AfD-Landesverbandes – und vermutlich von Schledde gefördert – bei den Auseinandersetzungen seine Finger im Spiel hatte. Die Auseinandersetzungen zwischen Arndt und Schledde vollziehen sich auch entlang der Streitereien zwischen den zwei Verbänden der aufgeteilten AfD Ostfriesland: MdEP Anja Arndt gehört dem AfD-Kreisverband Leer an, während Patrick Bauer den Kreisverband Emden/Aurich übernommen hatte.
Aufstellung auf Platz 28 der Landesliste der AfD Niedersachsen
Die Korruptionsvorwürfe gegen Ansgar Schledde scheinen bislang weder der AfD Niedersachsen noch dem parteiinternen Ansehen ihres Vorsitzenden Ansgar Schledde geschadet zu haben. Bei den Kommunalwahlen am 13. September konnte die AfD Niedersachsen ihr Ergebnis von 4,6 % auf 15,9 steigern und damit mehr als verdreifachen.
Am 26. September stellte die AfD Niedersachsen dann schon sehr früh ihre Landesliste für die Landtagswahlen auf, die genau ein Jahr später am 26. September 2027 stattfinden werden. Vielleicht wollte Ansgar Schledde mit diesem frühen Zeitpunkt nichts anbrennen lassen und sich wegen der Korruptionsvorwürfe rechtzeitig seine politische Zukunft im Landtag sichern. Ansgar Schledde landete auf Platz 2 auf der Landesliste. Er erzielte 92 % der Delegiertenstimmen, unmerklich weniger als der Sitzenkandidat Klaus Wichmann mit 93 %.
Patrick Bauer errang mit dem Listenplatz 28 eine aussichtsreiche Position, die für den Einzug in den Landtag reichen dürfte: Es ist eine Mindestanzahl von 135 Mandaten im Landtag vorgesehen, und in einer aktuellen Umfrage vom September liegt die AfD in Niedersachsen bei 21 Prozent. Hier noch mal ein Kommentar unter einem Facebook-Post: „Da fällt der in Ostfriesland vom Himmel und Zack auf Listenplatz 28. Hat der Schledde doch gut gemacht, gell.“ Bei Bauers Selbstvorstellung taucht Baden-Württemberg gar nicht mehr auf. Im Gegenteil biedert sich Patrick Bauer beim Wahlvolk dadurch an, indem er so tut, als lebe er schon immer in Niedersachsen: „Ich bin Patrick Andreas Bauer. 31 Jahre, verheiratet, Vater einer Tochter. Ich lebe in Emden. Bei uns gilt ein Satz, den jedes Kind zwischen Dollart und Harle kennt: Wat mut, dat mut.“