Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai

Unbearbeitetes Manuskript des Vortrags von Dorothee Roos am 3. April 2025 in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz anlässlich seines 100. Geburtstags und des Vortags des 80. Jahrestags der Befreiung von etwa 850 Häftlingen zwischen Adelsheim und Osterburken im Krankenzug aus den Natzweiler KZ-Außenlagern Neckargerach und Neckarelz in Richtung des KZ Dachau, darunter auch Jacques Barrau:
Zunächst ein kleiner Rückgriff auf die Zeit der KZ-Haft von Jacques Barrau. Ich zitiere, was Dr. Francis Rohmer, einer der inhaftierten Ärzte, über Barrau schreibt:
Wir nannten ihn den „kleinen Barrau“ – wegen seiner Körpergröße, er ragte mit seinen über 1,90 Metern beim Appell immer über die Gruppen hinaus, die zur Arbeit aufbrachen. Er war stets gut zu sehen. Doch trotz dieser Größe schaffte er es, den Strafmaßnahmen der Kapos und Posten zu entgehen, indem er immer ein erstauntes, verblüfftes Aussehen annahm, mit seiner Mütze, die ihm immer ein bisschen schräg auf dem Schädel saß.
Seine Talente als Zeichner halfen ihm ebenfalls. Es soll sogar ein paar Kapos tätowiert haben … Als sein Kommando im Stollen aufgelöst wurde, kam er zum Bahnhofskommando, auch dort „organisierte“ er ständig Dinge. So schaffte er es, uns Kohle für den kleinen Ofen im Krankenrevier zu besorgen, dafür erhielt er einen Schlag Suppe mehr, den er mit den anderen teilte.
Er klaute auf sympathische Art, wusste, wie man Schläge vermied – und fühlte sich stets den Kameraden verpflichtet. Bis zum Schluss bewahrte er eine würdige Haltung und überwand viele Schwierigkeiten. Doch schließlich verließen ihn die Kräfte – Bent nahm ihn ins Revier auf. In Osterburken habe ich ihn wiedergesehen. Von Prof. Lassus habe ich von seiner Karriere als Ethnologe in den tropischen Ländern erfahren, die schließlich in die Arbeit am Museum für Naturgeschichte mündete. Eine wundervolle wissenschaftliche Laufbahn!
Was wie eine glatte wissenschaftliche Karriere aussieht, ist in Wirklichkeit gekennzeichnet von Brüchen und Umschwüngen. Den ersten kennen wir alle – es ist die Haft im Gefängnis und in den KZs Dachau und Neckarelz.
Aber man kann auch sehen, dass Barrau es eilig hatte, nach dieser „Unterbrechung“ nahtlos da anzuknüpfen, wo er bei seiner Verhaftung in Toulouse am 2. Juni 1944 aufgehört hatte. Und so, wie Dr. Rohmer ihn geschildert hat, fiel ihm das nicht schwer. Er konnte die Haft „abstreifen“, auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe sie keine Spuren hinterlassen. Er absolvierte zwei Examina, eines als Agrarwissenschaftler, was ja ein eher praxisbezogenes Studium ist, sowie einen ersten wissenschaftlichen Abschluss in den sicher eher theoretisch ausgerichteten Naturwissenschaften.
Vor allem aber war seine Sehnsucht darauf gerichtet, seine neu erworbenen Kenntnisse nicht in Frankreich anzuwenden. Vielmehr wollte er so schnell wie möglich ins Paradies seiner Kindheit zurückzukehren – auf den „kleinen Kieselstein“ im Südpazifik, wie er seine Heimat-Insel nennt: Neu-Kaledonien. Wie kam es dazu, dass sie seine Heimat war?
Barrau schreibt selbst dazu:
Meine Vorfahren väterlicherseits bauten einst im Departement Vaucluse die Färberröte an; sie lieferte den Farbstoff für die berühmten roten Hosen der französischen Infanterie. Leider erfand dann im 19. Jahrhundert ein deutscher Chemiker ein Verfahren zur synthetischen Herstellung dieser Farbe, was zu einem beträchtlichen Preisverfall der Farbpflanzen führte. Eine schwere Wirtschaftskrise in der Region war die Folge, und die Menschen wanderten nach allen Himmelsrichtungen aus – auch, zum Beispiel, nach Französisch-Ozeanien.
Die Vorfahren meiner Mutter hingegen stammten aus Irland. Sie lebten mehr schlecht als recht vom Kartoffelanbau – bis die zerstörerische Pilzkrankheit der Kartoffelfäule urplötzlich alle Ernten vernichtete … Auch hier war eine Auswanderungswelle in ferne Weltgegenden die Folge, meist nach Amerika, aber auch in Richtung des Fünften Kontinents. So lernte mein Vater meine Mutter auf jenem winzigen „Kieselstein“ im Ozean kennen, den die Insel Neukaledonien darstellt. Und deshalb, Sie werden es leicht begreifen, musste ich einfach Ethnobotaniker werden!
Das Verhältnis von Menschen und Pflanzen war Jacques Barrau also quasi in die Wiege gelegt – ob Färberröte oder Kartoffel, beide Elternfamilien hatten ihr Leben auf einer Kulturpflanze aufgebaut. Die Studienrichtung des Sohnes passt zur Familientradition der „Maison Barrau“. Und nach seinem Abschluss in Toulouse und Marseille bekleidete er sofort einen wichtigen Posten in der französischen Kolonialverwaltung in Nouméa, der Hauptstadt Neukaledoniens. Er wurde dort Chef der Ackerbaubehörde. Doch er selbst war ein anderer geworden. Er schreibt:
Die Inseln im Südpazifik galten seit ihrer Entdeckung durch Kapitän Cook als Orte paradiesischer Fülle. Auch ich hatte an diese Mythen lange Zeit geglaubt … Doch die leidvollen Erfahrungen, die ich während des Krieges gemacht hatte, hatten die Wahrnehmung der Menschen und Dinge verändert. Als ich auf die Inseln meiner Kindheit zurückgekehrt war, entdeckte ich, wie zerstörerisch die Methoden des Bergbaus dort gewirkt hatten, wie rasch der vorher so artenreiche und botanisch interessante Urwald durch die Kolonisatoren gerodet wurde und wie stark die von den Weißen im 19. Jahrhundert eingeführte extensive Viehwirtschaft den Boden und die Pflanzenwelt geschädigt hatten…. Die Träume vom Paradies meiner kolonialen Kindheit zerstoben rasch….
Gerade auf Inseln, diesen isolierten, flächenmäßig meist kleinen Fleckchen besiedelten Landes, nehmen solche Konflikte oft außerordentlich scharfe Formen an. Die Kolonisatoren, die keinerlei kulturelle Verbindung mit den Eingeborenen hatten, gingen mit der gleichen Aggressivität und Gewalt gegen die natürliche Umwelt vor wie gegen die Menschen, die in dieser Umwelt lebten.
Man kann sich gut vorstellen, dass das Erlebnis der KZ-Haft bei Barrau die Sensibilität für Gewalt und auch für die Ausbeutung von Arbeitskraft geschärft hat. Das Besondere ist aber, dass er auch die Gewalt gegen die Natur in den Blick nimmt. Das ist damals, in den späten 40er und späten 50er Jahren, etwas ganz Neues.
Etwa 1951 schrieb Barrau einen kritischen Bericht über die sozialen Verhältnisse und ihre Auswirkungen auf den Ackerbau in Neukaledonien. Er wurde von seinen Vorgesetzten abgelehnt. Daraufhin kündigte er im Jahr 1952 seinen Job in der Agrarverwaltung und erkämpfte sich so Freiheit in jeder Hinsicht – vor allem aber Freiheit des Denkens. Sein Kollege Georges Guille-Escuret schreibt über diese Phase:
Einige Jahre nach dem Krieg, nach seinem spektakulären Rücktritt vom Regierungsposten als Agrarwissenschaftler in Neukaledonien, führte Barrau während einiger Monate das Wanderleben eines Beatniks, bevor es dieses Wort überhaupt gab, und durchquerte dabei den gesamten ozeanischen Archipel nach allen Richtungen. An diesen kurzen Lebensabschnitt erinnerte er sich bis in seine späten Jahre immer mit einem Gefühl des Glücks und der Sehnsucht: denn für den jungen Mann, der von den Erfahrungen der Deportation gezeichnet war, bedeutete diese Freiheit mehr als für andere. Gleichzeitig spürte er, wie sehr diese Freiheit ihm wissenschaftlich von Nutzen war, sie begleitete und begründete eine unerhört breite und begeisternde Kenntnis von Land und Leuten.
Die Liste der Veröffentlichungen Barraus zeigt, dass er sich ab dem Jahr 1954 immer stärker mit der traditionellen Anbaumethoden der Kanaken, d.h. der autochthonen melanesischen Bevölkerung der Inseln im Südpazifik, beschäftigt. Er notiert dazu:
…Was mich zunächst besonders erstaunte, war der ausgesprochen „freundliche“ Umgang, den die Kanaken mit den Pflanzen pflegten, die in ihren Gärten wuchsen. Er glich eher einem Verhalten gegenüber Menschen einer vertrauten Gruppe. Ich beobachtete eine Art „respektvoller Freundschaft“, welche die Kanaken den jungen Pflanzen angedeihen ließen, denen sie durch sorgfältige Pflege beim Wachsen zu helfen suchten.
Ich erinnere mich, wie meine kanakischen Freunde in sanften Ton auf eine Yamspflanze einsprachen, während sie sie zum Ranken an ein Gitter banden. Jede Pflanze erhält eine eigene, besondere Behandlung und Zuwendung. Ein Schnitt wird erst nach gründlicher Auswahl und Vorbereitung ausgeführt, das Wachstum aufmerksam beobachtet. Die Ernte geschieht Pflanze für Pflanze, um die Knollen nicht zu beschädigen… Diese individuelle, liebevolle Behandlung unterscheidet sich sehr stark von der harten Massenbehandlung, die wir unseren Getreidepflanzen angedeihen lassen. Diese säen wir auf der großen Fläche aus und ernten sie gleichzeitig und unterschiedslos, früher mit Sichel und Sense, heute mit großen Erntemaschinen.
Doch das war nicht der einzige Unterschied, den ich angesichts der kanakischen Nahrungsgärten wahrnahm. Diese Gärten enthielten eine große Vielfalt an biologischen Arten und Unterarten … während unsere Felder arten- und variationsarm sind. Dieser Unterschied der Anbaumethoden war so groß, dass die kolonialen Ackerbauspezialisten die Gartenkultur der Eingeborenen komplett missverstanden und auch missachteten, weil sie völlig andere kulturelle Muster von Ackerbau im Kopf hatten.
Was hier auffällt, ist der respektvolle Ton, mit dem Barrau die melanesischen EinwohnerInnen der Inseln beschreibt. Es ist ein Verhältnis auf Augenhöhe. Er lernt von ihnen – dies verändert auch seine wissenschaftliche Haltung. Er stellt von nun an den Menschen, oder, besser gesagt, die Menschheit im Verhältnis zur umgebenden Natur in den Mittelpunkt seiner Forschungen.
Auch als Wissenschaftler dachte Barrau nicht in Über- und Unterordnungen, sein Ansatz war ein ganzheitlicher. Ich zitiere nochmals Georges Guille-Lescuret:
Ob er das geschichtliche Moment in der Natur aufspürte oder umgekehrt in einer Geschichtserzählung den naturwissenschaftlichen Kern bloßlegte, ob er in einer Pflanze von heute die Spuren langjährigen menschlichen Einflusses entdeckte oder darlegte, welche große Rolle bestimmte Pflanzen in den Entwicklungen unterschiedlicher Gesellschaften gespielt haben – für ihn waren das Teile eines einzigen großen Zusammenhangs, der zwar nach verschiedenen Seiten hin auflösbar, aber nicht hierarchisierbar war.
Im Lauf seiner wissenschaftlichen Weiterentwicklung bewegt sich Barrau von diesen Beobachtungen im Neukaledonien der späten 50er Jahre weg und nimmt sozusagen die Welt als Ökosystem in den Blick, und das mit einem kritischen Ansatz. In seinem großen Aufsatz „Mensch und Natur. Entwurf einer Naturgeschichte der Gesellschaften und menschlichen Verhaltensweisen“ beschreibt er die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht ganz allgemein – und setzt dieser die sogenannte „Gartenkultur“ entgegen:
Die Grasfläche auf den Bergen des Fruchtbaren Halbmondes im Nahen Osten, wo die Sammler der Vorsteinzeit bereits wilde Getreidesorten ernteten, war die Vorläuferin des bäuerlichen Feldes. Gleichzeitig bildet dieses Grasland auch eine Prärie, wo die Menschen pflanzenfressende Tiere jagten; diese Tiergruppen waren die Vorläufer aller späteren Herden.
Auf diese Weise schritten die Menschen, als sie sesshaft wurden, von der offenen Landschaft (SALTUS) zum bebauten Acker (AGER) und zur Viehweide (PASCUUM) voran. In dieser Landschaft entwickelten sich die tierzüchtenden Zivilisationen.
Im Gegensatz dazu bedeutete in den Tropen der Prozess der Sesshaftwerdung einen Übergang vom Urwald (SILVA) zum Garten (HORTUS), also zu jenen Nahrungsgärten der tropischen Waldbauern mit ihrem Artenreichtum, ihrer Vielfalt und komplexen Struktur, die gleichsam den umgebenden Urwald in kleinerem Format abbilden.
Schon die primitiven Formen von AGER und PASCUUM trugen den Keim der Artenverödung ihrer Ökosysteme in sich, während das Ökosystem des HORTUS eine Art Bollwerk relativer Artenvielfalt werden sollte …
Dadurch mussten sich die Beziehungen der Menschen zur Natur jeweils unterschiedlich ausprägen … Im Fall des HORTUS unterstützt man jede Pflanze sorgfältig und ganz individuell in ihrem Wachstum, es besteht … eine achtsame Freundschaft zwischen Menschen und Nahrungspflanzen.
Im Fall von AGER und PASCUUM hingegen gibt es durchgängig einen von Härte geprägten Kontakt zum unterworfenen Wesen, die Herden werden mit herrscherlicher Gewalt, oft Brutalität geführt. Ebenso wird die Feldfläche gesamthaft und restlos bearbeitet, auf die Massenaussaat folgt die Massenernte: AGER und PASCUUM erfahren eine Massenbehandlung, während der HORTUS eine individualisierende Pflege erhält …
In der Gegenüberstellung von individueller und Massenbehandlung kann man deutliche Spuren der KZ-Erfahrung entdecken. Der Verlust von Individualität, die erzwungene Gesichtslosigkeit und Uniformität gehört dort zu den Grunderfahrungen. Aber die historische Betrachtung Barraus zeigt, dass die Gefahr dieser Entwicklung der Menschheitsgeschichte eingeschrieben ist, insbesondere auch der modernen Massengesellschaft, zu der der Nationalsozialismus als eine besonders extreme Ausprägung gehört. Massenhafte Behandlung – das ist Monokultur, Verlust der Person, Unterordnung.
Barrau setzt ihr als Gegenbegriff die Vielfalt entgegen. Und es ist in gewisser Weise eine logische Entwicklung, dass Barrau seinen Lebensarbeitsplatz schließlich am Ort eines Gartens gefunden hat. Nämlich im Museum für Naturgeschichte am Jardin des Plantes in Paris. Ursprünglich war das ein Ort, wo im Auftrag des französischen Königs Pflanzen aus aller Herren Länder gesammelt und dokumentiert wurden. Heute ist er, wie alle botanischen Gärten, ein Bollwerk der Biodiversität, der Artenvielfalt, der unzähligen Ausprägungen der biologischen Species.
Ein wenig von der Liebe Barraus zur Vielfalt einer scheinbar ganz einfachen Pflanze kann man am folgenden Bild gut sehen. Es ist eine kolorierte Handzeichnung aus seinem wissenschaftlichen Hauptwerk „Les Hommes et leurs aliments“ aus dem Jahr 1986. …
Darin zeichnet er die Geschichte der menschlichen Nahrungszubereitung von der Steinzeit bis in die Moderne nach – auch das eine Geschichte der Vielfalt und einer reichen Ess-Kultur, gerade in Frankreich. Aber auch der Esskultur wohnt eine Tendenz zur Verarmung hin zum uniformierten Massenfraß inne. Und ein Kapitel ist der Möglichkeit gewidmet, Mangelernährung und Hunger als Waffe einzusetzen.
Im Nachwort schreibt Barrau, was ihn zu diesem Werk motiviert hat:
Deshalb will ich an dieser Stelle … erzählen, warum ich dieses Buch über die menschliche Ernährung geschrieben habe. Mit Sicherheit hätte ich das nicht unternommen, wenn ich nicht einst in den Konzentrationslagern Nazideutschlands so schrecklichen Hunger gelitten hätte. In dieser harten Schule habe ich gelernt, was die Ernährung für den Menschen bedeutet, und zwar als körperliche wie als soziale Gegebenheit. …
Nachdem ich diese harte Prüfung mit viel Glück überlebt hatte, ging ich nach Ozeanien zurück, wo ich einen Teil meiner Kindheit verbracht hatte. Dort … arbeitete ich wissenschaftlich zum Thema ‚Ernährung‘. Dabei erschloss sich mir allmählich, wie unterschiedlich die Kulturen, Gebräuche und Verhaltensweisen sind, mit denen Menschen an all das herangehen, was mit ihrer Ernährung und den dazu verwendeten Pflanzen und Tieren zusammenhängt … Alles zeigt sich in der Ernährung: das hässliche Gesicht der Ungleichheit und Ungerechtigkeit – aber auch die Freude am Teilen. Nicht zuletzt der Erfindungsreichtum des Menschen, der sich aus seinen Träumen nährt. Es gibt einen Konservatismus, ja einen Chauvinismus der Ernährung und der Küche, daneben blühen Gastfreundschaft und Offenheit. In der Ernährung zeigt sich unser Menschsein in allen Aspekten, den schönsten wie den schlimmsten.
Wie wir inzwischen alle gesehen und verstanden haben, war Barrau einer der frühesten Ökologen in Frankreich – genauer gesagt, ein Ethno-Ökologe. Das bedeutet, dass in seinem Denken die biologische Vielfalt, die Biodiversität, die größte Rolle spielte. Neu ist dabei, dass er diese Idee der Vielfalt, der Buntheit, sehr früh auf die Gesellschaft überträgt. Damit wird Biodiversität, als die Vielfalt des lebendigen Lebens, auch zur Metapher, zu Gleichnis für politische Verhältnisse. Und hier führt ein Link in die unmittelbare Gegenwart.
Ich schließe mit einem Zitat aus Barraus Rede als Preisträger der Internationalen Kosmos-Preises, den er 1994 in Japan erhalten hat. Dieser Preis ist eine Art Nobelpreis im Bereich der Ethnobiologie bzw. Ethnobotanik. Barrau sagte:
Vielfalt – sie ist das Zauberwort. Die kanakischen Gärtner legen all ihre Sorgfalt darein, die biologische und artenmäßige Vielfalt der Pflanzen zu erhalten, ja, sie nach Möglichkeit zu erhöhen. Ich glaube, das Gefährlichste, was Menschen tun können, ist, Uniformität zu vergrößern und zu befördern. Wenn der Prozess der Uniformierung die Natur erfasst hat, dann verödet sie, und auch die menschlichen Zivilisationen gelangen durch Uniformierung nicht zur Ordnung, sondern zur Desintegration… Diese kann tödliche Ausmaße annehmen.