Vor 500 Jahren: Der Helle Haufen der Odenwälder und Neckartaler im Bauernkrieg

vorläufige zu korrigierende und auszuführende Version des Vortrags von Arno Huth am 23. Juni 2025 in Mosbach-Neckarelz:

 

Vorab ein Spruch aus jener Zeit, vermutlich in der Allgäuer Gegend:

Wer im Jahr 1523 nicht stirbt,
im Jahr 1524 nicht im Wasser verdirbt,
im Jahr 1525 nicht wird erschlagen,
der mag wohl von Wundern sagen!

Zur Erklärung: 1523 sollen im Allgäu die Pest oder andere Krankheiten gewütet haben. Zur Auslösung des Bauernkriegs im Südwesten führten aber wohl zwei schwere Unwetter mit Starkregen und Hagel im Juli 1524, die die Ernten großenteils vernichteten. Und im Allgäu begannen die Aufstände schon im Jahr 1524.

Die folgende Darstellung der sozialen und politischen Situation im Vorfeld des Bauernkrieges stützt sich dabei vor allem auf zwei lokale Quellen:

1. Werner Blesch: Leben, lieben und bitter leiden. Kultur und Alltag der früheren Menschen im Tal der unteren Elz. Mosbacher Jahresheft 1994.
2. Jakob Renz, Bürgermeister: Vorträge über die Geschichte der Stadt Mosbach. Alt-Mosbach, ein Stadtbild aus dem 16. Jahrhundert. Drei Hefte, verfasst in den Jahren 1914 bis 1930.

Das Ansehen des Bauernstandes

Blesch zitiert den Gelehrten Sebastian Münster, der von 1488 bis 1552 vor allem in Südwestdeutschland lebte. In Wikipedia wird der Gelehrte unter anderem als „Humanist“ bezeichnet. Sein Zitat zeugt jedoch von Geringschätzung und Verachtung für den Bauernstand:

„Der vierte Stand ist der Menschen, der auf dem Felde sitzen und in den Dörfern. Diese führen ein gar schlecht und niederträchtig Leben. Es ist ein jeder von dem anderen abgeschieden und lebt für sich selbst mit seinem Gesind und Viech. Ihre Häuser sind schlechte Häuser von Kot und Holz gemacht, auf das Erdreich gesetzt und mit Stroh gedeckt. Ihre Speis ist schwarz trocken Brot, Haferbrei oder gekocht Erbsen und Linsen. Wasser und Molken ist fast ihr einzig Trank“.

Und auch über hundert Jahre später scheint sich daran nichts geändert zu haben. Der böhmische Philosoph Jan Amos Comenius im 17 Jahrhundert erklärte: „Der Feldbau und die Viehzucht war vor uralten Zeiten der Könige und Helden. Heutzutage ist allein des untersten Pöbel Angelegenheit“.

Die Stadtgemeinde von Mosbach

Maßgeblicher Rahmen der Alltagswelt im späteren Mittelalter war die Gemeinde. Mit ihr hatten Dörfer und Städte wichtige Organe der Rechtsfindung und Selbstverwaltung geschaffen.

Im Mittelalter unterstellten sich die Menschen einem Mächtigen, der ihnen Sicherheit und Schutz garantieren sollte und ihnen damit einen persönlichen Freiraum und Handlungsspielraum
garantieren sollte. Nur der persönlicher Schutz seines Mächtigen sollte ihnen den nötigen Lebensraum garantieren.

In der Zeit um 1200 versuchte dann der „gemeine Mann“ sich von diesen persönlichen Bindungen zu lösen. Man schloss sich zur Gemeinde zusammen. Gleichzeitig zerfielen die herkömmlichen Fronhofverbände, in denen die adligen oder kirchlichen Grundherren bisher die sozialen, rechtlichen oder kirchlichen Belange der fast ausschließlich bäuerlichen Menschen geregelt hatten.

Die Städte konnten sich dabei ganz, die Dörfer zumindest teilweise aus den mit der Bodenbewirtschaftung zusammenhängenden Abhängigkeiten lösen. Doch ungeachtet der politischen Autonomie bildete sich in Dorf und Stadt eine politische Kultur des „gemeinen Mannes“. Es formierte sich die Gemeinde, die auf eine selbstverwaltete Genossenschaft abzielte, gemeindliche Ämter und Dienste einrichtete, die Kompetenz in Zivil- und Strafsachen für die kommunalen Angelegenheiten im engeren Sinn errang und anderes.

In den Städten, so auch in Mosbach, begann rasch eine Elite von angesehenen und wohlhabenden Bürgern – meist Kaufleuten – sich an die Spitze der Gemeinde zu setzen. So ist ein Kollegium von 12 Richtern – später Ratsherren genannt – in Mosbach schon 1289 bekannt. Die Mitglieder wurden aus den Reihen der „ratsfähigen“ Patrizierfamilien ausgewählt. …

Doch wollte sich der einfache Bürger nicht von dieser Elite die Mitwirkung am Stadtregiment nehmen lassen. Aus fast allen Städten Deutschlands werden harte Auseinandersetzungen zwischen den Patriziergeschlechtern und den einfachen Handwerkern bzw. Zünften berichtet. … So auch in Mosbach: Hier werden ab 1338 neben den 12 Richtern auch 12 Räte „aus der Gemeinde“ genannt. Ebenso gab es zwei Bürgermeister, einen „des Rats“ sowie „aus der Gemeinde“. Die gesamte Gemeinde wurde nun von einem 24köpfigen Gremium repräsentiert.

Allerdings war von Anfang an die Autonomie der Bürgergemeinde durch die herrschaftliche Obrigkeit beschränkt. Das gemeindliche Prinzip basierte auf der grundsätzlichen Gleichheit der Gemeindemitglieder und konkurrierte mit dem herrschaftlichen Prinzip der alten feudalen Ordnung, welche auf dem Prinzip der Ungleichheit beruhte. Während der Stauferzeit war die Herrschaft vertreten durch einen Vogt, der in Wimpfen und zeitweise auch in Mosbach residierte. Im 14. Jahrhundert wurde Mosbach vielfach verpfändet.

Ab 1410 unterstand die Mosbach dem Pfalzgrafen, der Jahrzehnte in der Stadt selbst residierte. 1435 schaffte der Pfalzgraf Otto I. die Ratsmitgliedschaft der 12 Vertreter der Zunftgemeinde ab. Damit verblieb den Zünften nur noch die Wahl eines der beiden Bürgermeister, ansonsten war Mosbachs breite Mittelschicht nun weitgehend vom Stadtregiment ausgeschlossen. Normale
Zunftbürger durften ansonsten noch bei sozialen Aufgaben der Stadt mitwirken, beispielsweise ein Hospitalpfleger und ein Siechenpfleger, die zusammen mit einem Ratsvertreter das Hospital, das Gutleuthaus und andere Fürsorgeinstitutionen verwalteten.

1508 wurde Ludwig V. Kurfürst, der zu dieser Zeit aber längst wieder in Heidelberg residierte. Seine Vertretung wurde vor allem durch einen Vogt vorgenommen, der ein vom Pfalzgrafen
eingesetzter Beamter war. Von 1521 bis 1528 hatte dieser Hieronymus von Helmstatt dieses Amt inne.

Mosbach war zu dieser Zeit, aber vor allem im 16. Jahrhundert eine prosperierende Stadt. Der Wohlstand der zahlreichen Handwerker äußerte sich in den teilweise schon in jener Zeit errichteten Fachwerkhäusern. Zur Einordnung wie groß Mosbach damals war: die Stadt zählte schätzungsweise um die 1.500 Einwohner.

Die Einwohner der Stadt unterlagen nicht der Leibeigenschaft. Das ein Jahr nach dem Bauernkrieg 1526 herausgegebene Stadtrechtsbuch erklärt dazu: „Frei werden geboren alle Kinder zu Mosbachin der Stadt und haben Herrschaft halben einen freien Zug.“

Die politische Kultur in den Dörfern der Umgebung

Doch nun zur politischen und sozialen Kultur in den Dörfern der Umgebung von Mosbach und der Lage der Bauernschaft:

Es muss unterschieden werden zwischen leibeigenen, hörigen und freien Bauern.

Laut Renz bestand die Leibeigenschaft darin, dass ein Ortseinwohner nebst seinen Nachkommen einem Herrn zu bestimmten Diensten und Abgaben verpflichtet war. Sie entstand durch Geburt, Verheiratung und freiwillige Ergebung. Den Herrn des Leibeigenen nannte man den Erb- oder Leibherrn. In unfreien Gemeinden nannten sich die Bauern vielfach selbst „arme Leut“, das heißt leibeigene Untertanen.

Der Leibeigene war ein Diener des Grundherrn, bewirtschaftete dessen Land und Gut und durfte daher auch nicht von seinem Gutshof wegziehen beziehungsweise seinen Wohnort nicht verlassen, damit ihn sein Herr jederzeit zurückfordern konnte. In der Regel durften sie auch nur mit Zustimmung des Leibherrn heiraten. Neben bestimmten Fronen und Fruchtzinsen hatten die Leibeigenen zum Zeichen ihrer Abhängigkeit vielfach noch einen Geflügelzins zu entrichten, der von einem besonderen Beamten – Hühnerfauth, Hühnervogt oder Hühnerfuchs genannt – eingezogen wurde. An den Zinstagen – unter anderem Fastnacht, Michaeli gegen Ende September – fuhr der Hühnervogt auf die Dörfer, die einer Herrschaft zinspflichtig waren, um die Zinshühner einzusammeln. Zudem bezog die Herrschaft von diesen Leibeigenen das beste Vieh (Besthaupt), wenn der Mann starb, und das beste Kleid im Todesfall der Frau.

Wie schwer Leibeigenschaft und Hörigkeit auf den Bewohnern der Dörfer damals lastete, verdeutlicht ein Vertrag, der im Jahre 1474 im Schlosse des Pfalzgrafen Otto II. in Mosbach abgeschlossen worden ist. Otto verhandelte damals mit den Besitzern der Burg und Herrschaft Zwingenberg, den Brüdern Hans und Eucharius von Hirschhorn. Der Kauf kam auch tatsächlich zu Stande, und Otto erhielt nicht nur das Schloss und den Berg Zwingenberg als Lehen, sondern auch zahlreiche Dörfer, Güter, Mühlen, Höfe, Gülten und anderes als freies Eigentum.

Die Rechtsverhältnisse der „Unterthanen“ waren in der Kaufsurkunde deutlich auseinander gesetzt. Die unterste Klasse war die der Leibeigenen im engeren Sinn. Es wurden 70 Männer und 60 Frauen als zur Herrschaft gehörig verkauft.

Auf die Klasse der Leibeigenen folgte jene der Hörigen, gewöhnlich „die armen Leut“ genannt. Sie bildeten die eigentliche Masse der Einwohner der Dörfer, den Bauernstand. Wie die Leibeigenen waren auch sie Fron- und Botendiensten unterworfen. Auch gaben sie Zehnten, Gülten, Zinsen, Bete, Fastnachtshühner u. a. wie die Leibeigenen. Vom Besthaupt aber waren sie befreit.

Die dritte und oberste Klasse war die der Zinsleute, die einzelne Güter, Höfe oder Mühlen von der Herrschaft in Erbpacht hatten und nur zu Fronen und zur Erlegung ihrer Zinsen verpflichtet waren.

Die Urkunde gibt Auskunft über die Fronen und ihrer Vergütung in Naturalien. Als Fronen werden genannt:

„Das Schloss Zwingenberg hat die Gerechtigkeit, dass die armen Leut, so in der Dörfern sitzen, alle der Herrschaft gehörigen Äcker zu Fron ackern und bauen sollen, … Item dergleichen müssen solch arme Leut die Frucht auf den Äckern abschneiden und in Frohn einführen, … die armen Leut müssen auch in Frohn das Heu und die Ohmet machen, den Habern aufbinden und alleseinführen. … Auch müssen die armen Leut alles das Holz, so man in dem Schloß verbrennt, selber hauen. Geit man einem im Tag einen halben Laib Brods; desgleichen in Frohn einführen gibt man alsdann einem Wagen einen Laib Brodts (denn zween arme Leut in einen Wagen gehören). Desgleichen müssen solch arme Leut zu frohnen bereit sein mit Wägen und der Hand, wozu man ihrer bedarf.“

Zum Zeichen ihrer Abhängigkeit hatten öfters auch grundhörige Bauern neben ihrem eigentlichen Grundzins – Fruchtzins und Geflügelzins – noch einen besonderen Zins und eine Erbschaftssteuer an ihre Herrschaft zu bezahlen, sowie bestimmte Frondienste zu leisten. Die Erbschaftssteuer bestand bei einem Mann in der Regel in dem besten Stück Vieh und bei einer Frau in dem besten Gewand. Später nahmen diese Abgaben den Charakter einer dinglichen Belastung an. Die ursprünglichen Kopfzinsen wurden in Rauch- oder Herdzinsen umgewandelt. So musste im 16. Jahrhundert noch jeder Einwohner, der in in Ober-, Mittel- und Unterschefflenz eine eigene Herdstätte besetzt hielt, an die Ortsherrschaft jährlich einen Sommerhahn und ein Fastnachtshuhn abliefern. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Ortsherrschaft zwischen Churmainz und Churpfalz geteilt und nach Maßgabe ihrer Beteiligung bezogen sie auch die erwähnte Abgabe.

Auch die Mosbacher Bürger mussten, obgleich sie „frei geborene Kinder“ waren, besondere Herdzinsen entrichten. Die Hälfte dieser Zinsen aber kam als „Zollgerechtigkeit“ der Stadtkasse zu.

Vorläufer des sogenannten „Bauernkriegs“ und Beginn der Reformation

Schon in den Jahrzehnten vor dem Bauernkrieg gärte es in vielen Gegenden Deutschlands. Fünfzig Jahre davor im Jahr 1476 hatte Hans Böhm, der Pfeifer von Niklashausen im Taubertal die
Menschen zusammengetrommelt.

In den Jahren 1501 und 1502 war Joß Fritz aus Untergrombach einer der Initiatoren der Bundschuh-Bewegung in Untergrombach, der sich Tausende Menschen zwischen Main und Neckar anschlossen. Der Name geht zurück auf einen Schuh der Bauern im Mittelalter, der aus einem über dem Knöchel mit einem Riemen zusammengebundenen Lederstück besteht.

Dieses Symbol trugen die aufständischen Bauern dann auch auf ihren Fahnen. Das erste Bundschuh-Fähnlein gehörte Joß Fritz. Sie galt als Zeichen der Verschwörung, er gab sie nie aus
der Hand, und sie wurde anfangs nur wenigen ausgewählten Personen gezeigt. Erst nach einigem Suchen fand Joß Fritz in Heilbronn einen Maler, der ihm die Fahne bemalte. Die Fahne soll auf der einen Seite ein weißes Kreuz und einen Bundschuh auf blauem Grund gezeigt haben, auf der anderen Seite das Wappen des Kaisers und des Papstes sowie ein Kruzifix auf weißem Grund mit einem knienden Bauern samt der Inschrift: „Herr, steh‘ deiner göttlichen Gerechtigkeit bei.“

Nach der Niederschlagung der Bundschuh-Bewegung wirkte Joß Fritz in Oberschwaben und bereitete im Untergrund eine Verschwörung, nämlich den späteren Bauernkrieg mit vor. Persönliche Verbindungen und Netzwerke entstanden auch Regionen übergreifend.

Im Jahr 1514 begehrte das Bündnis „Armer Konrad“ (auch „Armer Kunz“) im Herzogtum Württemberg auf. Es waren nicht nur Bauern, sondern insbesondere Bürger der württembergischen Landstädte, die sich mit Unterstützung von einigen Geistlichen gegen die von Herzog Ulrich und der einflussreichen Ehrbarkeit betriebene Umverteilungspolitik zu Lasten der „Kleinen Leute und deren fortschreitende Entrechtung erhoben.

Die Bauern dienten zu der damaligen Zeit auch als Symbole und Identifikationsfiguren einer faktisch sozial breiter gefassten Reformbewegung. Die Autoren einer 1521 in Tübingen gedruckte Flugschrift zweier Schweizer Bauern waren in Wirklichkeit der Vogt Martin Seeger, ein Freund des Reformators Ulrich Zwingli, und der Zürcher Glockengießer Hans Füssli. Auch von daher kann der sogenannte „Bauernkrieg“ treffender als Rebellion oder Aufstand des gemeinen Mannes bezeichnet werden.

Die Anliegen der Bauern wurden damit von einer breiteren gesellschaftlichen Basis getragen. Sie hatten Unterstützung von politisch und militärisch erfahrenen Leuten, die gleichzeitig aber auch eigene Interessen gegen den weltlichen, insbesondere aber auch weltlichen Adel verfolgten und gleichzeitig die Forderungen der Bauern verwässerten.

Hinzu kamen mit der Reformation Umwälzungen im kirchlichen Bereich, die heftige Auswirkungen in der Politik und im Alltag hatten.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche in Wittenberg und wandte sich damit gegen den Ablasshandel. Den Käufern der Ablassbriefe versprach die Katholische Kirche die Vergebung von Sünden und die Verkürzung der Zeit im Fegefeuer.

Im April 1518 kam Luther zu einer Versammlung der deutschen Augustiner nach Heidelberg, wo er auch an einer Disputation teilnahm und seine Thesen verteidigte. Im 1520 erschien Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, wodurch sich Bewegungen von Bauern und Bürgern in ihrem Streben nach Befreiung vom Joch der Unterdrückung bestärkt fühlten. Bis zum Reichstag in Worms im Jahr 1521 konnte sich die Reformationsbewegung Luthers relativ ungestört ausbreiten. Dann aber folgten der päpstliche Bannfluch, also Ausstoßung, und die kaiserliche Reichsacht, also Ächtung. Der Riss in der Kirche führte ab 1525 zur Kirchenreform, beginnend in Sachsen.

Der Kurfürst Ludwig V. selber schwankte in seiner Haltung zur Reformation. Vorübergehend bestellte er 1519/1523 zwei Vertreter der neuen Lehre als Hofprediger, blieb aber Anhänger der alten Kirche. Weder dem katholischen noch dem evangelischen Fürstenbund trat er bei. Deshalb sei ihm der Beiname „der Friedfertige“ verliehen worden. Nach der Niederschlagung des Bauernkriegs 1525 blieb er der alten katholischen Kirche treu. Erst sein Nachfolger Kurfürst Friedrich II. war dem Protestantismus aufgeschlossen.

Hingegen war ein großer Teil der freien Reichsritterschaft schon früh evangelisch gesinnt. So stand schon 1522 in Neckarzimmern der Pfarrer Jörg Amerbacher unter Götz von Berlichingens Herrschaft. Nach dem Bauernkrieg aber musste Amerbacher fliehen, als der pfälzische Amtmann zu Mosbach Neckarzimmern überfiel.

Als weitere Reformatoren erwähnt Renz Erhard Schnepf, der 1522 aus Weinsberg vertrieben wurde und in Guttenberg bei Dietrich von Gemmingen und nochmals ein Jahr später in Wimpfen Zuflucht fand. Genannt wird auch der Pfarrer Beatus Hornick in Hochhausen.

Wendelin Kretz als Prediger am Stift Mosbach

Ab 1522 oder 1523 begann auch Wendelin Kretz als Prediger am Stift Mosbach protestantisches Gedankengut zu verbreiten. Wendelin Kretz wurde um 1490 in Heilbronn geboren und schloss im Jahr 1515 als Magister Artium an der Universität Heidelberg sein dort 1512 begonnenes Studium der Sieben Freien Künste von Sprache und Wissenschaft ab. In Mosbach wird er erstmals am 27. März 1523 als Prediger und Chorherr des Kollegiatstiftes genannt. In der Reihe der Chorherren ist der Magister Wendelin Kretz als letzter genannt und dadurch als jüngster Kanoniker charakterisiert. Niemand anders als der damals religiös noch unentschiedene Kurfürst und Pfalzgraf Ludwig V. kann Wendelin Kretz auf die Predigerstelle des Stiftes Mosbach berufen haben.

Berichtet wird vom Fall des katholischen Barfüßermönches Hans Jörg von Wildenfels, der vermutlich zu Beginn des Jahres 1525 in Mosbach gepredigt hatte. Götz von Berlichingen
beschuldigte den Barfüßermönch, dass er seinem Neckarzimmener Pfarrer Jörg Amerbacher vorgeworfen habe, mit seinen Predigten die Armen zu verführen und sich betrügerisch von Gott abwendet zu haben. Götz und sein Neckarzimmener Schultheiß stellten darauf den Barfüßermönch in Neckarzimmern zur Rede, forderten ihn auf, anhand einer ihm vorgelegten Bibel zu zeigen, worin sich Amerbacher geirrt habe. Hans Jörg von Wildenfels habe aber nichts vorbringen können. So einigten sie sich auf eine Disputation am Montag nach Maria Lichtmeß vor der Kirche in Neckarzimmern. Schiedsrichter sollten der Heilbronner Reformator Johann Lachmann und der Mosbacher Meister Wendel Kretz sein. Der Barfüßermönch erschien aber nicht zu dem Termin.

Im Jahr 1526 werden Wendel Kretz und zwei Mosbacher Priester – der Vikar Peter Glinker und der Chorherr Johannes Glinker – laut dem Protokoll einer bischöflich-richterlichen Untersuchung – abgeurteilt. Die Aussagen der drei Stiftsgeistlichen zur Sakramentenlehre der Kirche, zum Meßopfer, zur kirchlichen Gemeinschaft, zur Heiligenverehrung, zum Zölibat und kirchlichen Brauchtum standen in so krassem Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche, daß ihr weiteres Verbleiben im Kollegiatstift nicht mehr geduldet werden konnte und ihnen Ämter und Pfründen entzogen wurden.

Vom Kurfürst Ludwig V. dürfte Wendelin Kretz kaum noch Unterstützung beim Kurfürsten Ludwig V. gefunden haben. Denn 1524 hatten Ludwig V. und das ganze Haus Kurpfalz dem Papst versprochen, den Glauben gegen die in der Stadt Worms sich regenden Lutheraner mit Waffengewalt zu verteidigen,

Im Sommer 1532 bekam Wendel Kretz eine Predigerstelle in Heilbronn, verließ Mosbach und bekam im Jahr darauf das Bürgerrecht in Heilbronn. Wendel Kretz starb spätestens 1544, als im Heilbronner Ratsprotokoll seine Witwe als Ehefrau des Meisters Ulrich Witz aus Eberbach erwähnt wird.

Die Bundesordnung und die „Zwölf Artikel“ von Memmingen

Eine wichtige Motivation und Richtschnur für die Erhebungen der Bauern auch in unserer Region entsprang den Zwölf Artikeln von Memmingen. In diesem im März 1525 verabschiedeten Manifest erhoben die Vertreter der oberschwäbischen Bauerngruppen ihre Forderungen gegenüber dem Schwäbischen Bund. Manche bezeichnen sie auch als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Mitteleuropa, die an der gesellschaftlichen und sozialen Lebensrealität der Bauern beziehungsweise an ihrer Not anknüpfte.

Am 6. März 1525 trafen sich in Memmingen etwa 50 Vertreter der oberschwäbischen Bauerngruppen (des Baltringer Haufens, des Allgäuer Haufens und des Seehaufens, um sich über
das gemeinsame Auftreten gegenüber dem Schwäbischen Bund zu beraten. Nach schwierigen Verhandlungen verkündeten sie einen Tag später die Christliche Vereinigung der Bauern, auch als oberschwäbische Eidgenossenschaft bezeichnet, deren Bundesordnung am 7. März verabschiedet wurde. Am 15. und am 20. März 1525 trafen sich die Bauern wieder in Memmingen und verabschiedeten nach weiteren Beratungen die Zwölf Artikel.

Die Zwölf Artikel waren zudem ein mediengeschichtliches Ereignis,. Dank des über 80 Jahre vorher um Jahr das Jahr 1440 von Johannes von Gutenberg erfundenen Buchdrucks konnten sie rasch und relativ preisgünstig vervielfältigt werden und sich weit verbreiten. Rund 25.000 Exemplare sollen gedruckt worden sein. Vor allem die aufständischen Bauern bezogen sich auf diese Flugschrift, die den Nerv der Zeit traf. Sie wurden in den Dörfern und Versammlungen verkündet und vorgelesen. Die Bauern wurden damit mobilisiert, sich an den Aufständen zu beteiligen, sich zu sammeln undden Zusammenrottungen, den Haufen anzuschließen. Die sich ihnen ergebenden oder anschließenden Grafen, Räte der Städte und andere Herren wurden auf die Zwölf Artikel verpflichtet, mussten auf diese schwören.

Auch die Bundesordnung war wohl vor allem deshalb bei den Bauern populär, weil sie ein Modell für eine kommunale, föderative Gesellschaftsordnung bot. Im Schwarzwald, im Elsass und in Franken lassen sich Bauernschaften nachweisen, die danach organisiert waren.

Die Bundesordnung enthielt sowohl ein rudimentäres politisches Ordnungsmodell und enthielt unter anderem Regelungen zu Verschuldungen, dörflicher Selbstverwaltung, zum Landfrieden, zur Stellung von Burgen, Klöstern und Obrigkeiten, aber auch für die Beziehungen zwischen den Haufen.

Für die Bundesordnung und die Zwölf Artikeln erhofften sich die Bauern auch die Zustimmung von Reformatoren wie Luther und Zwingli. Sie sollten die göttliche Legitimation ihrer Forderungen bestätigen und Beschwernisse vom Nächsten nehmen. In Artikel 12 erklärten sie sich auch bereit ihre Artikel abzuwandeln, wenn anhand der Bibel nachgewiesen werde, „dass sie Unrecht wären“.

Gleich im ersten der Zwölf Artikel suchen die Bauern diese Verbindung zu Gott und einem wahrhaften Christentum: „Jede Gemeinde soll das Recht haben, ihren Pfarrer zu wählen und ihn abzusetzen, wenn er sich ungebührlich verhält. Der Pfarrer soll das Evangelium lauter und klar ohne allen menschlichen Zusatz predigen, da in der Schrift steht, dass wir allein durch den wahren Glauben zu Gott kommen können.“

Artikel 2 fordert die Abschaffung des Kleinen Zehnten, da dieser nicht biblisch begründet sei. Von dem großen Zehnten sollen die Pfarrer besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kriegssteuer verwandt werden.

Artikel 3 begründet die Forderung nach Abschaffung der Leibeigenschaft, nach Gleichheit und Freiheit damit, „dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und freigekauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum ergibt sich aus der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.“

Artikel 4 verlangt das gleiche Recht auf Jagd und Fischerei, Artikel 5 die Rückgabe der durch die Herrschaften angeeigneten Gemeinde- und andere Wälder, damit „der arme Mann … seinen Bedarf an Bau- und Brennholz daraus decken kann.“

Artikel 6 und 7 beschränken die immer mehr und bedrückender werdenden Fron- und andere Dienste. Artikel 8 verlangt ertragbare Pachtabgaben, „damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue“. Und Artikel 10 prangert die private Aneignung von Gemeindeland an, also von Weiden und Äckern, welche ursprünglich allen Mitgliedern zur Verfügung standen, die Allmenden. „Die wollen wir wieder zu unseren gemeinen Händen nehmen.“

Artikel 9 beklagt die zunehmende Willkür im Gerichtswesen und fordert die Rückkehr zum Alten Recht beziehungsweise gerechte Bestrafungen nach Sachlage und „nicht nach Gunst“.

Artikel 11 schafft den schon erwähnten „Todfall“ ab, also eine Abgabe in Form des besten Stück Vieh des Bauers beziehungsweise das beste Kleid der verstorbenen Frau: „Nimmermehr sollen Witwen und Waisen so schändlich wider Gott und Ehre beraubt werden.

„Luther selber war nicht erbaut über die Aufstände der Bauern und deren Berufung auf ihn. Er befürchtete schädliche Folgen für die Sache der Reformation. Er wandte sich an die Bauernschaft und ermahnte sie zum Frieden.

Aber auch an die Herren schrieb er: „Sie haben zwölf Artikel aufgestellt, unter denen einige so gerecht sind, daß sie euch vor Gott und der Welt zur Schande gereichen. Doch sie sind fast alle auf ihren Nutzen und ihnen zugut abgestellt und nicht aufs beste ausgearbeitet. […] Nun ist’s ja auf die Dauer unerträglich, die Leute so zu besteuern und zu schinden.“

Ihren eigentlichen großen theologischen Fürsprecher fanden die Bauern in Thomas Müntzer, der sich klar auf die Seite der Bauern während der Aufstände in Thüringen stellte. Nach der Schlacht bei Frankenhausen wurde er am 15. Mai 1525 gefangen genommen. Er wurde gefoltert und am 27. Mai 1525 öffentlich in Mühlhausen enthauptet. Thomas Müntzer kann auch als früher „Theologe der Befreiung“ angesehen werden.

Der Gastwirt und Bauernführer Georg Metzler aus Ballenberg

Ich möchte die Geschichte des Hellen Haufens der Odenwälder und Neckartaler Bauern bzw. des „Evangelischen Heeres“ ausschnittsweise vor allem anhand der Geschichte ihres obersten
Hauptmannes, des Gastwirtes Georg oder Jörg Metzler aus Ballenberg, nachvollziehen.

In der großen Geschichte Mitteleuropas taucht Georg Metzler ziemlich unvermittelt in der zweiten Märzhälfte 1525 auf, um nicht einmal ein Vierteljahr später zu verschwinden, ohne eine konkrete Spur zu hinterlassen. Er stammte aus Ballenberg in der heutigen fränkischen Gemeinde von Ravenstein im Bauland. Ballenberg liegt ziemlich an einem Rand des heutigen Neckar-Odenwald-Kreises in Nachbarschaft zum Hohenlohe- und zum Main-Tauber-Kreis.

Ballenberg, das heute etwa 450 Einwohner zählt, lag an einer alten Straße, die Karl der Große von Würzburg in die Schweiz führen ließ. 1306 hatte der Ort das Stadtrecht erhalten.

Georg Metzler betrieb die Gastwirtschaft „Zum Ochsen“. Wie alt er war, wie er ausgesehen hat, wie er dachte und lebte, hat kein Zeitgenosse überliefert. Der rede- und schreibgewandte Mann war Mitte der 1520er Jahre sicher nicht mehr jung, vielleicht um die vierzig Jahre oder sorgar älter, denn es wird nach dem Bauernkrieg von einem Sohn und Schwiegersohn berichtet. Er gehörte der „wohlhabenden Ehrbarkeit“ in Ballenberg an.

Der Chronist Wilhelm Zimmermann stellt Metzler in seinem umfassenden Werk „Der große deutsche Bauernkrieg“ wie folgt vor: „Gewiss ist, dass er weit im Odenwald Bekanntschaft und Zutrauen hatte. In seinem Wirtshause fanden nicht nur die Versammlungen der Bauern statt, hier scheinen auch Wendel Hipler und andere Wissende des Bundes ihre Verabredungen getroffen zu haben.“ Wendel Hipler sollte während des Aufstandes der intellektuelle und politische Kopf des Hellen Haufens sein und von den Bauern zu ihrem Kanzler gewählt werden sollte.

Aus der Sicht der späteren Sieger behauptete der Feldschreiber des Pfalzgrafen Peter Haarer, Georg Metzler hätte „seine Tage größtenteils mit Spielen, Prassen und allem leichtfertigen Wesen verbracht“ und sei „ein Hauptmann unter den Bauern gewest, ganz ein recht schuldiger Stifter des überschwänglichen Mordes, Jammers und verderblichen Übels“.

Ein Lokalhistoriker bezweifelt diese Aussage: „Unzweifelhaft hatte Metzler mehr Zeit als seine bäuerlichen Dorfgenossen, über die Unzuträglichkeiten und Missstände im Lande nachzudenken,
die gerade den kleinen Mann am meisten drückten. Und als dann das Flugblatt mit den 12 Artikeln ihm ins Haus flatterte … und wenn dann abends die Bauern zu ihm in den „Ochsen“ kamen und das Gespräch von Saat und Ernte und Vieh zu den Steuern und Abgaben überwechselte und so eine Wendung ins Politische nahm, da horchten die Bauern auf, wenn Metzler ihnen die neuen Lehren vortrug. Was wunder, wenn’s dann im „Ochsen“ zu Ballenberg bis in die späte Nacht hinein hitzig herging. … So wird es wohl gewesen sein, dass die Wirtschaft und ihr Wirt bald in näherer und weiterer Umgebung der Treffpunkt aller Unzufriedenen wurde.

Bei Georg Metzler liefen viele Fäden zusammen, in seinem Gasthaus wurden Nachrichten ausgetauscht und auch überregionale Kontakte geknüpft, Netzwerke gewoben und „Verschwörungen“ und Absprachen getroffen.

Sammlung im Schüpfergrund bei Mergentheim

Herrschaftliche Ermittlungen nach dem Krieg ergaben: „Auf Anstiften des Georg Metzlers von Ballenberg zogen sich pfälzische, mainzische, würzburgische, deutschherrische Untertanen und mehrere Edelleute im Schüpfergrund am Odenwald und vom Rothenburgischen … in der Nähe von Mergentheim zusammen. Ein Ort nach dem anderen wurde von ihnen aufgefordert, die 12 Artikel anzunehmen und zu ihnen zu ziehen.“

Spätestens ab dem 26. März sammelten sich bei Ober- und Unterschüpf im Schüpfergrund bei Bad Mergentheim die Bauern. Der kurzpfälzische Feldschreiber Peter Haarer schrieb: Insonderheit erhob sich ein Zusammenrotten und Zusammenlaufen aus allen umliegenden Orten – ungestüm und in Haufen, wie die Bienen, die schwärmen. … Innerhalb kurzer Zeit kamen die Bauern im Schüpfergrund, am Odenwald gelegen, zuhauf, und es wurde der genannte Jörg Metzler als ihr oberster Hauptmann eingesetzt.“

Sicherlich reichten „bloßes Krakehlertum und hetzerischer Redefluß“ allein nicht aus, Tausende Bauern aus dem Bauland, Odenwald, Schüpfgrund, Taubertal, aus Hohenlohe und anderen Landschaften dazu zu bewegen, Hof und Stall und saatbereites Feld und ihre Familien im Stich zu lassen, sich einen Sack umzuhängen und mit Sensen, Morgensternen, Hellebarden, Dreschflegeln bewaffnet durchs Land zu ziehen. Sie mussten über die Herrischkeit von Adel und Geistlichkeit und der Not schwer empört gewesen sein.

Der Waldmannshofener Pfarrer Friedrich Süß, ein ehemaliger Augustinerpater, predigte. Das Würzburger Amtshaus in Oberschüpf wurde von den Bauern besetzt, in der Deutschordensstadt Mergentheim erhoben sich die Bürger und der dortige Hof des Klosters Schöntal wurde geplündert. Untertanen des Kloster Schöntals erhoben sich anläßlich der Hüngheimer Kirchweih und
verbrannten sowohl in Hüngheim als auch in Oberkessach und Weltersberg dem Kloster zugehörige Einrichtungen.

In den ersten Apriltagen 1525 ging es dann richtig los: Bis zum 2. April soll der Haufen im Schüpfergrund auf 3.000 bis 4.000 Mann angewachsen sein.

In Flein bei Heilbronn formierten sich etwa 1.000 Bauern aus dem Gebiet der Reichsstadt Heilbronn und Umgebung sowie dem Weinsberger Tal zum Neckartaler Haufen. Ihr Hauptmann wird der umtriebige Gastwirt Jäklein Rohrbach aus Böckingen. Sie bilden den Neckartäler Haufen. Auch in der Haller Landwehr erhoben sich die Bauern. Ihnen fehlte aber eine Führung und Erfahrung, sodass ihre erste Zusammenrottung durch ein paar Kanonenschläge vorerst in Panik auseinander fiel.

Öhringen auf der Seite der Aufständischen, die Grafen von Hohenlohe und Wendel Hipler

Mit Unterstützung von Bürgern und dem Übertritt der Stadt Öhringen gelang den Bauern ein erster größerer Erfolg. Aber auch der Neckartaler Haufen unter Jäklein Rohrbach war zur Unterstützung in Richtung Öhringen gezogen. In den Auseinandersetzungen und Verhandlungen mit den Grafen von Hohenlohe um Öhringen spielten auf Seiten der Aufständischen die Verbindungen und Erfahrungen ihres etwa 60jährigen Kanzlers Wendel Hipler, geboren in Neuenstein, eine wichtige Rolle.

Hipler entstammte einer begüterten Familie aus Hohenlohe, die enge Beziehungen zu den Grafen von Hohenliohe hatte. Hipler hatte 1482 an der Universität Leipzig studiert und trat etwa 1485 in die hohenlohesche Kanzlei ein, die er später auch leitete. Hipler soll im Dienst für die Grafen von Hohenlohe zu Reichtum gekommen sein und etliche Lehen und Höfe bekommen haben.

Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten kam es zum Zerwürfnis zwischen Hipler und dem Grafen Albrecht III. von Hohenlohe. Hipler gab sein Amt als hohenlohischer Kanzler auf und zog sich um
1515 nach knapp 30 Jahren in hohenlohischem Dienst zunächst nach Wimpfen zurück. Zwischenrein war er auch als Ratsschreiber in pfälzischen Diensten tätig. Im Vorfeld des Bauernkrieges wurde Hipler auch Anwalt mehrerer Kläger vor dem Reichsregiment in Esslingen und soll Interessen der Bürger und von Bauern vertreten haben.

Als am 2./3. April Öhringen den Bauern zufiel, hatten sich die Hohenloher Grafen Albrecht und Georg nach Neuenstein zurückgezogen, um von dort aus vermittelt über Boten mit den Aufständischen zu verhandeln und Zeit zu gewinnen in der Hoffnung auf baldige militärische Unterstützung. Sie forderten den Bürgermeister, Rat, Gericht und die Gemeinde zu Öhringen auf, die Stadtschlüssel wieder herauszugeben und den Aufruhr nicht auszuweiten.

Umgekehrt wurden die Beschwerden und Forderungen der Bauern der umliegenden Orte den Grafen übermittelt. Die Grafen versuchten hingegen die Bürgerschaft der Orte mit der Aussicht zu vertrösten, dass sich Hohenlohe bei einer allgemeinen Neuregelung den umliegenden Fürstentümern Mainz, Würzburg, Pfalz und Markgrafschaft anschließen würde. Solch ungewisse Aussichten für die Zukunft konnte die Bürger und insbesondere die Bauern aber nicht zufrieden stellen. Die Öhringer Stadtschlüssel würden den Grafen erst zurückgegeben, wenn sie den Zwölf Artikel zustimmten.

Die Verhandlungen bei Neuenstein und Öhringen zogen sich in die Länge.

Vereinigung der Odenwälder und Neckartaler zum Hellen Haufen beim Kloster Schöntal

Währenddessen zog die Hauptmacht des Odenwälder Haufens unter Georg Metzler, die im Schüpfgrund gelagert hatte, am 4. April zur weiteren Sammlung über Schweigern, Assamstadt und Krautheim zum Kloster Schöntal an der Jagst. Für etwa fünf Tage wurde dort das neue Hauptquartier aufgeschlagen die Neckartaler und Odenwälder vereinigten sich zum Hellen Haufen.

Die Zahl der um das reiche Kloster Schöntal lagernden Bauern wuchs auf etwa 10.000 an. Der Helle Haufen gliederte sich nun im wesentlichen in vier aus verschiedenen Regionen stammenden Gruppen. Zum einen handelte es sich um Schöntaler Untertanen. Die zweite Gruppe waren die Bauern unter Georg Metzler aus dem Odenwakd, Bauland und Schüpf- und Taubergrund, unter letzterem auch ein Fähnlein des legendären und militärisch erfahrenen Florian Geyer. Die nächste Gruppe unter Jäcklein Rohrbach kam aus dem Unterländer Raum um Heilbronn mit dem Neckar- und Weinsbergertal. Und als vierte Gruppe brachen die Hohenloher um Öhringen nach Schönthal auf.

„Während ihres Aufenthaltes tranken oder verkauften die Bauern 21 Fuder, also Wagenladungen, Wein, welche sie in den Klosterkellern fanden. Die Folge dieses Trinkens war Barbarei“. Es kam zu Verwüstungen im Kloster und in umliegenden Höfen und Dörfern. Weitere Wut entlud sich daher,als die Bauern die Urkunden zu Zinsen, Abgaben und Verschuldungen suchten und feststellen mussten, dass der Abt diese nach Frankfurt hatte schaffen lassen.

Am 8. April tauchte auch Götz von Berlichingen das erste Mal beim Hellen Haufen auf. Sein Bruder Hans hatte ihn um Hilfe gebeten, weil er sich von den Bauern bedroht fühlte. Götz besänftigte die Bauern, indem er erklärte, dass auch die Ritterschaft sich von den Fürsten bedrängt werde. Er wolle die fränkische Ritterschaft zu einer Versammlung in zwei Wochen einladen. Er spielte dabei mit dem Gedanken, die Volksbewegung der Bauern gegen die geistlichen Fürsten zu benutzen.

Tatsächlich versammelte Götz von Berlichingen dann am 20./21. April Ritter und Verwandte seines Adelsgeschlechtes auf dem Seehof bei Boxberg zu Beratungen über den weiteren Umgang mit den aufständischen Bauern.

Klärung der Verhältnisse um Öhringen – die Grafen müssen die 12 Artikel annehmen

Am 10. April zog der Bauernhaufen vom Kloster Schöntal weiter nach Neuenstein, um die Verhältnisse in Hohenlohe zu klären und wo die Grafen die Aufständischen hinhielten. Die Grafen hatten auch am Tag davor in Schöntal versammelte hohenlohische Untertanen auffordern lassen, zu Weib und Kindern zurückzukehren und dazu Straffreiheit zugesichert.

Hingegen zog der Helle Haufen nach Neuenstein, um die Grafen aufzufordern, sich den Bauern anzuschließen. In Grünbühl bei Neuenstein kam es schließlich zu direkten Verhandlungen. Am 11. April mussten sich die Grafen Albrecht und Georg von Hohenlohe auf freiem Feld den Bauern stellen, auf die 12 Artikel schwören und damit ihren Beitritt in die christliche Brüderschaft der Bauern erklären. Sie versprachen Anerkennung der Forderungen der Bauern bis zu einer allgemeinen Reformation sowie Amnestie und Freiheit der Jagd, worauf sie die Öhringer Stadtschlüssel zurück erhielten. Zudem versicherte der Haufen mit dem Siegel Georg Metzlers, unter Androhung der Todesstrafe die Grafen und die Ihrigen vor jeder Gewalttat zu schützen. Allerdings mussten die Aufständischen nochmals den Grafen mit einer erneuten Besetzung drohen, um die Überlassung der Vertragsabschrift zu beschleunigen.

Zu weiterer Beunruhigung des Haufens kam es, als Hohenloher Reisige, also Berittene, umherzogen. Die Aufständischen drohten daher die Zerstörung der Stadt Neuenstein an, und Georg Metzler forderte die Zurückhaltung der Reiter.

Auch legte Georg Metzler noch nach und verlangte von den Grafen, vier Tonnen Pulver und vier sogenannte Schlangen – Kanonen – für den Haufen bereitzustellen. Die Grafen suchten hingegen nach einem Ausweg, dies zu verhinderten. Sie drückten die Forderung und verzögerten um fast eine weitere Woche die Herausgabe von zwei Schlänglein und einen halben Zentner Pulver.

Schließlich zogen am 12. April 1525 die Bauernhaufen aus Öhringen ab. Das Taubertäler/Ohrenbacher Fähnlein zog zurück ins Taubertal. Der Haufen der Neckartaler und Odenwlder sowie Bauern aus Hohenlohe mit ihren Anführern Jäcklein Rohrbach und Georg Metzler zogen hingegen Richtung Neckar. In einem Abstecher des Fähnleins von Rohrbach wurde das Zisterzienser-Frauenkloster Lichtenstern geplündert und die Grafen Ludwig und Friedrich von Löwenstein zur Annahme der Zwölf Artikel genötigt.

Am 14. April öffnete sich die Deutschordens-Stadt Neckarsulm dem Hellen Haufen. Jäcklein Rohrbach hatte Untertanen des verhassten Deutschen Ordens in seiner Schar, welche dessen Güter gerne in Besitz nahmen.

Die Blutrache von Weinsberg

Währenddessen kam es zu Auseinandersetzungen mit Graf Ludwig von Helfenstein, dem Burgvogt von Weinsberg. Ludwig von Helfenstein und der Bottwarer Obervogt Dietrich von Weiler waren am 12. April gerade auf einer Ratsversammlung in Stuttgart gewesen und hatten um Beistand gebeten. Vorläufig wurden ihm 70 Berittene mit gegeben, die am 13. April in Weinsberg eintrifft. Schon auf der Rückreise von Stuttgart hatten sie unterwegs zahlreiche Bauern aufgegriffen und erwürgt.

Der von Lichtenstein vorbeiziehende Haufen forderte den Graf auf, ihrer christlichen Brüderschaft beizutreten. Der Graf aber versuchte mit Verhandlungen Zeit zu gewinnen, bis weitere Hilfe von Stuttgart käme. Gleichzeitig überfielen seine Reisigen Nachzügler des Haufens und brachten sie um, was den Zorn der Bauern erregte. Den eigenen Untertanen drohte Graf Ludwig mit dem Abbrennen ihrer Höfe, wenn sie das Lager der Bauern nicht verließen.

Zu dieser Zeit erreichte die Bauern auch die Nachricht von der Niedermetzelung von Tausenden Bauern durch das Heer des Schwäbischen Bundes unter dem Truchsess Georg III von Waldburg bei einer Schlacht im oberschwäbischen Wurzach. Die Bauern verstanden ihren Aufstand als einen gerechten Krieg und drängten auf Rache.

Ludwig von Helfenstein wollte jedoch nicht nachgeben und Weinsberg trotz seiner geringen Besatzung behaupten. An Karsamstag, den 15. April verhinderte er die durch einen Boten angebotene Übergabe der Stadt Weinsberg, ließ sich die Schlüssel ausliefern und die Stadt befestigen. Seine Frau mit Kind ließ Graf Ludwig zur Sicherheit nach Heilbronn bringen.

Am Ostersonntag, 16. April ziehen die Bauern in der Frühe auf Weinsberg zu. Unterhändler fordern die Übergabe. Wenigstens Frauen und Kinder sollten aus der Stadt gelassen werden. Wieder wird auf die Unterhändler geschossen.

Der militärisch erfahrene Florian Geyer stürmt mit seinem Haufen die Burg. Die Besatzung wurde dabei teils getötet, teils gefangen genommen. Dank Unterstützung von Bürgern kann auch die Stadt Weinsberg eingenommen werden. Die Ritter werden gefangen genommen und anschließend bei der Linde vor dem Stadttor durch die Spieße gejagt. Nach Angaben der Stuttgarter Regierung fielen den Bauern insgesamt 16 Ritter zum Opfer, darunter auch der Obervogt Graf Ludwig V. von Helfenstein.

In den Schilderungen der Weinsberger Blutrache wurde Georg Metzler nicht genannt, aber vor allem Jäklein Rohrbach damit in Verbindung gebracht.

Dieses Ereignis ging als „Weinsberger Bluttat“ in die Geschichte ein und war auch konkreter Anlass für Luthers Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ vom Mai 1525. In der Schrift schlug er sich auf die Seite der Obrigkeit und ermutigte die Fürsten, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen. Wörtlich heißt es: „man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss“.

Heilbronn

An Ostermontag, 17. April zog das Bauernheer unter Führung von Georg Metzler und Jäklein Rohrbach nach Heilbronn. Vor allem die Weinbauern und ihre Frauen wetterten gegen die Pfarrer und Patrizier der Stadt Heilbronn. Heilbronner Bürger ziehen zum Bauernhaufen und unterlaufen damit die abwehrende Haltung der Heilbronner Patrizier. Die Stadt stellte sich schließlich auf die Seite der Aufständischen, übergab 1.200 Gulden und stellte ein Fähnlein Freiwilliger. Es wurden nur geistliche Besitzungen und das Ordenshaus der Deutschritter geplündert. Metzler soll sich eventuell später bei der Plünderung des Karmeliterklosters einen Sack mit mehr als 1.000 Gulden angeeignet haben – ob für sich selbst oder für die Kriegskasse wird in der Sekundärquelle hier nicht weiter ausgeführt.

Zug nach Gundelsheim und Neuformierung

Auch im abwärts gelegenen Neckartal machte sich nun Unruhe angesichts der aufgebrachten und vorückenden Bauern breit. Am 20. April flohen die Deutschmeister unter Dieterich von Clee aus der Burg Horneck bei Gundelsheim. Bald darauf trafen die Bauern in Gundelsheim ein, plünderten das Schloss und setzten es in Brand. Und Neudenau trat auf Seite des Neckartal-Odenwälder Haufens in die Auseinandersetzungen ein. Bauern aus der Zent Buchen sollen sich dem Hellen Haufen in Heilbronn angeschlossen haben. Die Reichsstadt Wimpfen zahlte am 21. April an den Hellen Haufen 1.000 Gulden.

Gleichzeitig kam es zu Umgruppierungen: Jäcklein Rohrbach und sein Fähnlein aus etwa 200 Mann verließen den Hellen Haufen der Neckartaler und Odenwälder und zogen ins württembergische Neckartal, wo sie sich mit den württembergischen Bauern des Bottwarer Tals unter Führung Matern Feuerbachers vereinigten. Und Florian Geyer übernahm am 21. April in Mergentheim die Führung des Fränkischen Schwarzen Haufens.

Florian Geyer, geboren um 1490 in Giebelstadt etwa 15 km südlich von Würzburg, entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht Geyer von Giebelstadt. Schon jung erbte er nach dem Tod seiner beiden älteren Brüder und seines Vaters ein beachtliches Vermögen und umfangreiche Ländereien, die ihm fortan ein von finanziellen Sorgen freies Leben erlaubten. Von 1512 bis 1513 führte ihn eine Reise zu Heinrich VIII. nach England. 1517 wurde er nach einem Zinsstreit mit dem Würzburger Kollegiatstift Neumünster exkommuniziert und blieb bis zu seinem Tode im Bann. Er stand in militärischen Diensten verschiedener Adliger. Später nach den Niederlagen der Bauern soll er in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1525 im Gramschatzer Wald bei Würzburg ausgeraubt und erstochen worden sein.

Am 22. April hielt der Helle Haufen einen Kriegsrat ab. Wendel Hipler forderte statt der bisher geübten Auswechslung von Mannschafts-Kontingenten der Gemeinden einen permanenten
Kriegsdienst und Ausbildung. Desweiteren wurde gefordert, den erfahrenen streitlustigen Ritter Götz von Berlichingen als Führer des Haufens zu gewinnen, der sich nur widerwillig und auf Druck darauf einließ.

Gemeldet wird auch, dass Bauern aus der Zent Buchen sich in Eberstadt zu einem eigenen Haufen zusammenschlossen. Am 25. April schlossen sich in Walldürn Bauern dem Aufstand an und
plünderten die dortige Mainzer Kellerei. Zu dieser Zeit waren in Buchen und in den Dörfern des Amtes Martin Basler und weitere Buchener Einwohner für die Sache der Bauern und verpflichteten Dörfer auf die 12 Artikel.

Exkurs zum Bauernkrieg in Mosbach: Sammlung der Reaktion

Nach der Niederlage im Landshuter Erbfolgekrieg 1505 verpfändete der Kurfürst ab den Jahren 1506 bis 1519 seine ortsherrschaftlichen Rechte von Dallau, Auerbach, Rittersbach, Nüstenbach und Neckarburken an den Deutschen Orden. Der Deutsche Orden war ursprünglich ein geistlicher Ritterorden. Der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg schloss sich 1523 der Reformation an, legte auf Luthers Rat das Amt desHochmeisters nieder und wandelte den Deutschordensstaat in ein weltliches Herzogtum um.

Auch die Bauern des hiesigen Raums wurden in jenem Jahr aktiv. So plünderten Aufständische das Deutsch-Ordensschloss Dallau und zündeten es an. Auch verweigerten sie dem Stift Mosbach Abgaben.

Renz berichtet nebenbei: Die Bauernbewegung soll auch einen jungen Geistlichen aus Mosbach mitgerissen haben. Noch im Jahre 1538 verdächtigte der Domvikar Maurus Welstein in Speyer seinen Kollegen, den Domvikar Dionysius Entenfuß, beim Generalvikar, dass er im Bauernkrieg aufrührerisch gewesen sei und den Bauern den Fetzen bzw. die Fahne getragen habe. Entenfuß
stammte aus Mosbach, kam 1518 auf die Universität Heidelberg und ist wahrscheinlich der Sohn des Ratsherrn Dionys Entenfuß, der 1514 Bürgermeister des Rats gewesen war. Mosbach selbst kam in den Unruhen des Bauernkriegs nicht zu Schaden, hatte aber verschiedene damit zusammenhängende Ausgaben. Renz führt dazu ein paar Quittungen ohne Datum auf. Wenige
Beispiele daraus:

„2 Sch. 4 Pfg. einem Boten zu der Bauernschaft, abermals zu erforschen, wue sie hinwollen.“
„8 Pfg. Götzen, ist von Gundelsheim geritten, als das Schloss gebrannt hat.“

„1 Gulden 10 Sch. dem Fuhrmann zu Lohn, da er mit dem Geld gen Weinsberg gefahren ist. Vier
Tage sanß gewest mit dreien Pferden und einem Knecht.“
„7 Gulden 4 Sch. für Faß und sieben Eimer Wein so unserm gnädigsten Herrn geschenkt.“
„14 Gulden 7 Sch. dem alten Battlein von dreien Pferden und ein Knecht 8 Wochen in den Krieg zu
fahren, dem Knecht ein Tag 18 Pfg., dem Pferd gebirt ein Tag 12 Pfg.“

Diese weisen darauf hin, dass sich ein Teil der herrschaftlichen Reaktion in Mosbach reorganisierte: Am 10. April 1525 versammelten sich mehrere fürstliche Botschafter wegen der Bauernempörung in Mosbach. Am Tag darauf schrieb der Pfalzgraf, er sei zwar von den Bundesständen von Ulm ersucht worden, der Regierung zu Württemberg mit Reisigen zu Hilfe zu kommen und gegen die Bauern, die um Heilbronn und Brackenheim liegen, einen Zug vorzunehmen. Er entschuldigte sich aber: Die Bauern seien aber Mosbach und Boxberg zugezogen und hatten bereits Öhringen, Mergentheim, Schöntal und ebenso auch Durlach eingenommen. Die Notdurft erfordere daher, seine Lande selbst zu beschützen und zunächst dem Markgrafen Philipp in Baden beizustehen. In einem Brief an den Fürstbischof von Würzburg schrieb der Pfalzgraf am 18. April seine Befürchtung, dass der Neckartal-Odenwälder Haufen wohl von Gundelsheim in den Kraichgau, nach Heidelberg, ins Rheingebiet ziehen werde.

Am 17. April verabredete der Pfalzgraf eine gemeinschaftliche Zusammenkunft der Räte nach Mosbach. Die Regierung von Württemberg anwortete am 19. April, ihr Mitregent Dr. Johann Vaut werde zwar in Mosbach mit den Gesandten der Kurpfalz, Trier, Hessen und Baden sich wegen eines gemeinschaftlichen kräftigen Widerstandes gegen die Bauernaufruhr zu beraten. Man habe zwar auch bereits beschlossen, 1.200 freie Knechte anzunehmen und 1.500 Landsknechte auszuwählen, die man nach Marbach und Besigheim beschrieben hätte. Inzwischen sei aber im Fürstentum selbst die Aufruhr ausgebrochen, … ohne dass man wisse, was sie weiter vorhaben. Das Weinsberger Schloss sei verbrannt, der trefflichste Adel mit den besten Reisigen daselbst elendiglich umgekommen. Der Pfalzgraf möchte doch mit Hilfe und Beistand nicht zurückbleiben. Doch hoffe die Regierung immer noch, dass die Empörung in Güte beigelegt werden könne.

Am 23. Mai stellte sich der Pfalzgraf Ludwig V. an die Spitze eines Heeres und verließ – begleitet von den geistlichen Fürsten von Würzburg und Trier und seinem Neffen Otto Heinrich – am 23. Mai Heidelberg. Er nahm mehrmals an Schlachten gegen die Bauern teil, beispielsweise bei der Verteidigung der Festung Marienberg in Würzburg. Renz meint zudem, dass eine kleinere Abteilung der Bauern von dem pfälzischen Marschall Wilhelm von Habern in der Nähe von Mosbach geschlagen worden sei.

Kurfürst Ludwig kehrte von dem Kriege erfolgreich zurück und feierte am 19. Juli 1525 seinen Sieg mit einer feierlichen Messe in der Stiftskirche zu Heidelberg. Dem Kaiser gegenüber blieb Ludwig stets anhänglich und ergeben. Auch mit den übrigen Reichsfürsten stand er in guten Beziehungen.

Er starb 1544. An seinen Namen würden sich nur friedliche Erinnerungen knüpfen; keine gehässige Tat beflecke sein Andenken.

Verpflichtung von Götz von Berlichingen in Buchen

Am 26. April zog der Helle Haufen durch das Schefflenztal nach Buchen. Unterwegs schlossen sich Bauern, die Untertanen des Freiherrs von Adelsheim waren, dem Zug an.

Am Tag darauf wurde in Buchen die mainzische Kellerei geplündert, mainzische Räte trafen zu Verhandlungen in der Stadt ein, und Götz von Berlichingen wurde vor den versammelten Bauern und Bürger für vier Wochen als führender Feldhauptmann des Hellen Haufens verpflichet.

Danach zog der Helle Haufen in Richtung Amorbach weiter und kam am 29. April 1525 durch Walldürn. Dessen Bürger sollen sich schon vorher an der Ausbrennung des Schlosses in Limbach
beteiligt haben.

Einnahme und Plünderung von Amorbach, Beitritt von Miltenberg

Am 30. April wurde das Kloster Amorbach eingenommen und geplündert. Auch die Stadt Miltenberg trat in diesen Tagen auf die Seite der Bauern über und wird am 1. Mai von Truppen des
Hellen Haufens besetzt. Am 5. Mai verpflichtete sich in Miltenberg auch der bisher feindlich gesonnene Graf Georg II. von Wertheim.

Am 3. Mai schloss sich der mainzische Keller Weygandt den Bauern an und erarbeitete verschiedene Vorschläge für das weitere strategische Vorgehen, um weitere Anhänger auch unter der Geistlichkeit zu gewinnen. Er hoffte die Basis des Aufstandes weiter zu verbreitern, um diesen in eine Reichsreform münden zu lassen. Dafür erarbeitete er eine Art Verfassungsentwurf, den er mit Wendel Hipler diskutierten wollte. Zusätzlich schickte er ein Diskussionspapier für das sogenannte „Bauernparlament“, das Mitte Mai in Heilbronn zusammentreten sollte, seine Vorschläge trafen aber zu spät ein.

Die Amorbacher Erklärung

In Amorbach kam es intensiven Beratungen und Verhandlungen. Die Sache der Aufständischen des Hellen Haufens schien gut zu stehen. Überall im fränkischen Raum zwischen Odenwald und Würzburg wurden viele Dörfer und Städte und ihre Bewohner gewonnen, aber auch Grafen, Ritter und andere Herrscher und ihre Vertreter. Unter ihnen auch Graf Georg von Wertheim.
Auch die Städte Würzburg und Mainz, wo auch die Bischöfe ihre Machtzentren hatten, kippten: Am 25. April standen die Bürger in Mainz auf. Am 30. April forderten die Würzburger Stadtviertel die Beseitigung der Zölle, Besetzung des Stadtgerichtes durch Bürger, Übertragung der Polizeigewalt,die freie Wahl des Rates sowie Annahme der Zwölf Artikel. Um den 6. Mai floh der Würzburger Bischof Conrad aus seiner Festung in den Schutz des pfälzischen Kurfürsten Ludwig V. nach Heidelberg.

In Aschaffenburg wurde der Mainzische Statthalter Wilhelm von Bürgern und aufständischen Spessartbauern gefangen gesetzt, auf die 12 Artikel verpflichtet und dann nach Mainz entlassen. Am 7. Mai wurde schließlich der Vertrag von Miltenberg geschlossen: Eine kurmainzische Gesandtschaft schwört darin im Namen ihres Erzbischofs auf die Amorbacher Erklärung.

Die verbreiterte Basis verlangte aber auch Kompromisse. Während vordergründig die Bauern und auch Bürger die Kulisse bildeten, gewannen im Hintergrund, in diplomatischen Verhandlungen, in einberufenen Gremien und an Schreibtischen auch andere Akteure an Einfluss und änderten die politischen und sozialen Bestrebungen und Forderungen ab. Mit der Aussicht auf eine Reichsreform, wo sie ihre Interessen einbringen würden, konnten sich verschiedene Vertreter des Adels auch eher mit der Entwicklung abfinden.

In Amorbach wurde eine fränkische, abgemilderte Fassung der Zwölf Artikel unter anderem von Wendel Hipler und dem Heilbronner Bürger Hans Berlin verfasst und am 4. Mai als „Amorbacher Erklärung“ veröffentlicht. Gleichzeitig ergingen Einladungen an die Vertreter der Haufen in Franken, Schwaben und am Rhein, sich Mitte Mai zu einem sogenannten „Bauernparlament“ in Heilbronn zu treffen.

Oechsle erläutert in seinem 1830 in Heilbronn erschienen Werk zum Bauernkrieg: „Die Hauptleute sahen wohl ein, dass zur Erreichung ihres vorgesetzten Zweckes Ordnung und Gehorsam unumgänglich notwendig seien. Da sie aber täglich die Erfahrung machten, dass die Zwölf Artikel missverstanden wurden und für die jetzigen Umstände zu weit gingen, dass Unordnung und
Zwietracht immer mehr überhand nahmen, und endlich eine völlige Anarchie darauf erfolgen müsste, beschlossen sie eine Erklärung der Zwölf Artikel zu verfassen.“

Insbesondere die Artikel 6 bis 8 und 10, welche die immer mehr und bedrückender werdenden Fron- und andere Dienste und übermäßige Pachtabgaben beschränken sollten und die Wiederherstellung der Allmenden forderten, wurden suspendiert.

Weitere Beschlüsse sollten die Bauern disziplinieren. Zinse, Gülten und Schulden sollen bis zu der Reformation einem Jeden ohne Widerrede bezahlt werden. Wiesen, Äcker, Gärten und Güter, der weltlichen oder geistlichen Obrigkeit sollten gehegt und nicht beschädigt werden. Von Untertanen in allen Städten, Dörfern und Flecken wurde Gehorsam gegenüber ihren vorgesetzten Obrigkeiten eingefordert. Bei Verstößen sollten die Hauptleute und Räte des ganzen hellen Haufens einschreiten und bestrafen.

Ein Teil der Bauern war über die Modifizierung der Zwölf Artikel empört. So zerstörte das Weinhäcker-Fähnlein aus Niedernhall aus Verärgerung die nahe gelegene Wildenburg.

Der Neun-Städte-Bund

Die Amorbacher Erklärung war auch eine Grundlage für die Verhandlungen von Hauptleuten des Bauernhaufens mit Vertretern des Neun-Städte-Bundes ab dem 2. Mai in Amorbach.

Um 1330 hatten sich neun Städten des Mainzer Oberstifts zu einem Bund zusammen geschlossen: Den neun Städten Aschaffenburg, Seligenstadt, Dieburg, Miltenberg, Amorbach, Buchen, Walldürn, Külsheim und Tauberbischofsheim wurden Mitspracherechte bei Steuerangelegenheiten eingeräumt. Zu ihrem Landesherrn, dem Mainzer Erzbischof, entwickelte sich ein Mit- und Gegeneinander. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts emanzipierten sie sich unter anderem durch das Recht der Steuererhebung und -bewilligung weiter vom Landesherrn. Später trat der Neunstädtebund auch als politisch-militärischer Faktor in Erscheinung. Im Bauernkrieg 1525 wurden die neun Städte sowohl von den Bauernheeren als auch von der Landesherrschaft umworben. Städte wie Tauberbischofsheim traten teils gezwungenermaßen, teils freiwillig auf die Seite der aufständischen Bauern. Erst das Eingreifen des Schwäbischen Bundes ab der zweiten Maihälfte des Jahres 1525 beendete den Bauernkrieg im Mainzer Oberstift. Die Niederlage bedeutete für die Neun Städte das Ende der städtischen Selbstverwaltung und ihre landständischen Mitspracherechte.

Der Kampf um Würzburg

Die Haufen zogen weiter nach Würzburg. Am 6. Mai traf der Tauberhaufen unter Florian Geyer in Heidingsfeld ein, und die Stadt Tauberbischofsheim übergab den Aufständischen ihre Geschütze. Auch der Helle Haufen zog bis vor Würzburg. Unterwegs hatte Götz von Berlichingen die Zerstörung der Gamburg unterbunden.

Die Würzburger Festung auf dem Frauen- beziehungsweise Marienberg wurde ab dem 7. Mai eingeschlossen. Bischof Conrad war zuvor geflohen. Zur Verteidigung stehen nur noch um die 300 Mann bereit. Hingegen vereinigten sich die Haufen vor Würzburg sich zu einem Heer von 20.000 Mann. Auch die Stadt Würzburg schloss sich den Aufständischen an. Es kam in den folgenden Tagen zu ergebnislosen Verhandlungen, unter anderem durch Graf Georg von Wertheim: die Festungsbesatzung lehnt die Übergabe jedoch ab.

Aus der Würzburger Bürgerschaft und vom Tauberbischofsheimer Fähnlein von Alexius wurden Forderungen nach Zerstörung der Festung laut, während Götz von Berlichingen und Florian Geyer dieses Vorhaben zu verhindern suchten. Es kam zu Spaltungen im Bauernheer und zwischen den Hauptleuten beider Haufen.

Das sogenannte „Bauernparlament“ in Heilbronn

In Heilbronn trat währenddessen um den 12. Mai ein sogenanntes „Bauernparlament“ zusammen, um über eine neue Reichsverfassung zu beraten. Unter anderem der Bauernkanzler Wendel Hipler und der Miltenberger Keller Friedrich Weygant hatten dazu Vorschläge erarbeitet. Es ging um die Errichtung einer reformierten Ordnung „zu Nutz und Frommen aller Christen Brüder“. Die Beschwerden, vor allem der Bedrückung durch die geistlichen Fürsten, sollten beseitigt werden.

Laut Oechsle lag dem Entwurf Hiplers „unverkennbar die sogenannte Reformation Kaisers Friedrich III zu Grunde“. Er forderte eine allgemeine Kirchenreformation. Niemand solle in unbilliger Weise beschwert werden. Weitgehende Vorschläge zu Regelungen und Vereinheitlichungen im Wirtschaftsleben und im staatlichen Finanz- und Rechtswesen wurden formuliert. Dabei solle der Eigennutz den gemeinen Nutzen nicht beschweren. Hinzu kommen Regelungen zum Geldwesen bzw. Münzenschmieden, zur Vereinheitlichung von Maßen, um „große Nachteile der Armen im Kaufen und Verkaufen“ und Betrügereien im Handel und Tausch zu beseitigen. „Die großen Handelsgesellschaften sollen aufgehoben werden; denn Arme und Reiche werden dadurch, dass sie alle Waren nach ihrem Gefallen taxieren, übervorteilt.“ Es wurden Obergrenzen für das Betriebskapital vorgeschlagen.

Allerdings findet sich in Wendel Hiplers Entwurf anscheinend keine eindeutige Aussage zur Abschaffung der Leibeigenschaft, während Friedrich Weigant einfach erklärt: „Alle Leibeigenschaft
soll aufgehoben sein.“

Nach Bekanntwerden der Niederlage des württembergischen Bauernheeres gegen das Heer des Schwäbischen Bundes bei Böblingen und der Gefangennahme von Jäcklein Rohrbach wurde das Bauernparlament aufgelöst.

Auch ein für Ende Mai nach Schweinfurt einberufener Landtag konnte nicht mehr stattfinden.

Das Scheitern in Würzburg, das Auseinanderfallen des Aufstandes

Mitte Mai versuchten die Bauern in mehreren Angriffen die Festung Würzburg einzunehmen, scheiterten aber. Der Sturm des Tauberbischofsheimer Fähnleins auf den Frauenberg führte mit 400 Toten zu hohen Verlusten. Auch der nachfolgende Einsatz von eintreffenden Kanonen hatte keinen Erfolg.

Das bedrängte gemeinsame Unternehmen fiel allmählich auseinander. Viele der Bauerngruppen zogen sich von Würzburg zurück, in der Absicht ihre Heimatdörfer und -städte zu verteidigen, die vom vorrückenden Schwäbischen Heer des Truchsess auf seinem Zug nach Norden durch das Heilbronner Land in Richtung Würzburg bedroht wurden. Um den 21. Mai ließ der Truchsee den gefangenen Jäklein Rohrbach in Neckargartach durch Verbrennen hinrichten.

Und der Bruder des umgebrachten Grafen von Helfenstein ließ die Stadt Weinsberg aus Rache abbrennen und dem Erdboden gleichmachen.

Am 21. Mai rief Wendel Hippler dazu auf, 20.000 Mann in Krautheim zusammenzuziehen, um sich dem Schwäbischen Heer entgegenzustellen. Nur noch 4.000 Bauern sollten zur Belagerung des Frauenbergs zurückgelassen werden.

Am 23. Mai zog der Neckartaler bzw. der Weinsberger Helle Haufen von Würzburg ab in Richtung Neckarsulm, wohin auch ein kurpfälzisches Heer von Heidelberg und das des Schwäbischen
Bundes ziehen, um sich am 28. Mai bei Fürfeld zu vereinigen.

Am 28. Mai setzte sich Götz von Berlichingen nach Ablauf seiner Verpflichtung heimlich bei Adolzfurt bei Bretzfeld vom Neckartaler Haufen ab. Dessen Stärke sank auf nur noch 2.000 bis 3.000 Mann.

Am 29. Mai öffnete sich Neckarsulm dem Bundesheer. Die Bauern, die sich noch in der Stadt befanden, wurden hingerichtet.

Das Abschlachten der Bauern bei Königshofen

Der Neckartaler Bauernhaufen unter der Führung von Georg Metzler und Wendel Hipler sowie die anderen Haufen wurden vom Bundesheer, das 8.000 Fußknechte und 2.500 Reiter umfasste und weiter anwuchs, getrieben.

In Krautheim vereinigten sich die Reste des Neckartal-Odenwald Haufens mit den nachgeeilten Fähnlein des fränkischen Haufens und anderen Bauern zum letzten Mal zu einem Haufen aus etwa 8.000 Mann.

Am 2. Juni kam es zur Schlacht bei Königshofen, die zu einem Gemetzel an den Bauern wurde. Über 4.000 wurden in der Schlacht und bei Jagdszenen umgebracht. Sie waren vor allem den Berittenen hoffnungslos unterlegen.

Die Hauptleute und Obersten der Bauern, darunter Georg Metzler, aber sollen den Wagenpferden die Stränge abgeschlagen haben und davon geritten sein.

Auch bei einer weitere Schlacht am 4. Juni bei Sulzdorf Ingolstadt, in welche 5.000 Mann eines fränkischen Ersatzheeres von Würzburg ausgezogen waren, kamen fast alle ums Leben.

Ballenberg und der Verbleib von Georg Metzler

Die Stadt Ballenberg wurde am 1. Juni vom Bundesheer eingenommen, das Gasthaus Georg Metzlers abgebrochen und zerstört. Ballenberg behielt zwar sein Stadtrecht, hingegen wurde ihm die Selbstverwaltung entzogen.

Das weitere Schicksal von Georg Metzler ist unbekannt. Aufgrund der Aussage eines 1526 Festgenommenen hielten sich aber Gerüchte, dass eine Untergrundbande unter Georg Metzlers Führung im Gebiet zwischen Tauber, Kocher, Jagst und dem Bauland Überfälle begangen hatte.

Frauengestalten, Notizen

etwa Karsamstag, 15. April
Wolf Nagels Frau
Zimmermann erwähnt, dass es „eines Weibes List“ war, dass die Stadt Weinsberg fiel: „Wolf Nagels Frau von Weinsberg stahl sich durch nach Neckarsulm zum Haufen, ging von einem Zelt zum anderen und verkündete“, drei Bürger von Weinsberg „haben sie zu ihnen geschickt, sie sollen kommen, sie wollen ihnen die Stadt auftun, sie sollen sie nicht in den Nöten steckenlassen.“ Desweiteren verriet ein aus Weinsberg geflohener Bürger dem Bauernlager in Neckarsulm, dass im Schloss nur acht Mann Besatzung liegen würden.

20. April 1525:
In Rothenburg empören und bewaffnen sich Bürger- und Häckerfrauen, sie drohen, die Häuser von Priester zu erstürmen.

Margarete Renner, Witwe von Hans Renner, die schwarze Hofmännin bzw. das schwarze Weib

Mai 1525:
Über 200 Bauern aus der Umgebung Külsheims und Königheims dringen in den Pfarrhof von Uissigheim ein und zwingen den Pfarrer Erasmus Liebler seine Haushälterin, mit der er ein Verhältnis und zwei Kinder hat, zu heiraten.
September 1526: Gegen den Uissigheimer Pfarrer Liebler, der von den Bauern gezwungen wurde, seine Haushälterin, mit der er ein Verhältnis und zwei Kinder hatte, zu heiraten, findet ein kirchlicher Prozeß statt. Dabei werden Uissigheimer Bauern über ihr Mitwirken verhört.

Die zuhause gebliebenen Bauersfrauen tragen die Hauptlast in ihren Dörfern. Die meisten Männer der Haufen kehren nicht mehr zurück.

überfallene, geplünderte Frauenklöster
Nonnen und junge Novizinnen fliehen, werden vertrieben, werden freigesetzt, manche empfinden vielleicht auch ein Gefühl von Befreiung, müssen sich aber erst einmal orientieren oder sich in die Obhut ihrer alten Familien begeben

Frauenaufstand in Windsheim
Aus dem Bauernkrieg 1525 versuchte sich Windsheim soweit wie möglich heraus zu halten.
Während um Windsheim herum der Bauernaufstand in vollem Gange war, 3000 Mann aus dem unteren und oberen Aischgrund verbrannten am 9. Mai Schloß Dachsbach, am 13. das Edelfrauenstift Birkenfeld, am 14. Schloß Hohenkottenheim, am 16. Schloß Speckfeld, am gleichen Tag das Kloster Riedfeld, weiter die Schlösser Stöckach, Sachsen, Ullstadt, Birnbaum und Sugenheim.
In Windsheim wollten sich aber 60 Weiber den Bauern anschließen und das Augustiner-Kloster plündern. Am 5. und 6. Mai um Mitternacht zogen sie unter der Führung „der Lüllichin“ mit Beilen und Hackmessern zum Kloster, durch die Beredsamkeit des Bürgermeisters konnte das Vorhaben der Frauen verhindert werden.
Schon zuvor im März des gleichen Jahres kam es in Windsheim zu einen Aufstand der Bürger gegen den Rat, ihm wurde Vetterleinswirtschaft und andere Dinge vorgeworfen. Die Probleme wurde durch ein Änderung in der Zusammensetzung des Rates friedlich gelöst.
Auf dem Reichstag in Augsburg im Jahre 1530 bekannte sich die Reichsstadt zur Reformation. …

2. Mai 1525
Eröffnung des Landtags zu Würzburg im bischöflichen Saal des Bruderhofes, Fürstbischof reitet nach Zusicherung des freien Geleites in die Stadt zum bischöflichen Saal des Bruderhofes; Frauen bemängeln die Einfalt ihrer Männer, den Bischof bei dieser Gelegenheit nicht gefangen zu nehmen.

Die Folgen des Bauernkriegs in den Dörfern um Mosbach

Laut Blesch bedeutete der verlorene Kampf jedoch nicht jeglichen Verlust dörflicher Autonomie. Im unteren Elztal gab es offensichtlich für Bauern mehr Möglichkeiten der Mitwirkung in gemeindlichen Angelegenheiten als für Bewohner der Oberamtsstadt. Denn zum einen war in den Dörfern diese Mitwirkung nicht wie in Mosbach an die allmählich bedeutungsloser werdenden Zünfte gekoppelt. Zum zweiten saßen, von den Schultheißen abgesehen, meist keine Beamten in den Dörfern. Zum dritten waren die Dörfer eben kleiner, oft musste fast jeder männliche Erwachsene irgendein gemeindliches oder kirchliches Amt bekleiden.

1536 widersetzten sich die deutschordischen Untertanen von Dallau, Auerbach und Rittersbach steuerlichen Forderungen ihrer Herrschaft.

Um 1550 wirkten die Ortseinwohner mit, als n den Orten des unteren Elztals die Dorfrechte schriftlich fixiert wurden. Die Festlegung der Rechte und Pflichten wurden oft von den Bauern selbst initiiert. Denn es lag in ihrem Interesse, anhand dieser „Dorfweistümer“ einer immer mehr Pflichtleistungen abverlangenden Obrigkeit beweisen zu können, was herkömmlich-verbindliches Rechtsgut war. Beispielsweise ließen die Nüstenbacher 1549 das althergebrachte Recht niederschreiben, in der Erntezeit nicht zu bestimmten Frondiensten herangezogen zu werden. Ebenso wurde festgehalten, dass bei Fronfuhren anlässlich der Weinernte der Fahrer „Käse und Brot und einen ziemblichen Trunk“ von der Obrigkeit zu beanspruchen hatte. Auerbachs Dorfweistum des Jahres 1549 enthält nicht weniger als 45 zum Teil detaillierte Regelungen. Zum Beispiel:

– Der Orden habe in Auerbach außer Fron, Zins und Gulte nichts zu gebieten, sofern sie zum Schloss Dallau gehörten.

– Die Fron der Untertanen des Ordens seien festgesetzt und damit begrenzt.

– Die Gemeinde habe das Recht, in der Elz zu fischen.
– Es wurden Schuldvorwürfe gegen das Zisterzienserinnenkloster Billigheim erhoben.

Mosbach danach

1556: Offizielle Einführung der (lutherischen) Reformation in der Kurpfalz. Später setzt sich jedochdie calvinistisch-reformierte Glaubensrichtung durch.

1618-1648: Der dreißigjährige Krieg hat auch für das untere Elztal katastrophale Folgen, was sich vor allem im massenhaften Sterben der Menschen dokumentieren lässt: Mosbach 1615 ca. 1.670 Einwohner, 1650 ca. 750 Einwohner; Rittersbach 1615 ca. 250 Einwohner, 1649 noch 24 Einwohner; Auerbach 1615 ca. 370 Einwohner, 1649 noch ca. 85 Einwohner; Dallau 1615 ca. 480 Einwohner, 1649 noch ca. 260 Einwohner; Neckarburken 1615 ca. 230 Einwohner, 1649 noch ca. 90 Einwohner.

1621: Nach zweitägiger Beschießung wird Mosbach durch Truppen der katholischen Liga eingenommen.

1622: Der kaiserliche General Tilly schlägt in Mosbach sein Hauptquartier auf.

1623: Eine erste Pestwelle rafft Hunderte von Menschen im Raum Mosbach dahin.

Bis zu jenem Jahr hatten allein die Bewohner der Orte Dallau, Auerbach und Rittersbach durch Abgaben, Einzug und Plünderungen von kaiserlichen Soldaten einen Schaden von ca. 100.000 Gulden zu beklagen.

1631-1634: Das untere Elztal in schwedischer Hand. In Auerbach beschädigten die Schweden die Kirche so sehr, dass sie abgerissen werden muss. In Dallau wird das Schloss geplündert.

1635: Großes Sterben durch weitere schreckliche Pestwelle. Marodierende Soldaten verschiedener Herkunft plündern und töten in den nachfolgenden Kämpfen wahllos.

1647/1648: Kämpfe zwischen kaiserlichen und französischen Truppen in und um Mosbach.

1648: Nach den Bestimmungen des „Westfälischen Friedens“ wird in der Kurpfalz wieder das
calvinistisch-reformierte Bekenntnis zur Staatsreligion.