Kurz vor Kriegsende: Hinrichtung des Heinrich Baader in Mosbach

Vor 80 Jahren in Mosbach: barbarische Hinrichtung des Soldaten Heinrich Baader am Stadteingang wegen „Feigheit vor dem Feinde“

 

 

 

Collage:

ehemaliger Mosbacher Bahnhof in Richtung Stadtausgang und Symbolbild

 

 

 

 

Heinrich Baader, geboren am 15. November 1914 in Spalt in der Nähe von Nürnberg, war der Sohn des Mineralwasserfabrikanten Kaspar Baader und dessen Frau Kunigunde. Als Beruf wird Maler angegeben, er war im Kriegseinatz im Zweiten Weltkrieg und heiratete im November 1943. Er sei mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Silbernen Verwundetenabzeichen ausgezeichnet und zuletzt als „Oberwachtmeister“ oder in einem Feldwebel-Rang bei der „1. schweren Flak Ersatzabteilung 637“ eingesetzt worden.

Am 25. März 1945 wurde der 30-Jährige laut dem „Wehrmachtstandortältesten Mosbach/Baden“ „vom Standgericht des Generals der Wehrmachtordnungstruppen der Heeresgruppe G verurteilt“ und am folgenden Tag „am Stadteingang (gegenüber alter Tankstelle Spitzer)“ an der „Neckarelzer Straße“ erhängt. Der genaue Urteilsspruch ist nicht bekannt, ein Nachkriegsdokument des Kriegsgräberdienstes aus dem Jahr 1946 gibt „Feigheit vor dem Feinde“ als Grund an. Angeblich soll das Urteil „durch SS-Einheiten“ vollstreckt worden sein.

„Auf Befehl der damaligen Machthaber“ sei der Leichnam mindestens drei Tage zur Schau hängen geblieben. Über die Tat habe „in der hiesigen Bevölkerung große Erregung“ geherrscht. Erst zur Beerdigung am 29. März wurde der Leichnam abgenommen. Da Baader „nicht im Kriegergrab beigesetzt werden“ durfte, wurde er „im Grabfeld der Ausländer“ beerdigt. Drei Tage später Anfang April trafen amerikanische Truppen in Mosbach ein.

Im Juli 1947 beschloss der Mosbacher Gemeinderat, die Überreste von Heinrich Baader in das „Kriegergrab“ umzubetten und „zugleich die Einsegnung“ vorzunehmen„ „da der Verstorbene seinerzeit kein kirchliches Begräbnis erhalten“ hatte. Dazu sollte zur Feststellung seiner Konfession seine Ehefrau ausfindig gemacht werden, was jedoch misslang. Ein Vierteljahr später am 9. Oktober erfolgte dann die Umbettung.

Anfang Februar 1948 meldete sich Baaders Ehefrau Betty bei der Stadt Mosbach, um ihren Ehemann in seinen Heimatort Spalt überführen zu lassen. „Oberfeldwebel H. Baader ist katholisch.“ Das Gesundheitsamt Mosbach erhob keine „Bedenken seuchenpolizeilicher Art“. Jedoch sei „zur Zeit die Ausgrabung von Leichen zum Zwecke der Überführung nicht gestattet.“ Zudem waren Bescheinigungen und Genehmigungen zwischen Mosbach und Spalt auszutauschen. Erst am 24. Februar 1948 stellte das Standesamt Mosbach eine Sterbeurkunde für Heinrich Baader aus. Nebenbei erklärte Betty Baader, dass sie „die Angelegenheit zwecks Ergreifung der Schuldigen weiter gegeben“ habe.

Am 25. Februar kündigten Betty Baader und ihr Schwiegervater kurzfristig per Telegramm an, am folgenden Tag „mit Transportauto zur Abholung der Leiche“ zu kommen. Der Landrat in Mosbach erteilte daher eine „Sondergenehmigung“, ein fehlender Leichenpass wurde am 27. Februar ausgestellt und die Überreste Baaders nach Spalt überführt. Heinrich Baaders Vater beglich den Aufwand der Stadt Mosbach mit 50 RM.